ZT 10: Et kütt wie et kütt…

Tja. Ich habe nicht viel Zeit, aber meine Statistik zeigt, dass einige neugierige Leser da draußen sind ;), also:

Der Ultraschall war für mich etwas ernüchternd. Diesmal habe ich von Anfang an höher dosiert gespritzt (drei Tage 200 IE, dann je 225) und eigentlich war meine Erwartung, dass dabei dann vielleicht auch etwas mehr rausspringen würde als die 8 Eizellen vom letzten Mal.. Denn zum einen hätte ich wirklich gerne was übrig zum Einfrieren (denn bei der kurzen Zeit, die uns bleibt, werden wir vermutlich keine drei Vollversuche schaffen und ich hätte einfach gern ein bisschen was auf der hohen Kante, ein paar Zusatzversuche), zum anderen wollten wir diesmal auch lieber Blastos – denn so wie es aussieht möchte ich mir lieber nur einen Embryo einsetzen lassen und da wäre es mir schon lieb gewesen es mit einer Blastozyste zu versuchen, um die Erfolgschancen noch ein wenig nach oben zu schrauben. Denn es ist leider so, dass wir kein Zwillingsrisiko eingehen wollen.. können.. sollten. Bevor ich das erste Mal schwanger war fand ich Zwillinge toll, und im Grunde finde ich das auch immer noch, aber seien wir ehrlich: das würde in die Hose gehen. Ich habe hier keine Unterstützung, weder von der Familie noch von Freunden, noch von irgendwem und mein Mann ist nun mal eben sehr wenig zuhause. Und Zwillinge UND ein Kleinkind allein zu managen – das traue ich mir nicht zu. Also: mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit gibt es diesmal einen SET. Außer, wenn nur zwei Embryonen übrig blieben.. dann wäre ich doch in Versuchung beide zu nehmen.. Ach, keine Ahnung.
Ich schwoff ab.
Also. Der Ultraschall war ernüchternd. Die Ärztin schallte rechts: ein Follikel mit 16 mm und „jede Menge Kleingemüse, so wird das aber nichts!“. Ja, leider leider wirklich nur Mini-mini-mini-Eier, bei denen keine Hoffnung besteht, dass sie noch aufholen.. Dann schwenkte sie rüber nach links: „Aha. Sie werden eindeutig mit links schwanger!“ Drei weitere Follikel.. kleiner als der große von rechts, aber größer als die ganz kleinen.. Und mehr war nicht drin. Vier Stück. Vier lumpige Eierchen.
Ja, ich weiß. Vier Stück können reichen. Es gibt Frauen, die haben nur eine Eizelle oder zwei und schaffen es auch. Und im Grunde reicht es ja wenn DIE EINE dabei ist. Und, wie die Ärztin so schön sagte: ich werde offenbar leicht schwanger und wenn es schon mal geklappt hat sind die Chancen auch höher, dass es wieder klappt…
Trotzdem bin ich etwas, ein winziges bisschen, traurig. Und mache mir so meine Gedanken. Beim letzten Mal hatten wir 8 Eizellen, aber nur 4 waren reif. 3 ließen sich befruchten. 2 bekam ich zurück. 1 liegt jetzt unten im Bett und plappert selbst noch im Schlaf vor sich hin. Alles in allem eine gute Bilanz. Aber wenn jetzt, in diesem Versuch, wieder nur die Hälfte reif ist? Oder nur drei von vieren? Sich eine oder zwei gar nicht erst befruchten lassen..? Und dann kommt ja die nächste große Hürde: sie müssen sich weiterentwickeln. Und sich einnisten. Wobei: was die Einnistung angeht mache ich mir weniger Gedanken. Denn meine Schleimhaut ist mal wieder super-duper 1++ mit Sternchen. Die bringt wirklich immer und überall die Ärzte zum Schwärmen. 😛 Da wird ja so ein kleines Muckelchen, wenn es denn soweit fit ist, wohl sicher der gleichen Meinung sein und es sich gemütlich machen. (Nur hoffentlich bitte nicht an der Kaiserschnitt-Narbe.)
Jedenfalls: Blastos werden das wohl relativ wahrscheinlich nicht. Und eingefroren wird auch wieder nix. Und das bedeutet, wenn am Ende dieser Chose kein Positiv steht, können wir vielleicht noch eine ICSI machen (natürlich auch wieder ohne Kryos) – und dann ist die Zeit wahrscheinlich um und der Traum ausgeträumt. Das finde ich dann doch plötzlich irgendwie ernüchternd. Aber was will man machen? Es lässt sich nicht ändern. Es ist wie es ist. Es kommt wie es kommt. Jetzt heißt es: Kopf hoch und Arsch in den Sattel. Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht vorbei. Und sie singt noch! Gut, im Moment eher so Adele-bei-den-Grammys-2016-mäßig, aber auch eine Adele darf ja mal nen schlechten Tag haben, also klopfe ich ihr jetzt mal aufmunternd auf die Schulter und schaue nach vorne. Auf Sonntag. Sonntag gibts ein bisschen Brevactid zum späten Abendbrot und Dienstag wird dann punktiert. Alles was da ist. Und dann kann ich ja nochmal ein bisschen zittern, bis wir die Befruchtungsrate erfahren. Und DANACH kehrt dann hoffentlich die alte Lässigkeit zurück (zumindest, wenn noch ein Transfer in Aussicht steht) und ich genieße meine wundervolle Warteschleife. Deal? Deal.

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Hallo 2014, hallo Brevactid!

Nur ganz ganz kurz, alldieweil wir nach wie vor Gäste haben (morgen gibts dann vermutlich mal ne längere Meldung):
Frohes Neues zusammen! Ich komme gerade frisch aus der Kiwu, alles bestens, rechts sind fünf und links vier Follikel zu sehen und die sind gut gewachsen – deswegen soll ich heute schon den Eisprung auslösen und Samstag gehts dann zur Punktion. Ich hätte jetzt gar nicht damit gerechnet, dass es plötzlich so schnell geht und bin einigermaßen überrollt, aber glücklich. So kann das Jahr gerne weiter gehen. 🙂

Unsere Chance auf den Jackpot steht noch.

Jawoll. Danke an alle fürs Daumendrücken – ihr seid der Hammer! 😉

Das Spiel „Rechts gegen Links“ ist neuerdings eröffnet! Die Eierchen auf der rechten Seite haben ganz schön rangeklotzt (dafür hat sich der linke Eierstock heute ganz schüchtern versteckt und war nur schwer zu erkennen), ein paar waren schon ganz schön groß dafür, dass sie nur drei Tage Zeit hatten.. So 6-10 Eizellen dürften bei der Punktion vermutlich doch noch rausspringen, evtl. sogar mehr, denn… ich muss am Donnerstag nochmal zum US, Punktion ist – wenn alles gut geht – vermutlich dann erst in einer Woche. Aber damit kann ich leben. Mir ist alles recht. Hauptsache Eier. Deswegen habe ich auch ohne mit der Wimper zu zucken nochmal knapp 150 Euro in der Apotheke gelassen für neue Flüssighamster. Und ein Päckchen Brevactid! Geilo! Dass ich das jetzt haben darf, macht die Sache gleich ein wenig realer. Freude! Jubel! Gloria!

Gut, einen kleinen Dämpfer gabs dann doch noch. Mein Mann bekam die SG-Ergebnisse von letztens ausgehändigt. (Und hat sie gleich weg gesteckt, wer weiß ob ich sie je zu sehen bekomme..) Die waren wohl ziemlich mies. Außerdem waren die Spermien ja eingefroren worden, als Depot, damit wir am Tag der Punktion auf jeden Fall genug haben. Und nun hatten die Damen und Herren von der Kiwu nochmal eine kleine Probe aufgetaut, um zu sehen, ob die kleinen Schlingel überhaupt dazu taugen.. und das hat nur EIN EINZIGES Spermium überhaupt gepackt. Und das auch nur, weil sie, wie der Arzt sagte „es mit Kaffee vollgepumpt haben“. Autsch. Und weil die Werte so schlecht sind, müssen zur Befruchtung dann die „frischen“ und die „getauten“ Schwimmer ran. Alles, was geht! Weils sonst einfach nicht reicht. Und was sagt der Herr Doktor nach Begutachtung meiner Follikel: „So viele können wir ja auch gar nicht brauchen, wir haben ja gar nicht so viele Spermien…“ …na gut. Ist mir grad alles wumpe. Wir nehmen, was kommt. Hauptsache, wir kriegen unsere Chance.

So, und jetzt muss ich ganz dringend aufräumen, hier siehts noch aus wie bei andern Leuten unterm Bett. (Unter UNSEREM Bett ist es sauber. Aber NUR da.) Ich wünsch euch allen was. Hauptsächlich natürlich einen schönen Jahreswechsel. Ich für meinen Teil werde meinen ziemlich genießen – jetzt erst recht. Vielleicht war das ja auch der Sinn des ganzen Eierschrecks: dass ich das Jahr mit einem hoffnungsvollen Lächeln im Gesicht beenden darf. Also: rutscht gut rein! Auf dass 2014 ein glorioses, wundervolles und unfassbar kinderreiches Jahr für uns alle werde!

 

 

ZT 11 – The Game Is ON

Erstmal: DANKE für all die lieben Kommentare! Diesen Trost habe ich dringend gebraucht. (Das „r“ klemmt immer noch, deswegen habe ich zuerst „Tost“ geschrieben… Nein, TOAST brauche im Moment eigentlich weniger…) Heute habe ich  beschlossen, dem Schicksal den Kampf anzusagen. Auch, wenn ich eigentlich gar nichts Großartiges tun kann – außer die Einstellung am Gonal-Pen ändern. (Übrigens fühle ich heute – trotz anderthalbfacher Dosis gestern – immer noch nix. Nicht mal nen neuen blauen Fleck.) Aber ich will nicht das ganze Wochenende herumsitzen und trauern – und wie albern wäre das auch, wenn es womöglich am Montag DOCH weiter ginge?! Also habe ich beschlossen, zumindest bis dahin den Kopf nicht hängen zu lassen und einfach mein Ding durchzuziehen. Das heißt: Silvester vorbereiten, morgen bei meinen Eltern den Geburtstag meines Vaters feiern, zwischendrin hoffentlich ein paar Klassenarbeiten korrigieren und Bilder benoten, und mich nicht in Hasstiraden über Enantone (blödes Mistzeug!!) ergehen. Und dann sehen wir weiter. Heulen kann (und werde) ich dann immer noch.

Meinen armen kleinen Eierchen möchte ich an dieser Stelle folgende Worte mit auf den Weg geben:

Liebe Eier (damit meine ich jetzt vor allem die Kameraden auf der rechten Seite.. JA, IHR seid gemeint!),
ich weiß, es kommt jetzt etwas plötzlich, aber überlegt euch doch mal, ob ihr nicht heute und morgen doch noch spontan ein wenig wachsen wollt. Also, eigentlich am besten mehr als ein wenig, aber ihr wisst, was ich meine. Wir waren doch sonst immer so ein eingespieltes Team. Jeden Monat ist brav eines von euch über die Planke gegangen, und das, obwohl ihr vielleicht wusstet (oder zumindest geahnt habt), dass es ein Ausflug ohne Wiederkehr sein würde. Ich sag euch mal was: Dieses Mal habt ihr die vielleicht einmalige Chance, sozusagen eine Klassenfahrt zu machen. Ihr müsst nicht alleine da raus! Zusammen seid ihr stark! Und außerdem besteht die vielleicht noch einmaligere Chance für euch, den Bund fürs Leben zu schließen. Ja, ok, ihr dürft euch euren Partner leider nicht selbst aussuchen. (Aber die Leute, die das für euch übernehmen, haben Ahnung, glaubt mir.) Und nein, er wird auch nicht schüchtern mit einem Strauß Blumen bei euch schellen und euch fragen, ob ihr ihn mögt. Es wird kein Briefchen mit den Worten „Willst du mit mir gehen? Ja / nein / vielleicht“ unter eurem Türschlitz durchgeschoben. Vielmehr wird derjenige sozusagen mit der Tür ins Haus fallen. Aber ihr könnt ihn natürlich ignorieren. Da habt ihr mein vollstes Verständnis. Nur bitte, gebt der Sache eine Chance. Wenn ihr wüsstet, was dann an Möglichkeiten vor euch läge! Also bitte: ich weiß, En-Anton war doof zu euch. Aber der kommt mir nicht mehr ins Haus. Versprochen. Wenn ihr euch jetzt was traut, dann wartet da draußen eine riesige Welt auf euch (na ja, oder zumindest einige von euch). Hängt euch rein. Ihr könnt das!

Eure Chefin

Eine schlechte und eine schlechte Nachricht.

Ich kann nicht glauben, dass ich das jetzt gerade wirklich schreibe und dass es nicht nur ein böser Traum ist, den mein Hirn sich dank seines Hangs zur Panikmache für mich ausgebrütet hat: unsere ICSI ist wahrscheinlich am Montag vorbei.

Aber von vorne:

Ich falle heut Morgen gut gelaunt um sechs Uhr aus dem Bett, dusche, packe meinen Mann ein und düse mit ihm zur Kiwu. Überpünktlich sind wir da. Auf dem Weg durchs Bergische geht noch wunderschön farbenfroh an einem wolkenlosen Himmel die Sonne auf und ich denke, wie gut das doch gerade zu meiner Stimmung passt…
In der Kiwu werden wir wie immer sehr freundlich begrüßt, ich gebe bei der Gelegenheit auch noch die 5 Zentner von uns unterzeichnete Formulare ab, die zur Punktion auf jeden Fall vorliegen müssen, und dann dürfen wir noch einen kurzen Moment ins Wartezimmer, das erstaunlich voll ist. Nach fünf Minuten oder so werden wir dann aber ins Behandlungszimmer gerufen, Frau Doktor kommt auch gleich durch die Tür und begrüßt uns, und dann kommt die Frage: „Na, haben Sie die Medikamente gut vertragen bislang?“
„Ja“, sage ich, „eigentlich fast zu gut, ich merke nämlich gar nix davon. Ich frag mich schon langsam, ob da überhaupt was passiert..“
„Ach“, sagt Frau Doktor, „das klingt ja gut. Das ist eigentlich immer ein guter Anfang, wenn es keine Nebenwirkungen und so gibt! Dann gucken wir doch mal!“
Solchermaßen ermutigt mache ich mich untenrum frei und springe auf den Stuhl. Erster Halt: Gebärmutter. Joa, schon ganz gut, Schleimhaut sieht aus, wie sie aussehen sollte, prima. Zweiter Halt: Eierstöcke.

Tja.

Links ein Follikel mit – wenn ich es richtig gesehen habe – 11 mm und ein paar kleinere, die sie gar nicht erst vermisst. Rechts… nichts. Auch nicht mit Schieben, Drücken, Ruckeln und Beten. Einfach nur nichts.
„Oh“, sagt Frau Doktor, „bitte nicht enttäuscht sein, aber das ist jetzt nicht so gut. Wir brauchen schon beide. Auf jeden Fall, sonst wird das nichts, da ja die Spermien so schlecht sind.“ Ich schlucke, bleibe aber ruhig, während ich mich wieder anziehe.
Frau Doktor sagt, dass bei meinem Jahrgang und meinen Reserven (ich erinnere noch einmal daran: AMH bei 2,6) eigentlich auf jeden Fall viel mehr drin sein müsse. Dass sie die Dosis Gonal erhöhen wird (von 150 auf 225) und wir dann hoffen, dass meine Eier den Turbo einschalten. Am Montag wird überprüft, ob und was dann passiert ist. „Wenn sich nichts ändert“, sagt Frau Doktor, „dann würde ich Ihnen empfehlen, den Versuch abzubrechen.“

Das sitzt, kommt aber erstmal gar nicht so richtig an.

Sie sagt noch, dass es natürlich unsere Entscheidung sei, dass es auch verständlich wäre, wenn wir das nicht wollten nach den bisherigen Mühen, aber dass sie eben dazu raten würde. Wir sollten da am Wochenende schon einmal drüber nachdenken. Dann erklärt sie noch, dass nicht meine faulen Eier an der Misere schuld sind, sondern dass vermutlich Enantone und ich einfach nicht so gut miteinander auskommen. Das sei schon ein ziemlich guter Blocker, sagt sie, und manche Frauen würden so extrem darauf ansprechen, dass dann auch die Stimulation nicht richtig anschlüge. Das seien aber sehr wenige. Herzlichen Glückwunsch! – Ich bin mal wieder eine von sehr wenigen. Na wunderbar.
Nach einem mitfühlenden Händedruck, einen Termin für Montag und ein Rezept für Gonal reicher und eine Ampulle Blut ärmer, verlassen wir die Kiwu und ich habs immer noch nicht richtig kapiert. Wie jetzt: Abbruch?
Wir schlendern zurück zum Auto, mein Mann nimmt meine Hand, wir unterhalten uns über Nebensächliches. Bevor wir losfahren, setze ich mir direkt noch die nächste – jetzt höher dosierte – Spritze. Dann bitte ich meinen Mann, mich nach Hause zu bringen. Eigentlich wollten wir direkt weiter fahren zu seiner Besten und Familie, aber ich kann das jetzt nicht.
Wir fahren stumm nach Hause. Auf dem Weg durchs Bergische ist der Himmel plötzlich nicht mehr farbenfroh und wolkenlos, sondern dunkel und zugezogen. Ich finde das nett vom Wetter, dass es sich der Situation anpasst, fühle mich aber gleichzeitig verarscht.
Zuhause angekommen springt uns aggressiv kuschelnd die Flauschmadame an, die scheinbar mal wieder einen Riecher dafür hat, dass etwas im Argen ist. Zu dritt liegen wir auf dem Sofa und ich breche in Tränen aus, weil ich mich in zehn Jahren als verrückte Katzenoma sehe. Mein Mann schreibt seiner Besten eine Nachricht, dass ich vermutlich nicht mitkommen werde. Sie schreibt zurück, dass sie dann aber total traurig sei. Und dann den Nachsatz: „Die Kinder wollen sie auch sehen.“
Ich kann gerade noch leise und undeutlich die Worte „Ich kann jetzt aber gerade nicht mit Kindern spielen“ herausquetschen, bevor die Tränen wieder anfangen zu laufen. Wir liegen nochmal eine Weile herum, mein Mann schläft ein, die Katze schnurrt, ich weine. Irgendwann wacht er wieder auf, fragt, ob er mich denn allein lassen könne, ich bejahe, er gibt mir tausend Küsse (die ich in dem Moment aber irgendwie gar nicht will, weil sie mich noch trauriger machen), verabschiedet sich drei Dutzend mal und fährt.

Ich sitze hier und komme mir vor wie im falschen Film. Hab ich zu viel gewollt? Ich dachte, meine Ansprüche an diese Sache seien recht bescheiden. Wir ziehen die ICSI durch, es nistet sich nichts ein oder überlegt es sich nach Einnistung kurzfristig anders – schade, aber okay. Wir ziehen die ICSI durch, es nistet sich nichts ein, es bleiben auch nicht genug Embryonen für eine Kryo – SEHR schade, aber okay. Wir ziehen die ICSI bis zur Punktion durch, keine der Eizellen lässt sich befruchten – ja, OKAY, ich würde heulen und jammern, aber es wäre okay. Das kann halt passieren bei so einem miesen SG, non? Aber dass wir jetzt an einer Hürde scheitern sollen, von der mir alle gesagt haben, sie wäre eigentlich gar nicht vorhanden – nämlich meine sonst so vorbildlich tadellos mustergültig funktionierenden Eierstöcke mit der überdurchschnittlich hohen Reserve -, das hatte ich nicht auf dem Schirm. Ich wollte doch nur eine Chance. Eine Chance auf eine Schwangerschaft. So wie sie normale Paare einmal im Monat haben. Die Möglichkeit, dass da etwas passiert, die Erlaubnis zu hoffen. Statt dessen haben wir jetzt fast 1000 Euro für vermutlich nichts ausgegeben.
Ja, es tut mir leid, ich bin (mal wieder) pessimistisch und gehe davon aus, dass es das jetzt war. Wir haben noch Aufschub bis Montag, aber ganz ehrlich, was soll da in drei Tagen passieren, was vorher in über einer Woche nicht funktioniert hat? Ich mache mir da wenig Illusionen. Und ja, wir könnten das Ganze natürlich trotzdem durchziehen, aber hat das einen Sinn?

Ich mag grad nimmer. Das wird ein bombiger Jahreswechsel. Vermutlich sollte ich unsern Gästen nahelegen, sich kurzfristig umzuorientieren. Bevor ich noch alle mit meiner miesen Laune anstecke.

8 Stunden Passivrauchen.

So lieb ich meine Schwiegereltern hab: bei ihnen zu Besuch zu sein ist für mich immer eine Prüfung. Beide sind Raucher (vor allem Schwiegerpapa zündet sich gefühlt alle Viertelstunde ne neue Kippe an) und rauchen vor allem auch in der Wohnung – im Gegensatz zu meinem Mann, der dazu immer brav vor die Tür geht… außer natürlich, wenn wir bei seinen Eltern sind. Gestern saß ich also acht Stunden lang in einer (wenn auch sehr hübschen) Raucherbude und habe versucht, mir den Qualm wegzudenken. War nicht so einfach. Ich kriege einfach schon nach kurzer Zeit fiese Kopfschmerzen davon, und meine Augen brannten, dass ich dachte ich heule jeden Moment los. Und dann musste ich natürlich auch ständig dran denken, dass ja Rauchen so gar nicht gut für die Fruchtbarkeit ist und man das ja während der Behandlung auch tunlichst vermeiden sollte (mein Mann raucht und trinkt übrigens weiter wie sonst auch.. mir wäre es lieber, er hielte sich mal etwas zurück, aber das ist letztendlich seine Entscheidung).. Ich habe in meinem Leben noch keine einzige Zigarette angerührt und mich auch nie davon versucht gefühlt, aber ausgerechnet gestern hieß es dann stundenlang Passivrauchen. Vermutlich mache ich mir da zu viele Gedanken, aber ich hab mich dann schon zwischenzeitlich gefragt, ob ich mir durch meine bloße Anwesenheit dort jetzt vielleicht die ICSI kaputt mache (ja ja, ich weiß, völlig übertrieben.. *seufz*). Am liebsten wäre ich vorsichtshalbe daheim geblieben, aber ich hatte letztes Jahr schon das Weihnachtstreffen mit den Schwiegis verpasst und wollte nicht, dass sie den Eindruck bekommen, ich wolle nicht mit ihnen feiern….
Auf jeden Fall war ich heilfroh, als ich endlich wieder raus an die frische Luft kam; auch wenn – wie gesagt – die Gesellschaft eigentlich sehr nett war. Aber Zigarettenrauch und ich sind einfach eingeschworene Feinde, da hilft nix.

Morgen um diese Zeit hab ich den US schon hinter mir. Das ging bis jetzt alles wahnsinnig schnell. Vorhin gabs schon zum siebten Mal die tägliche Dosis Gonal. Langsam frage ich mich, ob das Zeug überhaupt anschlägt? Ich merke nix. Gar nichts. Wenn meine Eierstöcke was tun, dann tun sie es heimlich, still und leise. Nebenwirkungen hab ich auch keine. Stimmungsmäßig bin ich völlig entspannt. Es ist alles wie sonst auch. Die allmorgendliche Spritze ist so schnell und unspektakulär, dass ich die meiste Zeit nicht mal daran denke, dass ich gerade mitten in unserer ersten ICSI stecke. Irgendwie kommt mir das alles gerade nicht real vor. Bin gespannt, ob sich das nach dem US morgen ändert.

 

Anmerkung: Falls im vorliegenden Text das ein ode andee „r“ fehlen sollte, bitte ich dies zu entschuldigen. Irgendwas sitzt da in meine Tastatur und blockiert ausgerechnet diesen Buchstaben…

Have yourself a merry little christmas.

Vom einen Stress in den nächsten. Schule ist aus, jetzt ist Weihnachten dran. Ich muss gestehen, dass es dieses Jahr von meiner Seite aus nur wenige Geschenke geben wird, höchstens ein paar Kleinigkeiten. Ich hatte einfach nicht die Zeit, etwas vorzubereiten, und bevor ich irgendnen Quatsch schenke, um nicht mit leeren Händen dazustehen, schenke ich lieber nur ein paar liebe Worte. Es fühlt sich zwar schon blöd an, aber ich weiß auch, dass es mir keiner übel nehmen wird. Ich selber erwarte auch keine Geschenke, wüsste auch gar nicht, was ich mir überhaupt wünsche. Mein Herz hängt da auch gar nicht dran. Ich möchte einfach ein paar schöne, ruhige Tage mit lieben Menschen, gutem Essen und möglichst wenig Stress. Heute Abend kommt eine sehr liebe Freundin zum Essen, und da gönne ich mir nochmal die Mühe eines Drei-Gänge-Menüs. Es gibt erst ein Rosmarinsüppchen mit Geflügelspieß, dann gekräutertes Lammrückenfilet mit Rosmarinkartöffelchen und Bohnen und zum Nachtisch meinen liebsten Lieblingsnachtisch: Crepes Suzettes. Die Vorspeise werde ich gleich schon vorbereiten, dann dürfte der Rest heute Abend eigentlich recht entspannt zu erledigen sein.
Heiligabend und ich verbringen mein Mann und ich dann ganz entspannt daheim, es gibt noch mal Lamm (diesmal mit Rotweinsauce und Ofengemüse) und für ihn einen leckeren Wein dabei; vielleicht machen wir endlich mal wieder ein bisschen Musik (ich glaube, seit ich im Ref bin, habe ich die Harfe nicht mehr angerührt.. wahrscheinlich ist sie grauenhaft verstimmt, aber das wäre ich auch nach so langer Zeit) oder kuscheln einfach nur gemütlich mit den Katzen auf dem Sofa. Den ersten Weihnachtsfeiertag gehts zu seinen Eltern, am zweiten dann zu meinen, und dann ist auch schon der US-Termin und wir werden sehen, wie sich der Rest der ICSI zeitlich in unsern Terminplan einfügt. Da zwei, drei Tage später schon die ersten Gäste kommen und die letzten vermutlich erst am 3.1. wieder abreisen, hab ich so die Vermutung, dass Punktion + Transfer und Gästebewirtung sich eventuell ein bisschen ins Gehege kommen werden. Aber nach all dem Stress in den letzten Wochen sehe ich dem ehrlich gesagt mit einem Achselzucken entgegen. Wird schon irgendwie! Zwar habe ich immer diesen Drang, die perfekte Gastgeberin sein zu wollen, aber eigentlich weiß ich auch, dass ich auch die einzige bin, die diesen Anspruch an mich hat. Alle, die uns besuchen kommen, kommen wegen der netten Gesellschaft – nicht, um sich ein paar Tage lang bekochen zu lassen. Und jeder von ihnen würde hier tatkräftig mit anpacken, Geschirr spülen, Gemüse putzen oder den Tisch decken. Ich muss nicht alles alleine machen, wenn ich das nicht will. Und schlimmstenfalls wird sich auch jemand finden, der meinen Platz am Herd einnimmt und das Abendessen zubereitet und die Frühstückseier kocht, während ich jammernd auf der Couch liege. Das ist das schöne an guten Freunden. 🙂

Bis jetzt gehts mir jedenfalls prima. Auch nach der vierten Dosis Gonal merke ich davon genau gar nichts. (Bis auf einen winzigen blauen Fleck am Bauch, wo ich gestern scheinbar blöd gepiekst hab. Aber der tut nicht mal weh.) Beschweren möchte ich mich darüber nicht – auch wenn ich es fast ein ganz kleines bisschen schade finde, dass die ICSI so unspektakulär ist bislang. Aber wie gesagt: beschweren möchte ich mich nicht. 😉

Da ich die nächsten Tage vermutlich nicht viel Zeit im Netz verbringen werde, wünsche ich allen meinen lieben LeserInnen schon mal ein wunderschönes Weihnachtsfest – lasst es euch gut gehen, schlemmt, feiert, genießt die Zeit mit euren Lieben! Wir lesen uns wieder, wenn hier irgendetwas passiert, das aufzuschreiben sich lohnen würde. Also vermutlich nach dem US. 😉 Bis dahin:

alles, alles Liebe und frohe Weihnachten!

Eure Nenu

Are you gonal be my girl?

20. Dezember 2013, 9:20 Uhr: ich entlasse meine 6. Klasse in die Weihnachtsferien. Da ich zwei Freistunden habe, beschließe ich, dass der Plan mit der Spritze auf dem Lehrerklo doch nicht so meins ist und ich das lieber woanders machen will.

9:45 Uhr: Ich sitze auf einem Parkplatz in der Nähe eines Parks im Auto und lese noch ein wenig. Hier ist es sehr ruhig, kein Mensch weit und breit, ich warte noch ein Weilchen, weil ich 10 Uhr als feste Gonal-Zeit eingeplant habe.

9:55 Uhr: Ein anderes Auto fährt auf den Parkplatz und kommt direkt neben meinem zum Stehen. Echt jetzt? Muss das?

9:57 Uhr: Die Dame im anderen Auto macht keine Anstalten auszusteigen. Ich starre grimmig zu ihr rüber und forme  mit den Lippen klar und deutlich die Worte: „Geh. Weg.“ Zum Glück schaut sie nicht in meine Richtung.

10:00 Uhr: Die Dame sitzt immer noch in ihrem Wagen. Ich überlege, ob ich jetzt trotzdem ganz unbeeindruckt mit meinem Gonal-Pen hantieren soll, zögere aber. Eigentlich sollte es mir schnurzegal sein, ob sie das sieht und erst recht, was sie dann womöglich denkt, aber irgendwie ist es das dann doch nicht.

10:05 Uhr: Nichts passiert.

10:10 Uhr: Nichts passiert.

10:12 Uhr: Mäh. Ich wollte doch einfach nur ganz in Ruhe mein Gonal spritzen. Ich weiß, dass das im Grunde ratzfatz gehen wird (gut, ich muss nebenher doch vorsichtshalber mal die Gebrauchsanweisung aufgeschlagen liegen lassen, mit dem Pen kenn ich mich halt noch nicht aus), aber ich wäre dabei gern unabgelenkt, ne?

10:14 Uhr: Soll ich vielleicht einfach woanders hinfahren? Aber wohin?

10:15 Uhr: Die Dame steigt aus und geht. Licht fächert vom Himmel herab. Ein Freudenchor singt. Ich grinse im Kreis.

10:16 Uhr: Die Spritze sitzt. War gar nicht so kompliziert. Eigentlich sogar ziemlich cool, viel angenehmer und schneller als meine bisherigen Erfahrungen mit selbst gesetzten Spritzen (und selbst die waren harmlos). Morgen werde ich sicher nicht länger als 30 Sekunden brauchen. Ich mag Gonal. Aber irgendwie auch ein bisschen schade, dass das Thema ICSI dann für heute erstmal erledigt ist. 😉

16:15 Uhr: Ich komme nach Hause. Bin hundemüde. Offiziell hab ich jetzt Ferien! ..nur ist das in meinem Kopf noch nicht angekommen. Macht nix. Die ICSI irgendwie auch noch nicht. Wie, wir sind jetzt auf einmal schon mittendrin? Quatsch.

16:48 Uhr: Ich geh jetzt ins Bett. Soll ich euch was sagen? Ich hab vergangene Nacht wieder nur drei Stunden geschlafen. Ich wünsch euch was.

 

Was ist das? Nestbautrieb?

…mein Mann sägt gerade die seit über einem Jahr herum liegenden Wandabschlussleisten unserer Küche zurecht. Ich bin ganz baff. ❤ Gestern hat er die Arbeitsplatte eingeölt. Ich freu mich sehr, dass er – jetzt, wo er Urlaub hat – diese Dinge tatsächlich in Angriff nimmt, und zwar von sich aus.

Einen Termin für den US hab ich jetzt auch: direkt nach Weihnachten, am 27.12. (ZT 10). Zwar sind wir am selben Tag noch bei der Besten des Mannes geladen, aber nun ja. Eins nach dem andern. Ab morgen gehts dann auch schon los mit Gonal. Was ich leider vorhin am Telefon vergessen habe zu fragen (und jetzt erreiche ich irgendwie niemanden): ob ich zu einer bestimmten Tageszeit spritzen soll,  oder ob das wurscht ist. Das Internet sagt, die Zeit wäre egal, es solle nur täglich zum gleichen Zeitpunkt etwa passieren. Also gehe ich mal davon aus, dass das so stimmt. Ich würde nämlich gern vormittags spritzen, weil ja in nächster Zeit so viele Besuche bei Eltern, Schwiegereltern und Freunden anstehen, wo wir dann vermutlich erst sehr spät heim kommen, und ich möchte ungern den Kram immer mitschleppen und mich dann zwischendrin mit meiner Spritze aufs Klo verziehen müssen. (Vor allem nicht bei meinen Eltern. Ich gehe jede Wette ein, dass meine Mutter irgendwie Wind davon bekäme, und dann wäre ich echt in Erklärungsnot!) Und da ich ja dann Ferien habe, bin ich vormittags immer fein daheim (ausschlafen, JAAA!!) und kann das ganz in Ruhe machen. Nur morgen halt nicht. Morgen werde ich mit dem Gonal-Pen in der Tasche zur Schule gehen und dann eben in der Freistunde auf der Lehrertoilette meinen ersten Hamstertrip starten. Das ist zwar auch nicht so ganz optimal, aber lieber das eine Mal dort als nächste Woche vier oder fünf Mal woanders. Und sonst bin ich ganz entspannt, was die Spritzerei angeht. So neu ist das ja nicht für mich, dank der Stammzellspende damals.

So. Morgen ist der letzte Schultag und ich muss dann leider nochmal richtig ran. Unterrichtsbesuch. Deswegen werde ich die nächsten vier Stunden sicher noch mit Vorbereiten beschäftigt sein. Aber morgen Nachmittag, da fahre ich dann nach Hause in dem Wissen, wenigstens eine Woche erstmal nichts für die Schule tun zu müssen! Da freu ich mich jetzt schon drauf. 🙂