Einmal Tagesmutter und zurück.

Hurra, das Kind hält Mittagsschlaf, alleine in seinem Bett und hoffentlich so lange, dass ich ein paar Wörter getippt bekomme um hier mal wieder ein bisschen ins Aktuelle zu wechseln. Dafür muss aber einiges nachgeholt werden.

Und zwar ging ja eigentlich mit dem Oktober auch meine Elternzeit dem Ende entgegen. Ab November sollte/wollte/musste/durfte ich mein Referendariat fortsetzen. Damit verbunden war ein riesiges Schlamassel durch den von mir gewünschten Standortwechsel (jeden Tag 120 km Auto fahren ist einfach nicht mehr drin!), aber das lasse ich mal außen vor, denn eigentlich hat das nichts mit dem zu tun, was ich eigentlich erzählen möchte.
Die Rückkehr ins Arbeitsleben setzte natürlich voraus, dass das Haselkind von da an tagsüber statt meiner eine andere Betreuungsperson haben müssen würde.
Nun ist es hier in unserem Städtchen so geregelt, dass in den Kitas/Krippen/wasauchimmer die Kinder frühestens ab Beginn des 3. Lebensjahres betreut,  für die Zeit vorher vom „Familienservice“ der Stadt eine Tagesmutter (oder Tagesvater, jedenfalls theoretisch) vermittelt und die Kosten  – je nach Höhe des eigenen Einkommens – anteilig übernommen werden.
Wir haben das wirklich unschätzbar große Glück, dass in unserer direkten Nachbarschaft (um genau zu sein: zwei Häuser weiter) eine sehr nette Tagesmutter lebt und arbeitet, was schon allein deshalb so wertvoll für uns ist, weil wir ja doch etwas weitab vom Schuss wohnen und sonst wieder stundenlang durch die Gegend gondeln müssten, um das Kind zu bringen und abzuholen – womöglich entgegengesetzt der Richtung unseres Arbeitswegs. Wir nahmen also bereits irgendwann im Frühjahr Kontakt zu ihr auf ;), und sie war so lieb uns einen Betreuungsplatz ab November freizuhalten. 20 Stunden die Woche sollten von der Stadt anteilig übernommen werden (mehr bekommt man als Referendar nicht bewilligt! Was ich sch… finde, denn das deckt maximal die in Seminar und Schule verbrachte Zeit ab, nicht aber die zusätzlich für die Unterrichtsvorbereitung nötige Arbeitszeit zuhause, was locker nochmal 20 Stunden sind, eher mehr), 10 weitere wollten wir aus eigener Tasche zahlen. Theoretisch hätten wir mehr benötigt, aber das wäre finanziell schon ziemlich heftig geworden und irgendwie konnte ich mich auch gar nicht mit dem Gedanken anfreunden, mein Kind tagsüber so gar nicht mehr zu Gesicht zu bekommen und dachte, ich würde dann eben nötigenfalls bis spät in die Nacht am Schreibtisch sitzen.. Egal, ich schweife ab.
Jedenfalls: der Vertrag war gemacht, die Stadt hatte ihr Okay gegeben, der Zeitpunkt der Eingewöhnung wurde festgesetzt. Ich trauerte furchtbar ob der bevorstehenden täglichen Trennung.
Irgendwann (um genau zu sein: wenige Tage vor Ende der Elternzeit, wir waren schon in der Eingewöhnung!) erfuhr ich auch, welchem Seminar ich ab sofort zugeteilt sein und an welcher Schule ich arbeiten würde. Schule: super, weil praktisch nebenan. Seminar: eine Stunde Fahrzeit und die einzelnen Seminarkurse nur zweiwöchentlich, aber dafür dann in doppelter Länge. Bedeutete für mich in Verbindung mit meinem (vorläufigen) Stundenplan: in den geraden Wochen zweimal morgens um 7 Uhr das Haus verlassen, abends um 19 Uhr frühestens zurück sein. Also 12 Stunden am Stück ohne Kind, bzw. das Kind ohne mich. Da musste ich schon schlucken. Ob das mal funktioniert? Denn die Haselmaus hing ja nunmal furchtbar an mir, meist war ihr ja eine Stunde allein beim Papa schon zu lang. Und dann solche Zeiten?
Aber es ließ sich nicht ändern. Es würde schon irgendwie gehen.
Die Eingewöhnung lief unerwartet gut. Ich hatte natürlich – eben weil die Maus zuvor so ungern von mir getrennt war – schon ein bisschen mit dem Schlimmsten gerechnet, mich aber selbst ermahnt das Ganze gelassen anzugehen, unserer Tagesmutter zu vertrauen und dem Haselkind so viel Sicherheit und Zuversicht als möglich zukommen zu lassen. Und es lief. Binnen weniger Tage blieb sie allein für einige Stunden bei „Lalla“, spielte, schlief (alleine und ohne vorheriges Stillen!) dort, aß, trank und freute sich jeden Morgen schon darauf, wieder dorthin zu gehen. Ich war erleichtert. Die volle Zeit von 6 Stunden täglich hatten wir zwar letztendlich zum Ende meiner Elternzeit noch nicht erreicht, aber mein Mann hatte sich für den November noch einen Monat zuhause (zwar in Elternteilzeit im Homeoffice, aber hey) eingeplant und somit musste ich mir keine Sorgen machen, dass womöglich ich irgendwo im Unterricht  und bei der Tagesmutter ein heulendes Kind sitzen würde. Wir könnten uns ganz gemütlich unserem Ziel annähern und bis Dezember würde das dann schon laufen.

Dachte ich. In der Realität war es dann leider so, dass bereits in meiner ersten Arbeitswoche mein Mann die Kleine früher abholen musste, weil sie nur noch weinte. Und als dann statt Mama nur Papa zur Verfügung stand, weinte sie noch mehr. Dann kamen die ersten zwei langen Seminartage. Ich sprang, kaum war die Sitzung beendet, fluchtartig auf, verließ das Gebäude und fuhr wie eine gesengte Sau im Stockdustern durch die unbeleuchteten Haarnadelkurven der bergischen Pampa, um pünktlich um 19 Uhr bei meinem Kind zu sein, das eigentlich um diese Zeit schon ins Bett gehörte.
Aber es half alles nichts. Jeden Tag wurde die Zeit, die die Haselmaus bei der Tagesmutter verbrachte, kürzer und ihr Elend größer. Nach gerade mal zwei Wochen war mir bereits klar, dass das so nicht funktionieren würde, zumal die Maus in ihrer Zeit zuhause nur noch mehr klammerte als vorher sowieso schon und schlechter schlief. Tagsüber am Schreibtisch sitzen, Unterricht und Unterrichtsbesuche vorbereiten, Arbeiten und Klausuren korrigieren, Bilder benoten? Nicht möglich. Abends vielleicht mal eine Stunde. Mit Not. Niemals genug, um halbwegs vernünftige Leistungen zu bringen. Und ein unglückliches Kind wollte ich schon gar nicht. Der Monat Elternzeit meines Mannes würde bald vorbei sein, und dann? Jeden Tag vorzeitig den Unterricht verlassen um das Kind abzuholen? Oder es weinend bei der Tagesmutter lassen? Beides keine Option. Mein Mann konnte und wollte es nicht verstehen, aber ich setzte mich durch. Und reichte erneut Elternzeit ein. Ab sofort.

Zum Glück. Niemals würde die Haselmaus sechs Stunden am Stück drüben bleiben, das war mir klar. Vier Stunden schaffte sie anfangs ganz gut, und so war der Plan zunächst, sie eben weiterhin – aber kürzer – betreuen zu lassen, damit sie sich an die neue Situation gewöhnen könnte. Und auch, damit uns der ideale Betreuungsplatz direkt neben unserer Haustür erhalten bliebe. Ich wollte mir irgendeinen kleinen Job in Elternteilzeit suchen, damit wir die fortdauernde Betreuung auch bezahlen könnten.
Aber: Nenu denkt, die Haselmaus lenkt. Es wurde einfach nicht besser. Sondern schlechter. Die Tagesmutter und ich gaben uns alle Mühe. Wir starteten Eingewöhnung 2.0. Ich ging morgens gemeinsam mit der Maus hin, blieb mit ihr dort, ging gemeinsam mit ihr wieder zurück. Sie klebte an mir. Es lag nicht an der Tagesmutter – die mag und mochte sie. Aber sie wollte nicht ohne Mama sein. Und nicht ein Kind unter vieren. Mein Kind, mein ewig forderndes Kind. Sie braucht einfach ständige Rückmeldung, jemanden, der ihr die Welt erklärt, jemanden, der ihr zuhört und ihre Entdeckungen verifiziert oder berichtigt. Sie war noch nie eins dieser Kinder, die versonnen lächelnd auf einer Krabbeldecke liegen und stundenlang mit einer Rassel spielen, während die Mutter in Ruhe kocht, putzt, bügelt oder mal eine Zeitschrift liest oder – Gott bewahre! – in Ruhe ihr Mittagessen einnimmt. Als Baby schon nicht und  auch jetzt nicht. Mein Kind braucht die Dauerkommunikation, ständigen Input. Und wenn sie dann mal ganz versunken mit einem Spielzeug da sitzt und forscht, dann gibt es nichts Schlimmeres als dass ein anderes Kind hinter, neben oder vor ihr Krach macht, ihr das Forschungsobjekt wegnimmt oder unachtsam über sie drüber stolpert… was sich aber in Gesellschaft dreier weiterer Tageskinder (alles Jungs, zwei von ihnen ein knappes halbes Jahr älter als die Haselmaus und alle mehr so die Tobefüchse als die Fingerspiel-und-Bastel-Fraktion) als Dauerzustand erwies. Kurz: es war ihr zu unruhig und sie bekam zu wenig Zuwendung. Wir mühten uns nach Leibeskräften, aber es half alles nichts. Sie mochte nur in meiner Begleitung dort bleiben und selbst das war ihr oft zu viel.
Dann kam der Tag, an dem ich – völlig übermüdet und zermürbt und durch die langen Tage allein ohne Hilfe mit eben diesem fordernden Kind auch nicht mehr ganz bei mir – mit der Haselmaus auf dem Arm morgens zur Tagesmutter ging. Sie machte uns die Tür auf, schaute mich an und sagte: „Komm, gib sie mir, leg du dich noch eine halbe Stunde hin. Du siehst zum Fürchten aus!“
Und ich, ich stieß einen tiefen Seufzer aus, reichte ihr die Haselmaus, die weinte und brüllte und sich mit Händen und Füßen an mir festzuklammern suchte.. und ging.
Es war Verrat. Nicht mehr und nicht weniger. So viele Monate hatte ich mich bemüht das extreme Nähebedürfnis meiner Tochter zu stillen, so anstrengend es auch sein mochte, hatte ihr immer wieder und wieder versprochen, dass ich immer da sein und auf sie aufpassen würde. Und dann habe ich dieses Versprechen um einer halben Stunde Schlaf willen gebrochen.
Nach 20 Minuten – ich war gerade in den Tiefschlaf geglitten – klingelte das Telefon. Schon beim Abheben klang mir das verzweifelte Weinen meiner Tochter ans Ohr. Es täte ihr sehr leid, sagte die Tagesmutter. Aber es ginge nicht. Die Haselmaus würde nur noch vor der Tür sitzen und nach Mama weinen und würde sich auch nicht mehr von ihr trösten lassen, wollte nicht angefasst werden und würde sie nur noch wegstoßen. Natürlich stand ich sofort drüben vor der Tür und schloss mein völlig aufgelöstes Kind in die Arme. Und es war ab diesem Zeitpunkt völlig klar – sowohl mir als auch der Tagesmutter -: das wird nix mehr. Heute nicht, morgen nicht, übermorgen nicht. Gar nicht. Jedenfalls nicht innerhalb der nächsten Wochen und Monate. Es tat uns beiden sehr leid, aber wir mussten da gar nicht drüber diskutieren: die Haselmaus würde dort nicht bleiben können. Und vermutlich auch nirgendwo sonst. Sie ist noch nicht so weit.

Wir ließen den Vertrag zum Ende des Monats auslaufen. Ich ging die verbliebene Zeit noch täglich mit dem Haselkind für ein, zwei Stunden hinüber. Wir wollten, dass es für sie auf einer versöhnlichen Note endet und nicht Knall auf Fall mit dieser letzten, unangenehmen Erfahrung. Und ich denke, das war gut so. Ab und zu begegnen wir der Tagesmutter mit ihrer Rasselbande auf ihrem Spaziergang, wenn wir auch gerade unterwegs sind. Oder wir dürfen zum Spielen ein Weilchen mit in den Garten. Und es ist okay, für uns alle.

Seit diesem letzten Fremdbetreuungstag war es bei uns zuhause eine Weile nicht so gut. Wie sehr ich das kleine Haselherz verletzt habe, kann ich nur ahnen. Aber sie klammerte eine ziemlich lange Zeit noch extremer als zuvor, und in jener ersten Nacht lag sie stundenlang wie ein Neugeborenes auf meiner Brust, klammerte sich an mich, drückte ihr tränennasses Gesicht an meinen Hals und schluchzte und weinte ununterbrochen „Mama, nein, Mama, Mama, MAMA“.. Das werde ich mit Sicherheit nie vergessen. Ich weiß, andere Kinder bleiben problemlos beim Papa, bei der Oma, bei den Nachbarn, beim Babysitter, bei der Tagesmutter. Und das ist super. Aber meines, meines braucht MICH. Ich bin ihr Anker, ihr einziger Halt auf dieser Welt. So lange, bis sie bereit ist, ein wenig loszulassen. Und das ist auch okay. Auch wenn es mich einschränkt. Auch wenn man mich überbesorgt schimpft, mir unterstellt, ich wolle mein Kind nicht gehen lassen, oder mir einreden möchte, die Haselmaus müsse bloß mal radikal für ein paar Tage von mir getrennt werden, damit sie selbständig wird. Sie ist wie sie ist – und ich bin sicher, je mehr Sicherheit und Halt ich ihr jetzt zu geben vermag, desto stärker und selbstsicherer wird sie werden.
Ja, es war schön, mal wieder etwas Schul-Luft zu schnuppern. (Meine neue Schule hat einen ganz fantastisch ausgestatteten Kunst-Fachbereich. Ich bin ziemlich verliebt!) Ja, es war wunderbar und bereichernd, mal wieder mit Kollegen über Schule, Schüler, Unterricht zu sprechen. Ja, ich habe die paar Stunden in meinen Fachseminare unglaublich genossen und habe ein paar heimliche Tränen gedrückt, weil ich so schnell wieder „raus“ war…
Aber die Arbeit läuft mir nicht weg. Mein kleines Mädchen braucht mich, und solange das so ist, ist mein Platz bei ihr. Sie werden so schnell groß.

 

P.S.: Für diesen Beitrag habe ich nun tatsächlich über zwei Wochen gebraucht. So viel zum Thema „das Kind schläft und ich kann schreiben“. Wir lachen alle mal herzlich. 😉

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Läuft sie schon? – Die Ungeduld der Mütter.

Seit einigen Monaten fällt in jedem einzelnen Gespräch, das die Haselmaus zum Thema hat – sei es mit Verwandten, Bekannten, Nachbarn, Fremden – irgendwann immer diese eine Frage:

„Läuft sie schon?“

…manchmal auch ersetzt durch Kommentare wie: „Dann läuft sie ja bald!“, „Dann gehts ja jetzt los mit dem Laufen!“, undsoweiter.
Und was soll ich sagen? Es nervt. Es nervt einfach nur.
Speziell dann, wenn da dieser Unterton mitschwingt à la: Das Kind ist (fast) ein Jahr alt, wieso läuft es noch nicht?
Oder wenn meine Mutter – die sonst meist wirklich eine sehr liebe und großartige Oma mit erstaunlich wenig Einmischungspotenzial abgibt, das muss ich an dieser Stelle mal lobend erwähnen! – so Dinge äußert wie: „Sie ist ja so faul. Sie will ja gar nicht laufen. Auch nicht an den Fingern!“
Ähm. Nein.
Mein Kind ist nicht „faul“. Es läuft übrigens durchaus. An Möbeln entlang. Es steht frei. Alles sehr sicher, ohne je dabei hingefallen zu sein, das Gleichgewicht verloren zu haben (so wie sie auch beim Krabbeln und Sitzen von Anfang an absolut sicher war). Aber, Entschuldigung, es krabbelt eben auch nach wie vor gerne und hauptsächlich. Und nein, es will tatsächlich nicht an den Fingern/Händen laufen. Und das finde ich gut. Bin ich nämlich – tut mir leid – absolut kein Fan von. Weder im Sinne meines Rückens noch des ihren.

Wer hat überhaupt das Laufen zur Königsdisziplin ernannt? Was ist so toll daran? Ja, es lässt ein Kind erwachsener, weniger babyhaft wirken. Aber seien wir ehrlich: viel größer ist die Reichweite nicht gegenüber dem Krabbeln. Lediglich draußen ist es angenehmer, aber lange Spaziergänge machen die meisten in den ersten Monaten auch noch nicht. (Vor allem begegnet man irgendwie ziemlich oft Eltern und Großeltern, die die so stolz laufenden Kinder dann am liebsten wieder in den Wagen stecken wollen, weil man ja sonst kaum vorwärts kommt.. Ich sag mal nix.)
Nein, meine Tochter läuft (noch) nicht (frei). Dafür spricht sie (je nachdem wie pingelig man da sein möchte) inzwischen (eine gute Woche nach ihrem ersten Geburtstag!) sieben bis zwölf Worte und beherrscht dazu ein Halbdutzend Babyzeichen/Gebärden – und ständig kommt etwas Neues dazu. Das ist nicht nur viel für ihr Alter, sondern fast nicht zu glauben. Warum interessiert sich niemand DAFÜR? Nie (außer bei der U6) bin ich gefragt worden: „Spricht sie denn schon?“
Wieso ist Laufen wichtiger als Dinge aufeinander Stapeln?
Was ist daran so viel faszinierender als selbst mit dem Löffel zu essen? Oder sich selbst die Haare zu bürsten?
Warum muss ein Kind erst laufen, damit es etwas kann?

Liebe Omas, liebe Nachbarinnen und Kassiererinnen und nette Damen hinter mir an der Supermarktkasse, liebe andere Mütter (ja, seltsam, es sind wirklich fast nur Frauen, die sich da so dringend für die motorische Entwicklung meines Kindes interessieren): Mein Kind läuft dann, wenn es ihm gefällt. Dass es laufen WIRD, daran zweifle ich nicht – und ihr vermutlich auch nicht. Ob das nun einen oder zwei oder drei Tage, Wochen, Monate früher oder später ist: WAYNE INTERESSIERTS? (Ums mal im schönsten Netspeak zu sagen. 😉 )
Ja, liebe Oma, ich, deine eigene Tochter, bin mit neun Monaten frei gelaufen. Ja, das ist früh. Nein, das bedeutet nicht, dass mein Kind das nun automatisch auch tut. Und ich weiß nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber: ich laufe heute nicht besser, schneller oder schöner als andere. Weder ist aus mir eine Hochleistungssportlerin geworden noch möchte ich meine (angeblich recht ausgeprägte) Intelligenz dem frühen Laufen anlasten. Was habe ich nun davon? Genau: Nichts. Nichts außer der Befriedigung, irgendetwas schneller beherrscht zu haben als andere. Und na klar kann eine Mutter zu Recht stolz sein, wenn ein Kind mit acht, mit neun, mit zehn Monaten läuft. Natürlich ist das eine Leistung! Natürlich ist das umwerfend niedlich und ganz schön beeindruckend für so einen kleinen Menschen! Aber werde ich weniger stolz sein, werde ich es weniger niedlich finden, werde ich weniger beeindruckt sein, wenn die Haselmaus mit dreizehn, mit vierzehn, mit achtzehn Monaten (oder später) läuft? Nein. Ich werde mich ebenso wahnsinnig freuen, ich werde in die Hände klatschen und jubeln und vor Stolz und Wehmut und Liebe ein Tränchen drücken, und ich werde sie in die Arme schließen um sie noch ein wenig zu halten bevor sie sich stetig weiter von mir fort bewegt. Genauso wie ich mich freue und klatsche und stolz bin, wenn sie wieder etwas anderes gelernt hat. Wenn sie, wie gestern, plötzlich aus heiterem Himmel heraus plötzlich selbständig zwei Lego Duplo-Steine aufeinander stecken kann, obwohl sie am Tag davor noch frustriert heulend daran gescheitert war. Wenn sie an einem einzigen Tag plötzlich drei neue Wörter und eine neue Gebärde heraushaut. Wenn sie mir in ihrem Bilderbuch alle möglichen Tiere zeigen kann, obwohl ich ihr deren Namen nur ein einziges Mal genannt habe.
Unsere Kinder lernen täglich so viele neue Dinge. Kleine Fähigkeiten und große. Auffällige und unauffällige. Schöne (am Familientisch mitessen) und nicht so schöne (Essen mit Schwung gegen die Wand werfen). Und jedes hat dabei sein eigenes Tempo. Und das ist gut und richtig so. Vielleicht vergessen wir das manchmal, aber auch wir Erwachsenen haben unser eigenes Tempo. Auch wir haben Stärken und Schwächen. Wir lösen nicht alle ein und das gleiche Kreuzworträtsel in der gleichen Zeit. Wir laufen nicht gleich schnell eine Runde um den Block. Wir lernen nicht alle gleich gut eine neue Sprache. Warum verlangen wir das dann von unseren Kindern? Warum glauben wir uns rechtfertigen zu müssen, wenn Hans-Otto-Lukas mit acht Monaten „noch“ nicht krabbelt? Warum sagt meine Mutter am Geburtstag der Haselmaus in diesem entschuldigenden Tonfall zu den anderen Großeltern, dass die Maus wohl leider eher sprachlich begabt sei? Muss das sein? Was soll der Quatsch? Warum sitzen wir Mütter beim PEKiP, in der Krabbelgruppe, auf dem Spielplatz und schielen missgünstig zu Cheyenne-Brigitte, die gerade ihre ersten Schritte wagt, während unsere kleine Lyra-Sophie noch krabbelnd ihre Welt erkundet? A propos „PEKiP“: Wieso konnten die Babys in unserer Gruppe ab einem Alter von sechs Monaten schlagartig plötzlich alle sitzen, obwohl ich NIE gesehen habe, wie sich eines von ihnen allein hingesetzt hätte? Warum muss unser Kind immer bloß dann alles können, wenn es das laut irgendeinem Buch/einer Homepage ab jetzt möglicherweise können sollte? Warum lassen wir ihm nicht einfach die Zeit?
Ich sage euch was: ich habe die Haselmaus nie dazu gedrängt, irgendwas zu tun. Ich habe sie nicht hingesetzt. Ich habe sie nicht in den Stand gezogen. Ich habe sie nie auch nur mit Spielzeug gelockt, damit sie sich dreht, damit sie robbt, damit sie krabbelt. Ja, sie hat länger gebraucht als manch anderes Kind. Aber sie hat all das gelernt. Aus eigener Kraft, aus sich selbst heraus. Sie hat es gelernt. Weil sie es wollte. Sie lernen es alle (sofern sie geistig und körperlich gesund sind). Und egal zu welchem Zeitpunkt sie es plötzlich können, es ist eine Leistung. Da hat dieses kleine Hirn, dieser ungeübte Körper es geschafft, aus Nichts Etwas zu machen. Und das allein ist das Wunderbare daran.
Lassen wir es doch einfach geschehen. Lassen wir die Kinder Kinder sein. Sie sind so klein. Die Welt ist so groß. Erdrücken wir sie nicht mit der Last unserer Erwartungen. Lassen wir sie nicht schon Leistung bringen müssen, obwohl sie noch Windeln tragen. Freuen wir uns an dem, was sie können, wenn sie es können, und freuen wir uns auf das, was sie können werden, wenn sie so weit sind.
Ja, meine Tochter ist das wundervollste, hübscheste, liebenswerteste Kind der Welt für mich und ihren Vater. So wie Franz das wundervollste, hübscheste und liebenswerteste Kind der Welt für seine Eltern ist und Nicole für die ihren, egal wann irgendeiner von ihnen irgendwas das erste Mal tat. Und was ich über alles an meiner lieben kleinen Haselmaus schätze und was sie so besonders macht, das ist nicht wann sie das erste Wort gesprochen oder den ersten Schritt getan hat. Das ist ihr Lachen am Morgen, ihr sternenfunkelnder Blick voller Schalk, das ist ihr Temperament und ihr Hang zur Ungeduld. Sie ist so viel mehr als nur eine erworbene Fähigkeit. Und ob sie früh läuft oder spät, ob sie Abitur macht oder „nur“ einen Hauptschulabschluss, ob sie studiert oder hartzt, ich werde sie lieben wie sie ist, weil sie ist wie sie ist.
Soll sie ruhig laufen. Wann und wohin sie möchte. Und wenn sie doch mal fallen sollte, fange ich sie auf. Immer. ❤

Schade, dass du gehst. Mach’s gut, 2014!

Für viele in meinem Umkreis war es kein gutes Jahr. Ich kann jeden verstehen, der es jetzt gerne ziehen lässt und ihm heimlich hinter dem Rücken noch den Stinkefinger zeigt. Für mich war es jedoch – aus offensichtlichen Gründen – ein Knallerjahr, DAS Jahr, das Jahr der Jahre, und ich kann mir kaum vorstellen, dass es so schnell von einem anderen getoppt werden könnte.
Es begann mit einem Paukenschlag, überraschte mich mit einem wunderbaren Moment nach dem anderen und endet nun mit den zarten und vielleicht ein ganz klein wenig bittersüßen Klängen einer Spieluhr.
Es gab Momente, die waren nicht so schön. Es gab Momente, in denen war ich angespannt, traurig oder voller Angst. Aber das waren sehr, SEHR wenige. Verschwindend wenige. Und sie wurden durch die vielen überwältigend wunderschönen Momente mehr als aufgewogen. 2014 geizte für mich nicht mit Wundern, sondern überhäufte mich unerwartet mit einem nach dem andern. Für jedes davon, für die kleinen wie die großen, und ja, auch für die nicht schönen Augenblicke bin ich unendlich dankbar. Ich möchte diesem Jahr 2014 für jede seiner Minuten im Hinausgehen die Hand schütteln. Danke, DANKE, du phantastisches, unbegreifliches, unvergessliches 2014 – du hast dich für den Rest meines Lebens unauslöschbar in mein Gedächtnis gebrannt, du bekommst das Krönchen als wohl bisher schönstes Jahr meiner Existenz, und weil du deinen Job (zumindest für mich) so unglaublich gut gemacht hast, gibt es noch einen fetten Orden obendrauf. 2014, du legst die Messlatte für deinen Nachfolger in praktisch unerreichbare Höhe! (Trotzdem glaube ich, dass 2015 auch ganz gute Chancen hat. Zumindest auf den zweiten Platz.)

Und wo wir schon gerade beim Danke-Sagen sind: danke an meinen Mann für dieses Jahr. Mit dir war ich nicht immer so ganz glücklich. Trotzdem glaube ich, dass 2014 ein gutes Jahr für dich, für mich, für uns war. Es hat sich viel verändert und das wird wohl auch noch ein Weilchen so weitergehen. Aber ich habe Vertrauen in unsere Zukunft. Danke, dass du diesen Weg mit mir gemeinsam gegangen bist, gemeinsam gehst, gemeinsam gehen wirst. Danke, dass du dich so bereitwillig auf unser neues, großes Abenteuer eingelassen hast und dein Lachen nie verlierst. Danke, dass wir noch immer so viel zusammen lachen, auch wenn es mit der Zweisamkeit im Moment nicht weit her ist. Ich freue mich auf unser gemeinsames 2015!

Danke an die Flauschdamen. Ihr habt in diesem Jahr einiges mit mir durchgemacht. Gegen Ende hin verschwand ich bei Nacht und Nebel für ungewohnt lange Zeit, ohne Ankündigung, und als ich dann endlich zurück kam, hatte ich ein seltsames kleines rosa Ding im Schlepptau und seitdem müsst ihr euch den Platz auf dem Thron mit ihm teilen und nicht selten seinetwegen ganz schön zurückstecken. Glaubt mir, es tut mir leid und ich würde euch so gerne die Zeit und Aufmerksamkeit schenken, die ihr gewohnt seid. Eines Tages werde ich das auch wieder können. Aber für den Moment bin ich euch dankbar, dass ihr mir trotz allem eure bedingungslose Liebe schenkt, euch mir immer wieder ins Gedächtnis bringt, ohne dabei unangenehm zu werden, und es mir immer wieder und wieder verzeiht, wenn ich euch (manchmal ein wenig entnervt) zur Seite schiebe. Danke dafür, dass ihr das rosa Ding, trotzdem es nicht nur gelegentlich sehr laut ist, mich total vereinnahmt und euch obendrauf auch noch völlig ignoriert, als Teil unserer Familie akzeptiert und ihm voller Offenheit und Neugier begegnet. Ich habe wahnsinniges Glück mit euch beiden, und ich hoffe, dass ich euch das in 2015 wieder öfter zeigen kann.

Danke an meinen Körper, der mir nach vielen lausigen Jahren, in denen ich ihn nicht gerade liebevoll behandelt habe, ganz großmütig eine wirklich wunderbare und absolut perfekte Schwangerschaft schenkte, die ich 40 Wochen genießen konnte und durfte und die ich nie, nie, NIEMALS vergessen werde. Danke dafür, wie unerwartet gut du die Belastungen weggesteckt und mich durch diese 10 Monate getragen hast. Danke für alles, was du seit Ende September an neuen Aufgaben meisterst. Lange habe ich dir die Wertschätzung, die du verdienst, vorenthalten, und dafür möchte ich mich entschuldigen. Hier hast du sie. Ich danke dir.

Danke an meine Haselmaus, mein unbeschreibliches kleines Wunder mit der großen Stimme, dem Schalk im Nacken und den strahlenden Augen. DANKE, dass du zu uns gefunden hast, trotz aller Widrigkeiten, dass du geblieben und gewachsen bist. Danke, dass du mir so viele unbeschreiblich schöne Erfahrungen beschert hast und auch in den vielen kommenden Jahren noch bescheren wirst. Danke. Danke, du mein kleines Gaukelkind, mein Mausemädchen, mein Herzwunder. Danke für jeden deiner Blicke, jeden deiner Piepser, jeden deiner Herzschläge. Danke für deine Einzigartigkeit und dein Wachsen. Ich habe so lang von dir geträumt, und du erfüllst die jahrelang gehegten Sehnsüchte ohne Mühe, du bringst mich durch die Nacht, du wiegst die unzähligen vergossenen Tränen der Einsamkeit und Not mit denen des Glücks auf. Du bringst mich dazu, kitschig zu werden und es nicht einmal zu bereuen. Du berührst mein Herz, bringst es zum Klingen und lachst dabei. Seit es dich gibt, bist du – ich zitiere! – so wertvoll, dass man es sich gern aufspart, und so schön, dass man nie darauf verzichten mag. Danke, immer wieder und wieder.

Und danke an euch alle da draußen. Die Leser*innen, Kommentator*innen, Blogschwestern, Freunde. Viele von euch sind mir in diesem Jahr erst begegnet und viele sind mir so sehr ans Herz gewachsen. Es wäre gelogen, zu sagen: ohne euch würde es diesen Blog nicht geben. Doch, es würde ihn geben – aber er wäre nicht das, was er mit euch ist. Ich danke euch für eure Begleitung in diesem Jahr, für die kostbaren, aufmunternden Worte, für Lob und (zu wenig 😉 ) Tadel, für eure Begeisterung, euer Mitfiebern, eure Unterstützung, für viele liebe, herzliche Wünsche, Glückwünsche, Tipps, Hilfsangebote. Für die tollen Mails, Kommentare, Chats, Treffen. Danke für eure Blogs. Danke für euer stilles Mitlesen. Danke für eure Akzeptanz und Toleranz meiner manchmal störrischen und vielleicht auch provokanten Eigenwilligkeiten. Danke für eure Herzlichkeit. Ich wünsche euch allen einen wundervollen Jahresausklang und dass das neue Jahr für euch das wird, was 2014 für mich war: ein Wunderjahr.
Fühlt euch gedrückt, lasst es knallen, und: kommt gut rein!

Nenu allein zu Haus.

Heute bin ich zum ersten Mal ohne Haselkind daheim. Es ist nämlich so, dass das Christkind mir offenbar als Überraschungsgeschenk so eine blöde Magen-Darm-Sache unter den Baum gelegt hatte, und nun bringe ich seit den frühen Morgenstunden meine Zeit vorrangig auf dem Klo zu.. Dabei ist heute eigentlich Feiern bei den Schwiegereltern angesagt. Dass ich da nun nicht hin kann, ist klar. Aber ich war dann doch etwas überrascht, als mein Mann den Wunsch äußerte, trotzdem das Haselkind mitnehmen zu wollen. Okay?
Nicht, dass ich damit ein Problem hätte. Also, theoretisch jedenfalls nicht. Die Schwiegis haben die Kleine erst zwei Mal gesehen – das erste Mal an ihrem zweiten Lebenstag und dann anfang November mal für eine knappe Stunde. Das ist nicht sonderlich viel, und dabei sind sie (vor allem die Schwiegermama) doch eigentlich ganz verrückt nach ihr. Von daher hätte ich es sehr schade gefunden, ihnen ihre Gesellschaft heute vorzuenthalten, und für das Haselkind selbst ist es mir auch wichtig, dass sie Zeit mit ihren Großeltern verbringt – gerade Oma und Opa väterlicherseits werden ihr womöglich nicht mehr so lange Gesellschaft leisten können, sind sie doch beide schon über 70. Ich selber habe meine Großeltern immer nur selten gesehen, und die Eltern meines Vaters sind auch sehr zeitig gestorben, weshalb ich mich kaum an sie erinnern kann. Aber auch meine anderen Großeltern standen mir nie besonders nahe – dazu hatte ich einfach zu selten Kontakt zu ihnen. Ich beneide immer die Leute, die da ein enges Verhältnis  pflegen und lauter schöne Erinnerungen mit ihren Großeltern verbinden. Mir fehlt das, und ich möchte gerne, dass es unserer Tochter anders ergeht.
Also: Ja, bitte, sie soll ruhig mitfahren!
Aber natürlich mache ich mir so meine Gedanken. Zum einen wegen des altbekannten Themas, dass meine Schwiegereltern in ihrer Wohnung rauchen, und das nicht zu knapp. Als wir kürzlich mit dem Haselkind das erste Mal zu Besuch waren, haben sie netterweise während unserer Anwesenheit darauf verzichtet und wohl auch vorher gut gelüftet. So konnte ich mich damit gut arrangieren. Aber da waren wir auch nur ein Stündchen dort, nicht mehr oder weniger den ganzen Tag.. und Schwiegerpapa raucht schon ziemlich viel. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass er das dann so lange durchhält. Aber vielleicht ist er so nett und geht mit meinem Mann dann ausnahmsweise zum Rauchen auf den Balkon.. zum Glück ist es ja momentan nicht ganz so extrem kalt draußen.
Dann – zweitens – wird das Haselkind ja momentan noch voll gestillt. Wenn ich nicht dabei bin, ist das natürlich schwierig. Zum Glück hat sie aber bereits bei zwei oder drei Gelegenheiten aus der Flasche getrunken und es ging immer problemlos. Und abgepumpte Milch haben wir mittlerweile (da ich ja jede Nacht abpumpe, weil das Fräulein schläft 😛 ) hinreichend auf Vorrat. Unser Tiefkühl ist bis unter den Rand voll damit (und das meine ich wirklich so, es ist keine Übertreibung) und mein Mann hat nun glaube ich über einen Liter in fünf oder sechs Portionsbeuteln mitgenommen. Das sollte wohl genügen. Bleibt nur zu hoffen, dass das mit der Flasche nach wie vor reibungslos funktioniert. Wenn nicht… tja. Von den Schwiegis zu uns ist es eine knappe Stunde Fahrt, das würde dann im schlimmsten Falle eine ziemliche Durststrecke (im wahrsten Sinne des Wortes) für die Haselmaus bedeuten.
Und drittens, obwohl ich so eigentlich nicht sein möchte, mache ich mir natürlich ein wenig Gedanken, ob das denn ohne mich alles so funktioniert und ob mein Mann und Schwiegers das auch alles vernünftig auf die Kette kriegen, dass das Kind satt und zufrieden ist und sich nicht die ganze Zeit die Lunge aus dem Hals schreit, weil es zutiefst unglücklich ist. Ob er darauf aufpasst, dass sie weder schwitzt noch friert. Ob ihr das mit lauter mehr oder weniger fremden Leuten in einer fremden Umgebung (wo sie vermutlich auch permanent rumgereicht wird) ohne Mama nicht zu viel wird..
Aber dann sage ich mir, dass ich meinem Mann vertrauen kann. Dass die Kleine nicht aus Zucker ist. Dass meine Schwiegermama immerhin auch zwei Kinder großgezogen hat (auch wenn es jetzt fast 50 Jahre her ist, dass mein Mann ein Baby war), und dass die Freundin meines Schwagers – obschon selbst kinderlos – durchaus ein Händchen dafür hat, einen Säugling zu beruhigen. Dass ich Anfang November mal mit einer Freundin ein paar Stunden lang ohne Kind außer Haus war und die Haselmaus – beim Papa und von ihm mit der Flasche gefüttert – das auch gut überstanden hat (und seltsamerweise habe ich mir während der ganzen Zeit keine Sorgen gemacht). Dass mein Kind schon nicht erfrieren, ersticken, zu Tode stürzen oder von Außerirdischen entführt werden wird, wenn ich mal ein paar Stunden nicht da bin, und dass ich es garantiert heute Abend gesund und munter wiedersehen werde. Es wird schon alles gut gehen, auch – oder gerade WENN – ich nicht die ganze Zeit um sie herum helikoptere.

Aber eins kann ich leider nicht ändern: sie fehlt mir ganz schrecklich.

Dem nächsten, der es besser weiß, spring ich mit dem Arsch ins Gesicht.

Ehrlich. Praktisch jeder, der erfährt, dass ich ambulant zu entbinden gedenke, schlägt die Hände überm Kopf zusammen. Oh Gott, nee, wie furchtbar! (Außer meine Zimmernachbarin letztens im Krankenhaus. Die fand es bloß „mutig, beim ersten Kind“. Hätte sie am liebsten geknutscht.) Neuester Zugang im „Ambulante-Entbindung-ist-total-gar-nicht-gut-Club“: die Beste meines Mannes. Kinderärztin, ne. Mit zwei eigenen Kindern.
Letzte Tage hat er mit ihr telefoniert und dabei wohl erwähnt, dass ich nach der Geburt so schnell als möglich nach Hause zu gehen gedenke.
Später richtete er mir von ihr aus, sie fände das „nicht empfehlenswert“. Weil, und so.
Das würde mit dem Stillen ja oft am Anfang noch nicht so gut klappen und dann wäre man im Krankenhaus besser aufgehoben.

Jaha. Das ist gerade einer der Gründe, warum ich gern heim will. Weil ICH nämlich schon gefühlte drei Millionen mal die Geschichte gehört habe, dass im Rummel des Krankenhauses, mit drei Dutzend Krankenschwestern/Hebammen/Stillberaterinnen/Ärzten, von denen jede andere Ansichten hat, wie es am besten und sinnvollsten funktioniert und ständig jemand ungefragt seinen Senf dazu gibt, die frischgebackenen Mütter sich dadurch total verunsichern lassen und es dann erst klappt, wenn sie in Ruhe zuhause ankommen. Gibt sicher auch andere Fälle – die, denen es wirklich hilft, Ratgeber wenn nötig ständig verfügbar zu haben. Das will ich ja gar nicht abstreiten. Aber Menschen sind da eben sehr verschieden. Dem einen gibt es Sicherheit. Der andere lässt sich verunsichern. Ich war schon immer mehr der autodidaktisch veranlagte ich-muss-ganz-in-Ruhe-rausfinden-und-mich-konzentrieren-und-Fehler-machen-dürfen-ohne-dass-es-jemand-kommentiert-Selbstausprobiertyp. Immer schon, egal um was es geht. Ich bin echt gut da drin, ehrlich! Wenn ich mit einem Problem alleine bin, kann ich ganz gechillt damit umgehen, habe keine Angst davor, irgendwas zu versauen, und komme durch gezieltes Beobachten, Ausprobieren und Kombinieren meist binnen kürzester Zeit an mein Ziel. Und wenn die ersten dreißig Anläufe schief gehen, dann macht mir das nix. Ich hab da ne Engelsgeduld.
Wenn ich hingegen unter Beobachtung stehe, zumal von Leuten, die es besser können (oder meinen, es besser zu können – oder von denen ICH meine, dass sie es besser können), bekomme ich wahnsinnig Stress vor Angst mich zu blamieren. Hängt wohl mit meiner Erziehung zusammen. Meine Mutter war immer sehr kritisch und hat mir gerne das Gefühl vermittelt, eine totale Versagerin zu sein. Ich habe IMMER ALLES FALSCH gemacht (vieles durfte ich erst gar nicht, weil ich es ja theoretisch hätte falsch machen können) und dadurch unheimliche Minderwertigkeitskomplexe aufgebaut. Und obwohl ich das heute recht gut reflektieren kann, kehren diese Ängste trotzdem noch immer schnell zurück. Deswegen ziehe ich es vor, mich nach Möglichkeit eben in Ruhe allein mit allem auseinanderzusetzen. Es macht einfach einen riesigen Unterschied. Und weil ich mich und meine Probleme und die erfolgreichsten Lösungsstrategien nunmal viel besser kenne als irgendwelche anderen Leute, behaupte ich mal, dass ich schon ganz gut weiß, was mir gut tut. Und dass ich mit meiner Entscheidung für eine ambulante Entbindung nicht so verkehrt liege, wie es manchem erscheinen mag.

Außerdem, ey. Ich hab ne Nachsorgehebamme. Das Krankenhaus läuft auch nicht weg, da kann ich jederzeit wieder hinfahren, wenns Probleme gibt. Ich weiß, wo ich sonst noch Hilfe und Beratung bekommen könnte (die Infos, wo man wen wann wie anrufen/kontaktieren könnte, kriegt man doch eh als Schwangere überall nachgeschmissen, außerdem möchte ich wetten dass ich übers Netz binnen 2 Minuten die Telefonnummer der nächsten Stillberaterin finden kann, wenn ich will). Ich bin NICHT völlig alleine. Nur solange ich das möchte! Und, ich kanns ja nicht oft genug wiederholen, wenn IRGENDWAS nach der Geburt nicht hundertprozentig toll und super sein sollte und die uns da behalten wollen, dann werde ich mich da auch nicht gegen wehren. Echt jetzt, Leute. Hört mal auf zu denken, ich hätte nicht sämtliche mögliche Problemstellungen in alle vier Himmelsrichtungen zwanzigmal durchdacht. Immerhin bin ich ein Grübelmonster!

A,B,C, die Nenu schläft beim CTG…

Ich liebe ja mein Auto sehr. Es ist ein  Corolla Baujahr 1994, also heuer 20 Jahre alt, mit bereits gut 270 000 Kilometern auf dem Zähler, und dafür schlägt sich die alte Dame wirklich wacker. Sie hat überhaupt keine Wehwehchen (gut, letztens war mal kurzzeitig der Blinker kaputt, aber den hat mein Mann dann eben selbst ersetzt, Problem gelöst!) und fährt ruhig und zuverlässig. Zum Beschleunigen braucht sie ein Weilchen, aber wenn man das weiß, kann man auch damit umgehen. Aber eines fehlt mir: eine Klimaanlage. Oder zumindest eine vernünftig funktionierende Lüftung, die nicht einfach nur ohrenbetäubend fiept, sondern statt dessen Luft durchs Auto pustet. Bei Minustemperaturen, Regenwetter und in der Nacht kann man in diesem Auto ganz entspannt fahren. Aber wehe, die Sonne schaut mal zwei Sekunden lang hinter den Wolken hervor… schon steigt die Innentemperatur so extrem, dass man da drinnen einen Kuchen backen könnte.

Gestern Vormittag dachte ich noch: „Oh, fein, es regnet, wie schön, dann kann ich ja heut Nachmittag ganz unangestrengt zur Ärztin fahren!“ …nur leider kam dann gegen Mittag doch die Sonne raus, und als ich mich kurz nach drei Uhr hinters Steuer klemmen wollte, habe ich mir an selbigem erstmal Bratwurstfinger geholt. 😦 Nicht schön! Aber was will man machen – zur Ärztin ist es nun mal ne gute Dreiviertelstunde bis Stunde Fahrt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre ich schätzungsweise dreimal so lange unterwegs und irgendwie musste ich da ja hin kommen. Also bin ich in meinem rollenden Heizofen seufzend die lange Strecke gefahren und kam dann knallrot und klatschnass geschwitzt an der Praxis an. Und das bei einer Außentemperatur von maximal 20 Grad. Die – völlig verständliche – Reaktion der Arzthelferin, als ich zur Tür reinkam: „Oh. Geht es Ihnen gut????“

Tja. Ja. Jetzt schon!
Das übliche Prozedere (Pipiprobe abgeben, Blutdruck, Gewicht, Blut abnehmen) lief wie sonst auch: total unaufgeregt, alles gut, alles prima, alles bestens. Fünf Minuten Wartezimmer, dann rein zur Ärztin. Ja, mir gehts prima, keine Krampfadern, keine Ödeme, keine Beschwerden welcher Art auch immer, keine Fragen. Rauf auf den Stuhl, kurz Ph-Wert, Gebärmutterhals und Muttermund geprüft (auch hier: alles okay), Monitor an, schönes kaltes Gel auf den Bauch, und los gings mit dem Ultraschall!

Ich bin immer wieder völlig von den Socken, wie schnell unser Haselmädchen wächst. Ende Januar, Anfang Februar, da war sie nur ein kleiner Punkt. Jetzt passt sie nicht mehr im Ganzen auf den Monitor! Statt dessen durften wir ihr diesmal sogar ins Gesicht gucken (wir erinnern uns: sonst waren immer die Hände im Weg 😉 ). Ganz entspannt lag die kleine Haselmaus da und schmatzte friedlich vor sich hin. „Könnte man sich ewig angucken“, sagte meine Ärztin und hatte mal wieder völlig Recht. 🙂 Oder, um es mit Helge Schneider zu sagen: Mein Herz weitete sich zu einem saftigen Steak.
Ich muss meiner FÄ zugestehen, dass sie sich wirklich Mühe gibt mit den Ultraschallbildern. Nur leider ist entweder ihr Gerät Murks (in bewegt sieht ja alles immer ganz nett aus, aber auf dem Ausdruck??) oder sie hat wirklich keinerlei fotografische Begabung… oder beides. Auf neunzig Prozent der von ihr ausgedruckten Bilder sieht man leider nur ein graues Kuddelmuddel. (Das einzige Bild, auf dem man das Kind halbwegs gut erkennt, stammt aus der 11. Woche..) Sie hat mir drei Stück mitgegeben; auf keinem davon kann ich im Nachhinein etwas wiedererkennen, dabei war ich doch live dabei und müsste da zumindest aus der Erinnerung heraus etwas herstellen können. Aber ich scheitere. Und das als jemand, der im genauen Hingucken und in Bildinterpretation doch relativ geschult ist.
Für mich persönlich finde ich das zwar etwas schade, aber ich könnte damit leben. Bedauern tue ich diesen Umstand eher um all der Menschen willen, die doch auch gern einen visuellen Eindruck vom Haselkind hätten. Speziell natürlich mein Mann (der diesmal leider nicht dabei sein konnte) und irgendwie auch ganz besonders die werdenden Großeltern. Die Schwiegis, die eh schon sehr wenig von der Schwangerschaft mitbekommen, weil wir uns seit Ostern nicht mehr gesehen haben. Und meine Mutter, die unheimlich scharf auf ein hübsches Foto ist, aber nie eins bekommt und dann wochenlang deswegen enttäuscht ist – zumal sie von ihren Freundinnen, Verwandten und Bekannten immer die tollsten Ultraschallbilder (gern auch in „3D“) von DEREN Enkeln präsentiert kriegt.
Tja. Das wars nun leider aber auch erstmal mit den regulären Ultraschalls. Mehr sind ja im Grunde nicht vorgesehen und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich – wenn die Ärztin nicht von sich aus wieder das Gerät anschmeißt – zusätzliche bezahlen möchte. Vor allem, wenn die Bilder ja eh immer so… wenig aussagekräftig sind. Immerhin sollte das Haselkind ja in spätestens drei Monaten eh auf der Welt sein, und dann kann man es sich in Farbe und bunt angucken, von allen Seiten, mit passendem Sound und Geruch. Viel besser als so ein krisseliges Foto auf Thermopapier, oder? Ich werde dann mit Sicherheit auch reichlich eigene Fotos knipsen, die ich dann gern an die Verwandtschaft weiter reiche.

Na gut, aber ich schweife ab. Nach kurzer, aber eingehender Betrachtung der zufrieden vor sich hin mümmelnden Haselschnute wurden die nötigen Maße genommen. 1300 Gramm wiegt das Fräulein derzeit – genau richtig für ihr Alter. Mehr hat die Ärztin dazu nicht geäußert, aber alle wichtigen Daten natürlich im Mutterpass vermerkt, ich könnte jetzt also hingehen und gucken, ob alles im Durchschnitt ist und mir bei Bedarf die Größe ausrechnen (Femurlänge x 7, oder wie war das?), aber ich glaube ich brauche das für mich nicht. Man könnte das als Desinteresse am Kind deuten, aber ich gehe – da ich nichts Gegenteiliges gehört habe – davon aus, dass schon alles völlig in Ordnung ist, und außerdem ist die Haselmaus einfach wie sie ist und ich liebe sie so.
Plazenta, Versorgung und was man sonst noch so prüfen kann ist auch alles prima. Übrigens habe ich diesmal auch keinen Kommentar zu meinem Gewicht bekommen. 😉
Ich durfte mich dann wieder anziehen, nochmal zehn Minuten im Wartezimmer sitzen, und dann wurde ich erstmalig nach hinten in ein schummrig beleuchtetes Zimmerchen zum CTG gebeten. Ich durfte mir aussuchen, ob ich den Spaß im Liegen oder im Sitzen machen möchte – ich habe mich fürs Sitzen entschieden, da ich davon weniger Rückenschmerzen bekomme – und wurde dann auch umgehend verkabelt, bekam netterweise noch ein Glas Wasser kredenzt und saß dann halt eine halbe Stunde so herum. Das Gerät produzierte einen hübschen Papierstreifen mit niedlichen kleinen Zacken drauf und dieses irgendwie doch sehr beruhigende Trappelgeräusch der kindlichen Herztöne. Nett war das. Ich hatte nix zu tun (das nächste Mal nehme ich mir vielleicht ein Buch mit, aber vielleicht lass ichs auch..), also lehnte ich mich zurück, schloss die Augen, atmete ganz entspannt und schaltete einfach mal ab. Das Haselkind und ich, wir waren da ganz für uns. Die Kleine warm und geschützt in meinem Bauch und ich als ruhige, gelassene und sehr glückliche Umverpackung drum herum. Ich mag es sehr, mir diese Ruheinseln zu gönnen, in denen mein dauergrübelndes Hirn mal etwas Pause hat und ich wirklich einfach mal nur SEIN kann. Und das war das erste Mal, wo ich gleichzeitig das Kind als anwesend, aber nicht als ablenkend wahrgenommen habe. Wir waren einfach beide da, ganz ruhig, und alles andere war weg.

Ich hab mich richtig erschrocken, als dann plötzlich die Arzthelferin wieder im Raum stand um das Gerät auszuschalten. Im ersten Moment war es wirklich nicht leicht, wieder in die Realität zurückzufinden. So, als wenn man aus aus einem tiefen Schlaf geweckt wird. Und ein bisschen so war es ja auch wirklich. Und ein bisschen schade. Aber es wird ja in den kommenden Wochen noch das ein oder andere weitere CTG geben. 🙂
Die Ärztin warf dann noch einen kurzen Blick auf die entstandene Zackelkurve, während ich mit der Arzthelferin schon mal die Termine für die kommenden Wochen besprach. Auch hier: alles super!
Und dann musste ich wieder in mein viel zu warmes Auto steigen und den Heimweg antreten. Buäh.

Mein Mann hat dann übrigens nach eingehender Betrachtung der sehr abstrakten Ultraschallbilder diese kopiert und mal bei einem eingezeichnet, was er zu erkennen glaubte. Ist ganz süß geworden und vermutlich auch gar nicht sooo weit von der Realität weg. (Ich finde außerdem, er hat eigentlich einen ganz hübschen Strich – vielleicht sollte ich ihn mal zum Zeichnen ermutigen?) Wollt ihr mal sehen? 😀

ganzderpapa

Ich geh jetzt mal glaub ich ein Bauchfoto schießen. Wird mal wieder Zeit. 🙂

Nach Abreise der Patent-Tante.

Ich wollte mal schnell piep sagen.
Meine Beste ist heute Vormittag gefahren und der eigentlich für später angekündigte Besuch von Freunden meines Mannes fiel (darf ich sagen: zum Glück?) kurzfristig aus. Für längere Erzählungen bin ich gerade allerdings zu müde – wir waren gestern noch auf einer Geburtstagsfeier (einer Verwandten meiner Besten, die hier in der Gegend wohnt) und erst mitten in der Nacht zurück und im Bett, mussten aber heute relativ früh wieder raus..
Es gibt sicher so einiges zu erzählen, z.B. von der letzten Vorsorge, vom GVK am Wochenende und auch sonst so, aber das muss wohl noch ein, zwei Tage warten. (Und ich habe unheimlich viel bei meinen Blogschwestern nachzulesen, aber auch das wird heute nichts mehr..)

Eins kann ich jedenfalls sagen: Mein Haselkind, du bekommst eine ganz wunderbare Patentante. Du wirst sie wohl leider aufgrund der Entfernung eher selten zu sehen kriegen, aber du kannst dir sicher sein, dass sie dich lieben und immer für dich da sein wird. ❤ Es hat mich so sehr gerührt, dass sie jetzt schon so oft und liebevoll mit dir gesprochen und dich in meinem Bauch gestreichelt hat. Du kennst jetzt also schon ihre Stimme und ihr Lachen und ich glaube, du hast auch gespürt, wie wohl ich mich in ihrer Gegenwart fühle und hast es dir zueigen gemacht. (Im Übrigen ist sie ja sogar ein ganz klein wenig mitverantwortlich für deine Entstehung – war sie doch diejenige, die damals für mich die Ampulle mit der Lösung fürs Brevactid geöffnet hat! 😉 ) Es war so schön, dass sie dich letzte Woche beim Ultraschall schon einmal sehen durfte und ich weiß jetzt schon, dass sie der allererste Mensch (nach mir und deinem Papa) sein wird, der von deiner Geburt erfahren wird. Sie und du, ihr werdet sicher später gemeinsam eine Menge Unfug aushecken, und darauf freue ich mich wahnsinnig. 🙂

Jetzt schleppe ich meine müden Knochen aber erstmal in die Küche und kümmere mich ums Abendessen. Man liest sich!

 

Schwiegereltern informieren: Deckel drauf.

Das hätten wir nun also auch hinter uns gebracht. Die Schwiegis konnten es erst gar nicht fassen – sie sind ja schon jenseits der 70 und hatten schon gar nicht mehr damit gerechnet noch Großeltern zu werden – aber sind nun vor Freude ganz aus dem Häuschen. (Vorhin erzählte mir meine Mutter am Telefon, sie hätten sogar gestern Abend noch bei meinen Eltern angerufen, hihi..)
Ich hatte mich – wie davor bei meinen Eltern auch – so gut es ging unauffällig verhüllt (schlabberiges Top und Strickjacke drüber), damit nicht sofort offensichtlich wird, was Sache ist.. war aber diesmal ehrlich gesagt schon deutlich schwieriger, der Bauch wächst mittlerweile doch irgendwie. (Bauchfotos/-zeichnungen kommen demnächst noch in einem eigenen Eintrag, ich muss nur meine Faulheit überwinden.) Beim Kaffee gabs dann für Schwiegereltern und Schwager+Freundin jeweils eine Packung Pralinen mit daran befestigtem Schnuller.. nicht besonders einfallsreich, ich weiß, aber irgendwie war mir nicht nach großem Aufwand. Seinen Bruder (und damit auch dessen bessere Hälfte) hatte mein Mann letzte Tage schon eingeweiht, die Schwiegereltern hingegen guckten erstmal ein bisschen wie die Kühe, wenns donnert..
„Wer von euch ist denn schwanger?“ fragte die Schwiegermama dann, und ich konnte mir erstmal nicht verkneifen, mit dem Finger und fettem Grinsen auf meinen Mann zu zeigen. (Wir albern ja immer gern herum, weil er dieses Bäuchlein hat – rund und fest, wie ein Babybauch eben! – ich liebe seinen Bauch übrigens unendlich und kann ihn mir gar nicht ohne vorstellen. <3) Dass das Quatsch ist, musste ich dann aber doch nochmal laut sagen, und dass natürlich ICH das Kind austrage.. *schmunzel* Es hat dann noch ein paar Momente gedauert, aber dann war der Groschen wohl tatsächlich gefallen. Die Schwiegermama streckte jubelnd die Arme in die Höhe und rief: „Ich werde OOOMAAA!“ …und dann gabs natürlich erstmal kein anderes Thema mehr und es musste schon gaaanz viel geplant werden, was wann wie wo wer mit wem und hach und überhaupt! Das Kind muss dann unbedingt mal in der Familienwiege liegen (in der mein Mann vor fast 50 Jahren schon ruhen durfte, hihi), außerdem müssen wir auf jeden Fall dafür sorgen, dass die Wohnung sicher ist (ja, ich gebs zu, speziell unser Wohnzimmer ist wohl wirklich ne Kleinkinder-Todesfalle.. da kommt noch einiges auf uns zu, ohje), am besten sofort!

…gemach, gemach. Wir haben doch noch 5 Monate, bis das Haselkind zur Welt kommt, und ich behaupte mal es wird sich auch nicht im Alter von wenigen Wochen selbständig und unbeaufsichtigt die Treppen hinunter stürzen. Aber es war schön, dass sich alle so gefreut haben. Besonders gefreut hats mich ehrlich gesagt bei Schwager und Schwägerin ❤ – ich hab die beiden unheimlich gern und fühle mich von ihnen auch immer so sehr angenommen, obwohl da doch fast 20 Jahre Altersunterschied zwischen uns sind. Der einzige Wermutstropfen war leider die Raucherei vom Schwiegerpapa. Ich hatte ja schon mal erzählt, dass er gern eine Zigarette nach der andern konsumiert und das eben auch in der Wohnung. War leider diesmal nicht anders. Ich war richtig froh, als er zwischenzeitlich mit meinem Mann vom Ess- ins Wohnzimmer auswich.. auch wenn das keinen soo großartigen Unterschied macht, weil die Räume direkt aneinander grenzen und der Durchgang zwischen beiden ziemlich weit und dauerhaft offen ist, aber zumindest saß ich nicht mehr direkt im frischen Qualm. Dazu kam, dass das Haselkind (das sich sonst bislang  eher ruhig verhält) mich die meiste Zeit ziemlich energisch von innen geknufft hat, und ich natürlich nicht anders konnte als das als unmittelbaren Effekt der schlechten Luft zu interpretieren. 😦 Hat mir ein sauschlechtes Gewissen gemacht. Ich schätze ich werde nicht drumherum kommen, Schwiegerpapa beim nächsten Mal ganz höflich und inständig darum zu bitten, sich mit den Zigaretten etwas einzuschränken, wenn wir dort sind.. Lieber wäre es mir wenn mein Mann das übernehmen würde, aber der meinte schon, er glaubt nicht, dass es hilft. 😦 Ich fühle mich auch nicht ganz wohl dabei – kann ja schlecht jemandem in seiner eigenen Wohnung das Rauchen verbieten und ich bin ja eh so ein Harmoniesuchti und lege mich ungern mit Leuten an, aber die Alternative für mich wäre halt, dann die Besuche dort weiter einzugrenzen oder ganz zu vermeiden. Für mich selbst nehme ich das Passivrauchen ja aus Höflichkeit in Kauf (auch weil ich die Schwiegis wirklich mag), aber für unser Kind kann und möchte ich das eigentlich nicht verantworten. Klar, alle paar Monate mal ein paar Stündchen dort werden keine größeren Schäden hervorrufen, aber.. mir sträubt sich da wirklich alles. Ich hoffe nur, mein Mann stärkt mir da dann auch den Rücken und denkt nicht, dass ich übertreibe.. Bin mir da nicht ganz so sicher, immerhin raucht er ja selbst, aber er war z.B. auch so lieb und hat es sich in der Zeit dort – wie Schwiegermama auch – ausnahmsweise verkniffen. Vielleicht sehe ich das auch zu eng.. keine Ahnung.

Zum Glück war diesmal nur anderthalb Stunden Passivrauchen angesagt, so lange wie wir eben bei den Schwiegis am Kaffeetisch saßen. Danach sind wir essen gefahren und es war zu meiner großen Erleichterung diesmal kein Raucherlokal. Das hat mir den Abend dann auch gerettet und das Haselkind stellte sein Terrorgestupse tatsächlich sofort mit Verlassen der Wohnung komplett ein.
Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir das Pflichtprogramm dieser Schwangerschaft (Arbeitgeber, Freunde, Familie informieren) fürs Erste als absolviert betrachten dürfen und fühle mich gerade ziemlich erleichtert, glücklich und zufrieden. Zwar ist es immer noch nicht so ganz in meinem Kopf angekommen, dass wir in nunmehr fünf Monaten tatsächlich Eltern werden (ja, ich weiß, langsam wirds unglaubhaft, aber ich kanns wirklich immer noch nicht glauben, dass ich schwanger bin), die meiste Zeit komme ich mir so vor als würde ich mir das alles einbilden, aber ich muss sagen: diese Einbildung macht mittlerweile echt Spaß und fühlt sich großartig an. ❤