ZT 10: Et kütt wie et kütt…

Tja. Ich habe nicht viel Zeit, aber meine Statistik zeigt, dass einige neugierige Leser da draußen sind ;), also:

Der Ultraschall war für mich etwas ernüchternd. Diesmal habe ich von Anfang an höher dosiert gespritzt (drei Tage 200 IE, dann je 225) und eigentlich war meine Erwartung, dass dabei dann vielleicht auch etwas mehr rausspringen würde als die 8 Eizellen vom letzten Mal.. Denn zum einen hätte ich wirklich gerne was übrig zum Einfrieren (denn bei der kurzen Zeit, die uns bleibt, werden wir vermutlich keine drei Vollversuche schaffen und ich hätte einfach gern ein bisschen was auf der hohen Kante, ein paar Zusatzversuche), zum anderen wollten wir diesmal auch lieber Blastos – denn so wie es aussieht möchte ich mir lieber nur einen Embryo einsetzen lassen und da wäre es mir schon lieb gewesen es mit einer Blastozyste zu versuchen, um die Erfolgschancen noch ein wenig nach oben zu schrauben. Denn es ist leider so, dass wir kein Zwillingsrisiko eingehen wollen.. können.. sollten. Bevor ich das erste Mal schwanger war fand ich Zwillinge toll, und im Grunde finde ich das auch immer noch, aber seien wir ehrlich: das würde in die Hose gehen. Ich habe hier keine Unterstützung, weder von der Familie noch von Freunden, noch von irgendwem und mein Mann ist nun mal eben sehr wenig zuhause. Und Zwillinge UND ein Kleinkind allein zu managen – das traue ich mir nicht zu. Also: mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit gibt es diesmal einen SET. Außer, wenn nur zwei Embryonen übrig blieben.. dann wäre ich doch in Versuchung beide zu nehmen.. Ach, keine Ahnung.
Ich schwoff ab.
Also. Der Ultraschall war ernüchternd. Die Ärztin schallte rechts: ein Follikel mit 16 mm und „jede Menge Kleingemüse, so wird das aber nichts!“. Ja, leider leider wirklich nur Mini-mini-mini-Eier, bei denen keine Hoffnung besteht, dass sie noch aufholen.. Dann schwenkte sie rüber nach links: „Aha. Sie werden eindeutig mit links schwanger!“ Drei weitere Follikel.. kleiner als der große von rechts, aber größer als die ganz kleinen.. Und mehr war nicht drin. Vier Stück. Vier lumpige Eierchen.
Ja, ich weiß. Vier Stück können reichen. Es gibt Frauen, die haben nur eine Eizelle oder zwei und schaffen es auch. Und im Grunde reicht es ja wenn DIE EINE dabei ist. Und, wie die Ärztin so schön sagte: ich werde offenbar leicht schwanger und wenn es schon mal geklappt hat sind die Chancen auch höher, dass es wieder klappt…
Trotzdem bin ich etwas, ein winziges bisschen, traurig. Und mache mir so meine Gedanken. Beim letzten Mal hatten wir 8 Eizellen, aber nur 4 waren reif. 3 ließen sich befruchten. 2 bekam ich zurück. 1 liegt jetzt unten im Bett und plappert selbst noch im Schlaf vor sich hin. Alles in allem eine gute Bilanz. Aber wenn jetzt, in diesem Versuch, wieder nur die Hälfte reif ist? Oder nur drei von vieren? Sich eine oder zwei gar nicht erst befruchten lassen..? Und dann kommt ja die nächste große Hürde: sie müssen sich weiterentwickeln. Und sich einnisten. Wobei: was die Einnistung angeht mache ich mir weniger Gedanken. Denn meine Schleimhaut ist mal wieder super-duper 1++ mit Sternchen. Die bringt wirklich immer und überall die Ärzte zum Schwärmen. 😛 Da wird ja so ein kleines Muckelchen, wenn es denn soweit fit ist, wohl sicher der gleichen Meinung sein und es sich gemütlich machen. (Nur hoffentlich bitte nicht an der Kaiserschnitt-Narbe.)
Jedenfalls: Blastos werden das wohl relativ wahrscheinlich nicht. Und eingefroren wird auch wieder nix. Und das bedeutet, wenn am Ende dieser Chose kein Positiv steht, können wir vielleicht noch eine ICSI machen (natürlich auch wieder ohne Kryos) – und dann ist die Zeit wahrscheinlich um und der Traum ausgeträumt. Das finde ich dann doch plötzlich irgendwie ernüchternd. Aber was will man machen? Es lässt sich nicht ändern. Es ist wie es ist. Es kommt wie es kommt. Jetzt heißt es: Kopf hoch und Arsch in den Sattel. Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht vorbei. Und sie singt noch! Gut, im Moment eher so Adele-bei-den-Grammys-2016-mäßig, aber auch eine Adele darf ja mal nen schlechten Tag haben, also klopfe ich ihr jetzt mal aufmunternd auf die Schulter und schaue nach vorne. Auf Sonntag. Sonntag gibts ein bisschen Brevactid zum späten Abendbrot und Dienstag wird dann punktiert. Alles was da ist. Und dann kann ich ja nochmal ein bisschen zittern, bis wir die Befruchtungsrate erfahren. Und DANACH kehrt dann hoffentlich die alte Lässigkeit zurück (zumindest, wenn noch ein Transfer in Aussicht steht) und ich genieße meine wundervolle Warteschleife. Deal? Deal.

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Nenu allein zu Haus.

Heute bin ich zum ersten Mal ohne Haselkind daheim. Es ist nämlich so, dass das Christkind mir offenbar als Überraschungsgeschenk so eine blöde Magen-Darm-Sache unter den Baum gelegt hatte, und nun bringe ich seit den frühen Morgenstunden meine Zeit vorrangig auf dem Klo zu.. Dabei ist heute eigentlich Feiern bei den Schwiegereltern angesagt. Dass ich da nun nicht hin kann, ist klar. Aber ich war dann doch etwas überrascht, als mein Mann den Wunsch äußerte, trotzdem das Haselkind mitnehmen zu wollen. Okay?
Nicht, dass ich damit ein Problem hätte. Also, theoretisch jedenfalls nicht. Die Schwiegis haben die Kleine erst zwei Mal gesehen – das erste Mal an ihrem zweiten Lebenstag und dann anfang November mal für eine knappe Stunde. Das ist nicht sonderlich viel, und dabei sind sie (vor allem die Schwiegermama) doch eigentlich ganz verrückt nach ihr. Von daher hätte ich es sehr schade gefunden, ihnen ihre Gesellschaft heute vorzuenthalten, und für das Haselkind selbst ist es mir auch wichtig, dass sie Zeit mit ihren Großeltern verbringt – gerade Oma und Opa väterlicherseits werden ihr womöglich nicht mehr so lange Gesellschaft leisten können, sind sie doch beide schon über 70. Ich selber habe meine Großeltern immer nur selten gesehen, und die Eltern meines Vaters sind auch sehr zeitig gestorben, weshalb ich mich kaum an sie erinnern kann. Aber auch meine anderen Großeltern standen mir nie besonders nahe – dazu hatte ich einfach zu selten Kontakt zu ihnen. Ich beneide immer die Leute, die da ein enges Verhältnis  pflegen und lauter schöne Erinnerungen mit ihren Großeltern verbinden. Mir fehlt das, und ich möchte gerne, dass es unserer Tochter anders ergeht.
Also: Ja, bitte, sie soll ruhig mitfahren!
Aber natürlich mache ich mir so meine Gedanken. Zum einen wegen des altbekannten Themas, dass meine Schwiegereltern in ihrer Wohnung rauchen, und das nicht zu knapp. Als wir kürzlich mit dem Haselkind das erste Mal zu Besuch waren, haben sie netterweise während unserer Anwesenheit darauf verzichtet und wohl auch vorher gut gelüftet. So konnte ich mich damit gut arrangieren. Aber da waren wir auch nur ein Stündchen dort, nicht mehr oder weniger den ganzen Tag.. und Schwiegerpapa raucht schon ziemlich viel. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass er das dann so lange durchhält. Aber vielleicht ist er so nett und geht mit meinem Mann dann ausnahmsweise zum Rauchen auf den Balkon.. zum Glück ist es ja momentan nicht ganz so extrem kalt draußen.
Dann – zweitens – wird das Haselkind ja momentan noch voll gestillt. Wenn ich nicht dabei bin, ist das natürlich schwierig. Zum Glück hat sie aber bereits bei zwei oder drei Gelegenheiten aus der Flasche getrunken und es ging immer problemlos. Und abgepumpte Milch haben wir mittlerweile (da ich ja jede Nacht abpumpe, weil das Fräulein schläft 😛 ) hinreichend auf Vorrat. Unser Tiefkühl ist bis unter den Rand voll damit (und das meine ich wirklich so, es ist keine Übertreibung) und mein Mann hat nun glaube ich über einen Liter in fünf oder sechs Portionsbeuteln mitgenommen. Das sollte wohl genügen. Bleibt nur zu hoffen, dass das mit der Flasche nach wie vor reibungslos funktioniert. Wenn nicht… tja. Von den Schwiegis zu uns ist es eine knappe Stunde Fahrt, das würde dann im schlimmsten Falle eine ziemliche Durststrecke (im wahrsten Sinne des Wortes) für die Haselmaus bedeuten.
Und drittens, obwohl ich so eigentlich nicht sein möchte, mache ich mir natürlich ein wenig Gedanken, ob das denn ohne mich alles so funktioniert und ob mein Mann und Schwiegers das auch alles vernünftig auf die Kette kriegen, dass das Kind satt und zufrieden ist und sich nicht die ganze Zeit die Lunge aus dem Hals schreit, weil es zutiefst unglücklich ist. Ob er darauf aufpasst, dass sie weder schwitzt noch friert. Ob ihr das mit lauter mehr oder weniger fremden Leuten in einer fremden Umgebung (wo sie vermutlich auch permanent rumgereicht wird) ohne Mama nicht zu viel wird..
Aber dann sage ich mir, dass ich meinem Mann vertrauen kann. Dass die Kleine nicht aus Zucker ist. Dass meine Schwiegermama immerhin auch zwei Kinder großgezogen hat (auch wenn es jetzt fast 50 Jahre her ist, dass mein Mann ein Baby war), und dass die Freundin meines Schwagers – obschon selbst kinderlos – durchaus ein Händchen dafür hat, einen Säugling zu beruhigen. Dass ich Anfang November mal mit einer Freundin ein paar Stunden lang ohne Kind außer Haus war und die Haselmaus – beim Papa und von ihm mit der Flasche gefüttert – das auch gut überstanden hat (und seltsamerweise habe ich mir während der ganzen Zeit keine Sorgen gemacht). Dass mein Kind schon nicht erfrieren, ersticken, zu Tode stürzen oder von Außerirdischen entführt werden wird, wenn ich mal ein paar Stunden nicht da bin, und dass ich es garantiert heute Abend gesund und munter wiedersehen werde. Es wird schon alles gut gehen, auch – oder gerade WENN – ich nicht die ganze Zeit um sie herum helikoptere.

Aber eins kann ich leider nicht ändern: sie fehlt mir ganz schrecklich.

Dem nächsten, der es besser weiß, spring ich mit dem Arsch ins Gesicht.

Ehrlich. Praktisch jeder, der erfährt, dass ich ambulant zu entbinden gedenke, schlägt die Hände überm Kopf zusammen. Oh Gott, nee, wie furchtbar! (Außer meine Zimmernachbarin letztens im Krankenhaus. Die fand es bloß „mutig, beim ersten Kind“. Hätte sie am liebsten geknutscht.) Neuester Zugang im „Ambulante-Entbindung-ist-total-gar-nicht-gut-Club“: die Beste meines Mannes. Kinderärztin, ne. Mit zwei eigenen Kindern.
Letzte Tage hat er mit ihr telefoniert und dabei wohl erwähnt, dass ich nach der Geburt so schnell als möglich nach Hause zu gehen gedenke.
Später richtete er mir von ihr aus, sie fände das „nicht empfehlenswert“. Weil, und so.
Das würde mit dem Stillen ja oft am Anfang noch nicht so gut klappen und dann wäre man im Krankenhaus besser aufgehoben.

Jaha. Das ist gerade einer der Gründe, warum ich gern heim will. Weil ICH nämlich schon gefühlte drei Millionen mal die Geschichte gehört habe, dass im Rummel des Krankenhauses, mit drei Dutzend Krankenschwestern/Hebammen/Stillberaterinnen/Ärzten, von denen jede andere Ansichten hat, wie es am besten und sinnvollsten funktioniert und ständig jemand ungefragt seinen Senf dazu gibt, die frischgebackenen Mütter sich dadurch total verunsichern lassen und es dann erst klappt, wenn sie in Ruhe zuhause ankommen. Gibt sicher auch andere Fälle – die, denen es wirklich hilft, Ratgeber wenn nötig ständig verfügbar zu haben. Das will ich ja gar nicht abstreiten. Aber Menschen sind da eben sehr verschieden. Dem einen gibt es Sicherheit. Der andere lässt sich verunsichern. Ich war schon immer mehr der autodidaktisch veranlagte ich-muss-ganz-in-Ruhe-rausfinden-und-mich-konzentrieren-und-Fehler-machen-dürfen-ohne-dass-es-jemand-kommentiert-Selbstausprobiertyp. Immer schon, egal um was es geht. Ich bin echt gut da drin, ehrlich! Wenn ich mit einem Problem alleine bin, kann ich ganz gechillt damit umgehen, habe keine Angst davor, irgendwas zu versauen, und komme durch gezieltes Beobachten, Ausprobieren und Kombinieren meist binnen kürzester Zeit an mein Ziel. Und wenn die ersten dreißig Anläufe schief gehen, dann macht mir das nix. Ich hab da ne Engelsgeduld.
Wenn ich hingegen unter Beobachtung stehe, zumal von Leuten, die es besser können (oder meinen, es besser zu können – oder von denen ICH meine, dass sie es besser können), bekomme ich wahnsinnig Stress vor Angst mich zu blamieren. Hängt wohl mit meiner Erziehung zusammen. Meine Mutter war immer sehr kritisch und hat mir gerne das Gefühl vermittelt, eine totale Versagerin zu sein. Ich habe IMMER ALLES FALSCH gemacht (vieles durfte ich erst gar nicht, weil ich es ja theoretisch hätte falsch machen können) und dadurch unheimliche Minderwertigkeitskomplexe aufgebaut. Und obwohl ich das heute recht gut reflektieren kann, kehren diese Ängste trotzdem noch immer schnell zurück. Deswegen ziehe ich es vor, mich nach Möglichkeit eben in Ruhe allein mit allem auseinanderzusetzen. Es macht einfach einen riesigen Unterschied. Und weil ich mich und meine Probleme und die erfolgreichsten Lösungsstrategien nunmal viel besser kenne als irgendwelche anderen Leute, behaupte ich mal, dass ich schon ganz gut weiß, was mir gut tut. Und dass ich mit meiner Entscheidung für eine ambulante Entbindung nicht so verkehrt liege, wie es manchem erscheinen mag.

Außerdem, ey. Ich hab ne Nachsorgehebamme. Das Krankenhaus läuft auch nicht weg, da kann ich jederzeit wieder hinfahren, wenns Probleme gibt. Ich weiß, wo ich sonst noch Hilfe und Beratung bekommen könnte (die Infos, wo man wen wann wie anrufen/kontaktieren könnte, kriegt man doch eh als Schwangere überall nachgeschmissen, außerdem möchte ich wetten dass ich übers Netz binnen 2 Minuten die Telefonnummer der nächsten Stillberaterin finden kann, wenn ich will). Ich bin NICHT völlig alleine. Nur solange ich das möchte! Und, ich kanns ja nicht oft genug wiederholen, wenn IRGENDWAS nach der Geburt nicht hundertprozentig toll und super sein sollte und die uns da behalten wollen, dann werde ich mich da auch nicht gegen wehren. Echt jetzt, Leute. Hört mal auf zu denken, ich hätte nicht sämtliche mögliche Problemstellungen in alle vier Himmelsrichtungen zwanzigmal durchdacht. Immerhin bin ich ein Grübelmonster!

Asdasfasdfsd. Immer das gleiche Spiel.

Gleich müssen wir los, und mir geht jetzt doch schon wieder mächtig die Düse.
Was, wenn das, was da in meinem Bauch so fleißig klopft, gar nicht das Kind ist, sondern der Bandwurm, den ich gerechterweise haben sollte nach allem, was ich in den letzten 30 Jahren bei Waldspaziergängen mit Todesverachtung  in den Mund gesteckt habe? Was, wenn dem Haselkind ein dritter Arm gewachsen ist oder seine Beine zu Tentakeln geworden sind? Was, wenn irgendwie irgendwo irgendwas nicht in Ordnung ist? Und warum war ich eigentlich so blöd und habe gerade noch schnell einen Liter Wasser in mich rein geschüttet, obwohl ich genau weiß, dass ich gleich eine Dreiviertelstunde im Auto sitze und definitiv nicht aufs Klo kann?
Fragen über Fragen.
Ich weiß, eigentlich ist das alles Quatsch. (Na gut, bis auf die Sache mit dem Wasser…) Selbst WENN das Haselkind plötzlich drei Arme oder Tentakel hätte. Selbst wenn. Egal was kommt. Ich liebe dieses Kind, und dass ich es die letzten paar Monate mit mir herumtragen durfte ist schon mehr Glück als ich je glaubte haben zu dürfen. Und das kann mir keiner mehr nehmen.

So. Und jetzt geh ich noch mal auf Pipibox und dann gehts los.

Schwiegereltern informieren: Deckel drauf.

Das hätten wir nun also auch hinter uns gebracht. Die Schwiegis konnten es erst gar nicht fassen – sie sind ja schon jenseits der 70 und hatten schon gar nicht mehr damit gerechnet noch Großeltern zu werden – aber sind nun vor Freude ganz aus dem Häuschen. (Vorhin erzählte mir meine Mutter am Telefon, sie hätten sogar gestern Abend noch bei meinen Eltern angerufen, hihi..)
Ich hatte mich – wie davor bei meinen Eltern auch – so gut es ging unauffällig verhüllt (schlabberiges Top und Strickjacke drüber), damit nicht sofort offensichtlich wird, was Sache ist.. war aber diesmal ehrlich gesagt schon deutlich schwieriger, der Bauch wächst mittlerweile doch irgendwie. (Bauchfotos/-zeichnungen kommen demnächst noch in einem eigenen Eintrag, ich muss nur meine Faulheit überwinden.) Beim Kaffee gabs dann für Schwiegereltern und Schwager+Freundin jeweils eine Packung Pralinen mit daran befestigtem Schnuller.. nicht besonders einfallsreich, ich weiß, aber irgendwie war mir nicht nach großem Aufwand. Seinen Bruder (und damit auch dessen bessere Hälfte) hatte mein Mann letzte Tage schon eingeweiht, die Schwiegereltern hingegen guckten erstmal ein bisschen wie die Kühe, wenns donnert..
„Wer von euch ist denn schwanger?“ fragte die Schwiegermama dann, und ich konnte mir erstmal nicht verkneifen, mit dem Finger und fettem Grinsen auf meinen Mann zu zeigen. (Wir albern ja immer gern herum, weil er dieses Bäuchlein hat – rund und fest, wie ein Babybauch eben! – ich liebe seinen Bauch übrigens unendlich und kann ihn mir gar nicht ohne vorstellen. <3) Dass das Quatsch ist, musste ich dann aber doch nochmal laut sagen, und dass natürlich ICH das Kind austrage.. *schmunzel* Es hat dann noch ein paar Momente gedauert, aber dann war der Groschen wohl tatsächlich gefallen. Die Schwiegermama streckte jubelnd die Arme in die Höhe und rief: „Ich werde OOOMAAA!“ …und dann gabs natürlich erstmal kein anderes Thema mehr und es musste schon gaaanz viel geplant werden, was wann wie wo wer mit wem und hach und überhaupt! Das Kind muss dann unbedingt mal in der Familienwiege liegen (in der mein Mann vor fast 50 Jahren schon ruhen durfte, hihi), außerdem müssen wir auf jeden Fall dafür sorgen, dass die Wohnung sicher ist (ja, ich gebs zu, speziell unser Wohnzimmer ist wohl wirklich ne Kleinkinder-Todesfalle.. da kommt noch einiges auf uns zu, ohje), am besten sofort!

…gemach, gemach. Wir haben doch noch 5 Monate, bis das Haselkind zur Welt kommt, und ich behaupte mal es wird sich auch nicht im Alter von wenigen Wochen selbständig und unbeaufsichtigt die Treppen hinunter stürzen. Aber es war schön, dass sich alle so gefreut haben. Besonders gefreut hats mich ehrlich gesagt bei Schwager und Schwägerin ❤ – ich hab die beiden unheimlich gern und fühle mich von ihnen auch immer so sehr angenommen, obwohl da doch fast 20 Jahre Altersunterschied zwischen uns sind. Der einzige Wermutstropfen war leider die Raucherei vom Schwiegerpapa. Ich hatte ja schon mal erzählt, dass er gern eine Zigarette nach der andern konsumiert und das eben auch in der Wohnung. War leider diesmal nicht anders. Ich war richtig froh, als er zwischenzeitlich mit meinem Mann vom Ess- ins Wohnzimmer auswich.. auch wenn das keinen soo großartigen Unterschied macht, weil die Räume direkt aneinander grenzen und der Durchgang zwischen beiden ziemlich weit und dauerhaft offen ist, aber zumindest saß ich nicht mehr direkt im frischen Qualm. Dazu kam, dass das Haselkind (das sich sonst bislang  eher ruhig verhält) mich die meiste Zeit ziemlich energisch von innen geknufft hat, und ich natürlich nicht anders konnte als das als unmittelbaren Effekt der schlechten Luft zu interpretieren. 😦 Hat mir ein sauschlechtes Gewissen gemacht. Ich schätze ich werde nicht drumherum kommen, Schwiegerpapa beim nächsten Mal ganz höflich und inständig darum zu bitten, sich mit den Zigaretten etwas einzuschränken, wenn wir dort sind.. Lieber wäre es mir wenn mein Mann das übernehmen würde, aber der meinte schon, er glaubt nicht, dass es hilft. 😦 Ich fühle mich auch nicht ganz wohl dabei – kann ja schlecht jemandem in seiner eigenen Wohnung das Rauchen verbieten und ich bin ja eh so ein Harmoniesuchti und lege mich ungern mit Leuten an, aber die Alternative für mich wäre halt, dann die Besuche dort weiter einzugrenzen oder ganz zu vermeiden. Für mich selbst nehme ich das Passivrauchen ja aus Höflichkeit in Kauf (auch weil ich die Schwiegis wirklich mag), aber für unser Kind kann und möchte ich das eigentlich nicht verantworten. Klar, alle paar Monate mal ein paar Stündchen dort werden keine größeren Schäden hervorrufen, aber.. mir sträubt sich da wirklich alles. Ich hoffe nur, mein Mann stärkt mir da dann auch den Rücken und denkt nicht, dass ich übertreibe.. Bin mir da nicht ganz so sicher, immerhin raucht er ja selbst, aber er war z.B. auch so lieb und hat es sich in der Zeit dort – wie Schwiegermama auch – ausnahmsweise verkniffen. Vielleicht sehe ich das auch zu eng.. keine Ahnung.

Zum Glück war diesmal nur anderthalb Stunden Passivrauchen angesagt, so lange wie wir eben bei den Schwiegis am Kaffeetisch saßen. Danach sind wir essen gefahren und es war zu meiner großen Erleichterung diesmal kein Raucherlokal. Das hat mir den Abend dann auch gerettet und das Haselkind stellte sein Terrorgestupse tatsächlich sofort mit Verlassen der Wohnung komplett ein.
Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir das Pflichtprogramm dieser Schwangerschaft (Arbeitgeber, Freunde, Familie informieren) fürs Erste als absolviert betrachten dürfen und fühle mich gerade ziemlich erleichtert, glücklich und zufrieden. Zwar ist es immer noch nicht so ganz in meinem Kopf angekommen, dass wir in nunmehr fünf Monaten tatsächlich Eltern werden (ja, ich weiß, langsam wirds unglaubhaft, aber ich kanns wirklich immer noch nicht glauben, dass ich schwanger bin), die meiste Zeit komme ich mir so vor als würde ich mir das alles einbilden, aber ich muss sagen: diese Einbildung macht mittlerweile echt Spaß und fühlt sich großartig an. ❤

10 von 40.

10 Wochen schwanger. Und damit ist ein Viertel der Zeit schon rum. Aber leider noch nicht ein Drittel.
Es ist irgendwie ganz schön still um mich geworden. Nicht, weil ich nichts zu schreiben hätte. Ich habe eigentlich immer irgendwas zu schreiben. Selbst wenn absolut nichts passiert, brütet mein Kopf weiterhin lauter verrückte Dinge aus. Ich bin schließlich – wie jemand hier mal so wunderbar kommentierte – ein Grübelmonster. 😉
Aber im Moment möchte ich über das, was in meinem Hirn so läuft, eigentlich nichts schreiben. Ich bin nämlich nicht nur ein Grübelmonster, sondern auch eine absolute Schissbuxe. Haltet mich für überängstlich, paranoid oder schlichtweg für gaga, aber im Moment laufen in meinem Kopfkino fast nur Horrorfilme. Ich weiß, dass das Blödsinn ist, aber da ist ein leises, aber eindringliche Stimmchen in mir, dass mir ununterbrochen einflüstert, dass das dicke Ende doch jetzt bestimmt noch nachkommt. Man spaziert nicht so einfach sorgenfrei und unbeschwert durch eine ICSI, kassiert ein Positiv, durchlebt eine völlig komplikations- und beschwerdefreie Frühschwangerschaft und bringt am Ende tatsächlich ein lebendes, atmendes (ich sage schon extra nicht: gesundes) Kind zur Welt. Oder? Irgendwas MUSS doch schiefgehen.
Ich hatte mir eigentlich immer vorgenommen, dass ich meine Schwangerschaft genießen würde. Jeden einzelnen Moment. Aber im Moment traue ich mich einfach nicht. Ich fahre hier mit angezogener Handbremse. Ich habe Angst mich fallen zu lassen, zu glauben und zu vertrauen. Ich mag das Glück nicht zulassen, weil ich Angst habe, dass man es mir dann wieder wegnimmt. Wahrscheinlich ist das die Strafe dafür, dass ich die ICSI-Warteschleife einfach nur genossen habe – jetzt bibbere ich dafür mit einem Hirn wie ein Eimer voller Aale durch die 12-Wochen-Warteschleife (die ja streng genommen eigentlich nur eine 8-Wochen-Warteschleife ist, weil zum Zeitpunkt, an dem man sie beginnt, die ersten 4 Wochen  bereits rum sind).
Mit heute sind es noch drei Tage bis zum nächsten Arzttermin. Ich schwanke zwischen Hoffnung und Grauen. Zum Glück wird mich mein Mann begleiten. Wenn dann alles in Ordnung ist, sind es noch anderthalb Wochen bis Buffalo. Eigentlich ja übersichtlich. Aber ob ich die bewältige, ohne mich selbst vorher völlig bekloppt zu machen? Ich zweifle.
Deswegen wundert euch nicht, wenn hier im Moment das große Schweigen herrscht. Ich weiß, ich habe noch jede Menge Kommentare nachzuholen (hier wie anderswo), ein Bauchbild zu zeichnen und hochzuladen (fotografiert ist es bereits), in meinem Postfach stapeln sich vermutlich die Mails (hab bestimmt ne Woche nicht mehr reingeschaut, Asche auf mein Haupt) und einige von euch haben schon vor einer halben Ewigkeit nach dem Passwort gefragt und immer noch keine Antwort von mir bekommen (bin übrigens total überwältigt, WIE VIELE Anfragen da kommen. Alter Verwalter!) – das alles wird hoffentlich in naher Zukunft von mir endlich beachtet und ich packe dann noch jeweils einen großen Sack Entschuldigungen drauf. Aber… vielleicht erst nach Dienstag. Ich hoffe ihr könnt es mir nachsehen.

Alles gut, alles gut, doch bestimmt.. alles gut.

Ich habe tierisch Schiss vor dem Arzttermin am Mittwoch. So sehr, dass ich die letzten beiden Nächte schon geträumt habe, ich hätte Blutungen. Dabei gibts ja eigentlich keinen konkreten Anlass. Bis jetzt war doch alles super und in der Norm und genau SO, wie es sein soll – wieso sollte das beim nächsten Mal nicht auch so sein? Aber trotzdem ist da die Angst. Schafft der kleine Fleck das: ein schlagendes Herz zu produzieren?
Vielleicht ist das auch nur wieder meine innere Pessimistin, die gerne die Meinung vertritt, dass Dinge besonders oft DANN schiefgehen, wenn man sich schon in Sicherheit wähnt. Vielleicht habe ich auch einfach in den letzten Monaten und Jahren von zu vielen Fehlgeburten erfahren, um jetzt noch völlig entspannt durch diese ersten Wochen zu kommen. Oder es ist sozusagen die Rache dafür, dass ich (bis auf den Eierschreck) so federleicht durch diese ICSI spaziert bin, als wäre es ein Friseurtermin und keine nervenaufreibende Kinderwunschbehandlung.
Dabei sage ich mir immer wieder, dass ich eh nichts machen kann. Es bringt mir nichts, mich zu sorgen. Es hilft nicht, wenn ich mir den Kopf zerbreche. Das Beste, was ich tun kann, ist ruhig bleiben und abwarten und ein wenig Vertrauen haben. Und phasenweise gelingt mir das ja auch. Dann sitze ich hier mit einem breiten Lächeln im Gesicht und freue mich und kann den Mittwoch kaum erwarten. Bis die nächste ängstliche Phase daher kommt und ich in Gedanken die Blase wieder platzen sehe.

Zum Glück sind es nur noch zwei Tage, die ich durchhalten muss. Und so lange sage ich mir immer wieder: Es ist alles gut. Alles ist gut. Alles gut!

On the road to find out.

So. Nach einer Nacht drüber schlafen fasse ich es immer noch nicht. Ganz ehrlich? Wenn es hier im Blog nicht schwarz auf weiß stünde (bzw., äh, weiß auf schwarz), würde ich denken, ich hätte das alles nur geträumt. Aber es steht ja hier, also muss es wohl stimmen. Schwanger fühlen tu ich mich nicht. Es ist alles genau wie immer, bis auf leicht druckempfindliche Brüste (ich glaube, ich habe meine Brüste noch nie so oft angefasst wie heute *g*) – und dieses eklige Ziepen im Bauch, das sich eigentlich sehr nach Mens anfühlt und mich jedesmal zusammenzucken lässt, weil da plötzlich die Angst ist, das könnte es jetzt schon wieder gewesen sein. Denn eins ist mir schmerzlich bewusst: die Kuh ist noch lange nicht vom Eis. Da kann noch so viel schiefgehen (hurra, meine innere Pessimistin kriegt genug zu tun!), und das Problem ist einfach, ich habe diesen winzigen Zellpups in mir einfach schon total ins Herz geschlossen und will den nicht mehr abgeben! Höchstens so in ein paar Jahren, wenn er (oder sie) in die Pubertät kommt und nur noch rumpöbelt. ;P Scherz.
Im Moment schwanke ich also zwischen „ich bin doch nie im Leben schwanger, das muss ein Irrtum sein!“ und „ohmeingottohmeingottohmeinGOOOOTT, was, wenn da vielleicht schon gar nix mehr ist???“. Aber egal wie, ich habe einen hCG-Wert, und der ist (bzw. war) gut, und einen Arzttermin nächste Woche, und das ist auch gut, und das muss jetzt einfach erstmal reichen. Gedankenkarussell kann ich auch ein andermal noch fahren. Kost ja nix. (Nur Nerven.)

Was mich so konfus macht, ist die Tatsache, dass ich eigentlich zu keiner Zeit in diesem Versuch ernsthaft davon ausgegangen bin, am Ende tatsächlich ein Positiv zu bekommen. Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen. Es ist so: es gibt da diese Statistiken (eigentlich find ich Statistiken ja ziemlich doof, leider glaube ich aber trotzdem irgendwie an sie), und die sagen ja eigentlich, dass Ottonormalpaar im Durchschnitt so einige Versuche braucht, bis ein Erfolg eintritt. Und na klar weiß ich, dass ein Durchschnitt eben nur ein Durchschnitt und eine Statistik eben nur eine Statistik ist und deshalb nirgendwo geschrieben steht, dass das auch auf uns zutreffen muss, aber jetzt im Umkehrschluss davon auszugehen, dass wir einfach nicht zum Durchschnitt gehören, das wollte ich dann auch nicht. Auf irgendwas müssen diese Zahlen ja beruhen. Also ging ich mal davon aus, dass wir einfach Geduld und Nerven (und Geld) brauchen würden, und dann so nach drei oder vier Anläufen tatsächlich mal Glück hätten. Jetzt mag man sich fragen: wenn sie eh nicht an einen Erfolg glaubt, wieso macht sie den Kram dann? Ganz einfach, ich hatte eben die klare Vorstellung, dass der Erfolg vielleicht doch da sein könnte, aber eben in der fernen Zukunft. Und die konnte ich nur erreichen, indem wir einfach irgendwann anfangen und die ein oder andere Pleite einfahren. Das ist wie Barfußlaufen nach einem langen Winter: du weißt, die ersten drei, vier Male tun noch ziemlich weh, weil deine Füße sich erst wieder dran gewöhnen müssen und jedes noch so kleine Steinchen dir monumentale Löcher in die Sohlen piekt, aber irgendwann ist der Punkt erreicht, wo es sich plötzlich einfach nur noch gut anfühlt, und dann hat sich der Schmerz gelohnt.
Und jetzt steh ich hier und stelle fest: da sind gar keine Steinchen. Ich kann einfach drauflos laufen.

Das macht mich unglaublich glücklich – aber es macht mich auch ein wenig traurig. Weil ich weiß, dass da draußen noch so viele sind, die tapfer schon hunderte Kilometer hinter sich gebracht haben und schon völlig kaputte Füße, aber keinen Erfolg haben.  Weil es einfach nicht fair ist und ich nichts dafür tun kann, das zu ändern. Ich kann nur trösten und aufmuntern und Händchen halten. Dabei würde ich so gerne frei nach Janosch sagen: „Komm her, ich trag dich ein Stückel!“, aber auch mit Gesellschaft muss ihn wohl jeder selbst gehen, den Kinderwunschweg. Aber keine Sorgen: ich laufe nicht weg. Ich gehe nebenher und höre zu. Oder labere euch ein Kotelett ans Ohr, wie ihr wollt. 😉