Testception.

So. Also mal vorweg: ich wollte euch trollen.
Kennt ihr das, wenn ihr euch denkt, ach, Galgenhumor ist besser als Rumheulen, Lachen ist gesund..? Also hatte ich mir so überlegt, ich schreibe für diesen Eintrag eine Überschrift a la „ÜBERRASCHUNG! Der Test ist…“ und dann untendrunter: „…negativ. Haha. Reingelegt!“
Das war aber offenbar irgendwie schon ein bisschen zu fies von mir, deshalb beschloss mein Unterbewusstsein, mir diesen blöden Plan so richtig heimzuzahlen. Heute Morgen so gegen irgendwann wurde ich wach, schlurfte ins Bad, pinkelte irgendwie so im Halbdunkeln auf diesen Test, guckte drauf… UND JETZT KOMMTS: POSITIV!! Hä, WAS???
Und ich so: Nein, NIEMALS! …und schickte erstmal Fotos per Whatsapp in die virtuelle Runde.
Und alle so: Ja, DOCH!!

Und dann wachte ich auf.
Ohne Scherz jetzt. Ich hab geträumt. Es war ein blöder, arschiger, hundsgemeiner Traum vom Positiv, obwohl ich doch GENAU WUSSTE dass das einfach totaler Quatsch ist. Und als mir das klar wurde, fielen meine Mundwinkel mit einem lauten FLLLOMMMPPP bis auf den Fußboden runter.
Und dann lag ich da so im Bett, das Haselkind schnorchelte noch ganz zufrieden neben mir vor sich hin, und ich wälzte mich, und die Blase war voll und das Hirn irgendwie auch, und ach, mein Gott, ja, dann mach ich jetzt halt diesen blöden Test, dann sehe ich eben nur den einzelnen Strich und es tut ein bisschen weh aber ich bin ja drauf eingerichtet, und dann kann ich vielleicht einfach zurück ins Bett, zwei stille Tränchen drücken und dann noch mal einschlafen…
Ich schlurfte also ab ins Bad, zeigte den Progesteronkapseln auf dem Badezimmerspiegelschrank noch kurz den Finger (hatte gestern schon keine mehr genommen, weil wegen is‘ nich), pinkelte im Hellen auf diesen Test, guckte wie die Farbe sich langsam an dem Teststäbchen hochzog… HA, EIN Strich, ich WUSSTE ES!

…..und wollte den weglegen und ins Bett gehen und dann kam da.. Ja, hier wirds schwer. Da kam ein Schatten. So ein Hauch von einem Strich. Und ich guckte dumm. Und der Schatten wurde dunkler. Und stärker. Und dicker.
Positiv. NEIN!! NIEMALS!! Ich hätte das Ding am liebsten in die Ecke gepfeffert. Denn es war ja wohl sowas von klar, dass das WIEDER nur ein Traum war. Hab ich öfter. Also so Träume, wo ich aufwache weil ich merke dass irgendwas nicht stimmt, und dann aber in Wirklichkeit gar nicht wach bin, oder nur kurz, und mein Unterbewusstsein dann den Fehler in einem weiteren Traum ganz geschickt ausbügelt und ich solange glaube tatsächlich wach zu sein, bis ich dann doch wieder aufwache.. (Ich habe übrigens die letzten 10 Minuten von „Inception“ nicht gesehen und möchte das irgendwann noch  nachholen. Aber ich schweife ab.)
Und dann stand ich also so da mit meinem „zweiten“ Test mit einer mittlerweile wirklich sehr fetten unübersehbaren zweiten Linie und meine Hände zitterten, und ich sagte einfach nur: „Nee.“
…und schickte erstmal Fotos per Whatsapp in die virtuelle Runde. Und ging wieder ins Bett. Und habe tatsächlich nochmal eine Stunde oder so geschlafen (oder gedöst oder genickert, egal), bevor die Haselmaus wach wurde.
Und dann kam ich wieder ins Bad und da lag der Test und die Linie war IMMER NOCH da.
Und ich schwöre, ich bin heute gefühlt dreimal die Stunde hingelaufen und habe nachgeschaut und SIE GEHT EINFACH NICHT WEG.
Ich bin sogar extra zum Drogeriemarkt im Städtchen gefahren (jedesmal ne halbe Weltreise!) und habe noch zwei Billigtests gekauft, weil.. der muss halt einfach kaputt sein. Einen von den neuen hebe ich auf für morgen (also falls dieser Traum so lange dauern sollte), der andere.. zeigt zwei Linien.
Ja. So isses. Jetzt ist es raus.

Und ich freue mich zwar (also streng genommen freue ich mich noch gar nicht so richtig, weil es einfach noch nicht so wirklich in meinem Kopf angekommen ist, was da passiert), aber gleichzeitig ist da dieser Teil von mir, der süffisant den Mundwinkel nach oben zieht, meinem Restteil auf die Schulter klopft und sagt: „Herzlichen Glückwunsch, du hast dich mit Erfolg wieder TOTAL ZUM HORST GEMACHT! Alter!“ und, viel, viel schlimmer: da ist dieser Teil von mir, der einfach nur weint. Es klingt so doof. Aber ich schäme mich. Ich weiß da draußen sind so, so viele, die sich das hier verzweifelt wünschen und es einfach nicht bekommen.. und dann sitze ich hier, drücke erst auf die Tränendrüse dass das ja garantiert alles nicht klappt und zaubere dann doch wieder im ersten verdammten Anlauf ein Positiv aus dem Ärmel. Wie dieses Mädchen, ihr kennt sie alle, das die ganze Zeit rumheult weil es die Klassenarbeit total verhauen hat und dann nachher mit ner 1- nach Hause geht. (Ich glaube die liebe Flora hatte diesen Vergleich auch schon mal verwendet. Ich will wirklich nicht abschreiben aber es geht an dieser Stelle nicht anders.) Also, ja. Ich schäme mich. Und ich stehe hier und zeige dem Universum wütend den Stinkefinger, weil es EINFACH NICHT FAIR IST… und gleichzeitig halte ich die andere Hand auf den Bauch gedrückt und sage ganz leise zum Universum: „Aber bitte lass es mich behalten, ja?“

Ja. Bitte lass es mich behalten. Es tut mir leid.

 

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Alles ruhig.

Diese Warteschleife ist total unspektakulär. Deswegen gabs auch bisher keine weiteren Beiträge mehr.
Zum Bluttest werde ich übrigens auch nicht fahren – zu weit, zu umständlich. Ich teste einfach am Dienstag.. oder Mittwoch zuhause. Falls morgen nicht die Mens eintrudelt, heißt das. Und um ehrlich zu sein, ich denke sie wird. Eintrudeln, meine ich. Oder falls nicht, dann liegt es am Progesteron. Auf jeden Fall bin ich mir sehr sicher, dass mich ein Negativ erwartet. Und jetzt kommts:
Das ist okay.
Klar werde ich ein bisschen traurig sein. Aber eigentlich nicht primär deshalb, weil ich in diesem Versuch nicht schwanger geworden bin. Sondern ein Stück weit, weil ich an unsere kleine tapfere Blasto denke, die es nicht geschafft hat. Und weil uns die Zeit davon läuft. Wenn ich bis Juli nicht schwanger geworden sein werde, dann wird das bedeuten: für immer. Dann wird es kein zweites Kind geben. Und das liegt mir ein wenig auf der Seele.
ABER der gescheiterte Versuch an sich ist in Ordnung.
Ja, die Ausgangssituation war vielversprechend. Super Blasto, super Schleimhaut, schon mal schwanger gewesen.. Aber gute Voraussetzungen sind leider noch keine Garantie für irgendwas und manche Dinge kann man einfach nicht erzwingen..

Also. Wir lesen uns dann am Dienstag. Und sollte es doch ein Positiv zu vermelden geben, können wir alle laut über diesen Eintrag hier lachen. 😉

Willkommen an Bord.

Hallo, mein Schatz. Du weißt das vielleicht nicht, aber ich bin deine Mama.
Ich gebe zu, ich bin in deinem bisherigen Leben irgendwie nur eine Randerscheinung gewesen, obwohl du doch eigentlich zu mir gehörst. Das tut mir leid. Fast eine Woche gibt es dich schon und du hast dich tapfer alleine geschlagen in dieser Zeit. Glaube mir, ich habe dich vermisst, und ich bin sehr, sehr glücklich, dass du nun endlich bei mir sein kannst. Und da wirst du bleiben. Wie lange, das können weder du noch ich vorerst entscheiden.
Ich weiß, du wirst alles geben um bei mir zu bleiben, und ebenso werde ich tun, was ich kann, damit es für dich leichter wird. Aber viel ist es nicht, was ich tun kann, im Moment zumindest nicht. Aber eines kann ich dir sagen: du bist willkommen. Und du wirst geliebt. Wenn du bleibst, dann werden wir viele schöne Zeiten miteinander haben. Da ist dein Papa, der dich genauso lieben wird wie ich, da ist ein kleines Mädchen, das sicher eine wunderbare (wenn auch vielleicht manchmal anstrengende) große Schwester sein wird, und da sind zwei sehr kuschelbedürftige Katzen, die irgendwann dein Leben bereichern werden. Und viele, viele andere Menschen sind da, die dich kennenlernen und lieben wollen.
Wenn du gehst.. dann werden meine Gedanken dich begleiten. Hab keine Angst davor. Du bist noch so klein, aber ich verspreche dir: du wirst nicht allein sein im Dunkel. Aber wenn du kannst, dann bleib! Wirklich, ich freue mich auf dich. Über dich, mit dir.
Du musst verzeihen, wenn ich dir vielleicht zu Beginn nicht ganz so viel Aufmerksamkeit schenke. Deine Schwester braucht sie im Moment noch nötiger als du. Aber ich denke an dich mit diesem warmen Gefühl der Zufriedenheit im Bauch, und ich hoffe das spürst du. Und wenn die Zeit gekommen ist, dann bin ich für dich da, mit allem, was ich geben kann. Versprochen. ❤
Willkommen, mein Schatz. Mach es dir gemütlich.

ZT 19: Die Warteschleife VOR der Warteschleife – nur noch wenige Stunden.

Es ist Sonntag Nachmittag und ich sitze hier und warte darauf, dass das Telefon NICHT klingelt. Auch mal ganz witzig, oder? 🙂
Bis jetzt hatte ich Glück. Seit Dienstag kein Pieps aus Richtung Kiwu-Klinik, das bedeutet wohl, dass alles nach Plan läuft. Wenn das jetzt so bleibt, kann ich morgen in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett fallen (so gegen.. ähm… fünf? Halb sechs?), mich ins Auto werfen und da hin fahren und – hurra, hurra! – einen süßen, niedlichen Blasto abholen. Das wäre echt schön.
Jetzt, wo der Transfer langsam zum Greifen nah ist, lässt auch die Anspannung nach. Zwar war ich jetzt die letzten Tage nicht unbedingt ein Nervenbündel, aber ich habe doch immer wieder etwas gebibbert, ob auch alles gut geht. Um ehrlich zu sein fand ich diese Warteschleife irgendwie schlimmer als die Nach-Transfer-Warteschleife vom letzten Mal. Ich weiß auch nicht. Solange da eine Chance ist, schwanger zu werden, ist alles noch irgendwie okay – und wenn ein Transfer stattfand, dann ist die Chance da. Und wenn es nicht klappt, dann hat es nicht sollen sein.. dann war der Embryo nicht gesund, dann war irgendwas nicht okay, dann ist es zwar traurig aber irgendwie.. nicht ganz so vergeblich. Aber wenn der Transfer nicht stattfindet, weil aus irgendwelchen Gründen nichts da ist, was man transferieren könnte, dann ist das irgendwie fies. Denn dann hat man diese Chance, dass sich etwas einnistet, und wächst und gedeiht, nicht bekommen. Und das würde sich anfühlen als wenn in einem spannenden Buch plötzlich nach zwei Dritteln Schluss ist –  die Seiten raus gerissen – und man nie erfährt, wie es ausgegangen wäre: Happy End oder nicht. Und deswegen freue ich mich, wenn diese Vor-Warteschleife vorbei ist und die eigentliche anfängt. Hoffentlich. Also drückt mir bitte noch ein paar Stündchen weiter die Daumen – ich bin sehr, sehr, sehr dankbar dafür, dass ihr das schon die ganze Zeit tut, denn es scheint zu helfen. 😉
Ich melde mich dann wieder, wenn Monsieur oder Mademoiselle (hoffentlich) an Bord ist. ❤

ZT 14: Schritt, Atemzug, Besenstrich…

Kennt ihr, oder? Wenn nicht, empfehle ich dringend „Momo“ von Michael Ende zu lesen.
Heute war PU, und irgendwie war und ist das immer noch ziemlich unwirklich und sehr, sehr unaufgeregt.
Und es lief dann auch alles ganz flott und unspektakulär. Narkose-Vorgespräch, ab in den OP, ausgezogen, hingelegt, „Sie werden jetzt gleich müde!“ – weg. Und gefühlt zwei Sekunden später wieder wach, aber wunderbar tiefschlafbenommen. Nur diesmal hatte ich dann ziemlich sofort ein brabbelndes, quietschendes, turnendes Haselkind auf mir herumklettern. Das war neu. Aber ich möchte mich nicht beschweren. 🙂
Dann kam auch ziemlich schnell der große Moment, in dem ich die Größenordnung der Eizell-Ausbeute mitgeteilt bekam: 10 Stück haben sie doch irgendwie, woher auch immer, aus mir heraus gepult. Und viel mehr kann ich dazu jetzt eigentlich auch gar nicht sagen.
Nur, dass, wenn alles gut geht, der Transfer am Montag stattfinden wird. Wie viele reife Eizellen nun dabei waren, Befruchtungsrate… ist mir alles nicht bekannt und wird erstmal auch nicht mitgeteilt. Es gilt: solange hier keiner anruft, läuft alles nach Plan. Es werden also vielleicht mit etwas Glück DOCH Blastos und WER WEIß, vielleicht sogar mehr als einer, und dann könnte man die restlichen DOCH einfrieren..
Vielleicht auch nicht. Vielleicht klingelt morgen das Telefon, oder übermorgen, oder überübermorgen, und man teilt mir mit, dass der Transfer früher stattfinden muss.. oder dass keiner von unseren Schätzen überlebt hat. Wer weiß.
Aber zumindest hat BIS JETZT noch niemand angerufen, und das bedeutet wohl, dass zumindest einige der Eierchen noch irgendwie im Rennen sind. Und das ist ja schon mal ein ganz guter Anfang. Und wenn mir auch die Zeit bis Montag irgendwie endlos lang vorkommt, bleibt doch nichts anderes übrig als ruhig zu bleiben und abzuwarten. Stunde für Stunde, Tag für Tag. Eine Hürde haben wir schon mal genommen, alle weiteren nehmen wir dann, wenn sie vor uns auftauchen. Drückt mir ein bisschen die Däumchen, okay? 🙂

Schritt, Atemzug, Besenstrich…

ZT 10: Et kütt wie et kütt…

Tja. Ich habe nicht viel Zeit, aber meine Statistik zeigt, dass einige neugierige Leser da draußen sind ;), also:

Der Ultraschall war für mich etwas ernüchternd. Diesmal habe ich von Anfang an höher dosiert gespritzt (drei Tage 200 IE, dann je 225) und eigentlich war meine Erwartung, dass dabei dann vielleicht auch etwas mehr rausspringen würde als die 8 Eizellen vom letzten Mal.. Denn zum einen hätte ich wirklich gerne was übrig zum Einfrieren (denn bei der kurzen Zeit, die uns bleibt, werden wir vermutlich keine drei Vollversuche schaffen und ich hätte einfach gern ein bisschen was auf der hohen Kante, ein paar Zusatzversuche), zum anderen wollten wir diesmal auch lieber Blastos – denn so wie es aussieht möchte ich mir lieber nur einen Embryo einsetzen lassen und da wäre es mir schon lieb gewesen es mit einer Blastozyste zu versuchen, um die Erfolgschancen noch ein wenig nach oben zu schrauben. Denn es ist leider so, dass wir kein Zwillingsrisiko eingehen wollen.. können.. sollten. Bevor ich das erste Mal schwanger war fand ich Zwillinge toll, und im Grunde finde ich das auch immer noch, aber seien wir ehrlich: das würde in die Hose gehen. Ich habe hier keine Unterstützung, weder von der Familie noch von Freunden, noch von irgendwem und mein Mann ist nun mal eben sehr wenig zuhause. Und Zwillinge UND ein Kleinkind allein zu managen – das traue ich mir nicht zu. Also: mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit gibt es diesmal einen SET. Außer, wenn nur zwei Embryonen übrig blieben.. dann wäre ich doch in Versuchung beide zu nehmen.. Ach, keine Ahnung.
Ich schwoff ab.
Also. Der Ultraschall war ernüchternd. Die Ärztin schallte rechts: ein Follikel mit 16 mm und „jede Menge Kleingemüse, so wird das aber nichts!“. Ja, leider leider wirklich nur Mini-mini-mini-Eier, bei denen keine Hoffnung besteht, dass sie noch aufholen.. Dann schwenkte sie rüber nach links: „Aha. Sie werden eindeutig mit links schwanger!“ Drei weitere Follikel.. kleiner als der große von rechts, aber größer als die ganz kleinen.. Und mehr war nicht drin. Vier Stück. Vier lumpige Eierchen.
Ja, ich weiß. Vier Stück können reichen. Es gibt Frauen, die haben nur eine Eizelle oder zwei und schaffen es auch. Und im Grunde reicht es ja wenn DIE EINE dabei ist. Und, wie die Ärztin so schön sagte: ich werde offenbar leicht schwanger und wenn es schon mal geklappt hat sind die Chancen auch höher, dass es wieder klappt…
Trotzdem bin ich etwas, ein winziges bisschen, traurig. Und mache mir so meine Gedanken. Beim letzten Mal hatten wir 8 Eizellen, aber nur 4 waren reif. 3 ließen sich befruchten. 2 bekam ich zurück. 1 liegt jetzt unten im Bett und plappert selbst noch im Schlaf vor sich hin. Alles in allem eine gute Bilanz. Aber wenn jetzt, in diesem Versuch, wieder nur die Hälfte reif ist? Oder nur drei von vieren? Sich eine oder zwei gar nicht erst befruchten lassen..? Und dann kommt ja die nächste große Hürde: sie müssen sich weiterentwickeln. Und sich einnisten. Wobei: was die Einnistung angeht mache ich mir weniger Gedanken. Denn meine Schleimhaut ist mal wieder super-duper 1++ mit Sternchen. Die bringt wirklich immer und überall die Ärzte zum Schwärmen. 😛 Da wird ja so ein kleines Muckelchen, wenn es denn soweit fit ist, wohl sicher der gleichen Meinung sein und es sich gemütlich machen. (Nur hoffentlich bitte nicht an der Kaiserschnitt-Narbe.)
Jedenfalls: Blastos werden das wohl relativ wahrscheinlich nicht. Und eingefroren wird auch wieder nix. Und das bedeutet, wenn am Ende dieser Chose kein Positiv steht, können wir vielleicht noch eine ICSI machen (natürlich auch wieder ohne Kryos) – und dann ist die Zeit wahrscheinlich um und der Traum ausgeträumt. Das finde ich dann doch plötzlich irgendwie ernüchternd. Aber was will man machen? Es lässt sich nicht ändern. Es ist wie es ist. Es kommt wie es kommt. Jetzt heißt es: Kopf hoch und Arsch in den Sattel. Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht vorbei. Und sie singt noch! Gut, im Moment eher so Adele-bei-den-Grammys-2016-mäßig, aber auch eine Adele darf ja mal nen schlechten Tag haben, also klopfe ich ihr jetzt mal aufmunternd auf die Schulter und schaue nach vorne. Auf Sonntag. Sonntag gibts ein bisschen Brevactid zum späten Abendbrot und Dienstag wird dann punktiert. Alles was da ist. Und dann kann ich ja nochmal ein bisschen zittern, bis wir die Befruchtungsrate erfahren. Und DANACH kehrt dann hoffentlich die alte Lässigkeit zurück (zumindest, wenn noch ein Transfer in Aussicht steht) und ich genieße meine wundervolle Warteschleife. Deal? Deal.

ZT 9: Nur dabei statt mittendrin.

Schon seltsam irgendwie. Seit vergangenem Freitag gibts hier jeden Abend eine ordentliche Portion Flüssighamster. Und neuerdings noch ein leckeres Spritzchen Orgalutran hinterher. (Ich habe darauf bestanden diesmal das kurze Protokoll zu versuchen statt wie beim letzten Mal das lange.. in der Hoffnung, dass wir diesmal ein paar Eierchen mehr ernten können. Aber dazu vielleicht demnächst mehr.) Ich freue mich jeden Abend auf diesen kurzen Moment, aber irgendwie… ist es noch nicht so ganz real. Morgen gehts zum Ultraschall, aber die Vorstellung, dass in ein paar Tagen bereits eine Punktion und noch einige Tage später ein Transfer stattfinden könnte.. und ich dann zwei Wochen später entweder schwanger bin oder der ganze Spaß wahrscheinlich von vorne anfängt.. das ist irgendwie seltsam. Es ist noch nicht so ganz in meinem Kopf angekommen, dass es wirklich passiert und nicht nur so eine Vorstellung ist. Es fühlt sich eher an, als ob das jemand anderem passiert. Einer anderen Frau, der ich zwar ordentlich aus grundsätzlicher Sympathie die Daumen drücke, die ich aber eigentlich gar nicht so wirklich kenne. Es fühlt sich alles ein bisschen kilometerweit entfernt an. Plötzlich womöglich wieder schwanger sein. Die Müdigkeit, dieses wunderbare schwere Gefühl im Bauch, die ersten leisen Bewegungen, die Kugel, die Geburt, die Babyzeit. Kann ich mir irgendwie gerade gar nicht vorstellen. Oder ein Negativ. Eine einsame Linie auf dem Test.. und dann? Werde ich traurig sein? Verzweifelt? Enttäuscht? Können wir sofort weitermachen? Haben wir vielleicht ein paar Kryos (das wäre mein Traum)? Werden wir überhaupt Erfolg haben? Wie wird es mir gehen wenn die fünf Monate verrinnen und ich nicht schwanger werde? Wird es mir den Boden unter den Füßen wegreißen? Oder wird die große Traurigkeit und Enttäuschung erst später kommen? Oder wird es irgendwie okay sein?
Ich sollte, glaube ich, irgendwie aufgeregter sein. Gespannter, angespannter? Neugierig auf morgen, auf alles was danach passiert? Bin ich aber gerade gar nicht. Aus mir nicht bekannten Gründen. Es ist mehr so ein Dämmerzustand, und ich warte darauf, aufzuwachen. Aber eigentlich ist es ja auch ganz nett so. Warten wir mal morgen ab. 🙂

2.0 – Back to the roots.

In unserem Kühlschrank liegt seit heute (bzw. wahrscheinlich eher seit gestern, ich glaube nicht dass ich den Eintrag vor Mitternacht fertig kriege) eine erkleckliche Menge Hamsterhormone. Um deutlicher zu sein: drei hübsch original verpackte Gonal f-Pens. (Und drei Orgalutran-Spritzen, auf die bin ich besonders gespannt.) Ja, – Überraschung! – wir starten in wenigen Tagen in unsere erste Geschwister-ICSI!
„Was?“, wird der ein oder andere geneigte Leser vielleicht denken. „Erst rumheulen, dass die Belastung schon mit einem Kind zu groß ist, und dann noch ein zweites wollen?“ Oder „Was will die Olle? Kriegt sie den Hals nicht voll?“
Ja, kann ich da nur sagen. Und Ja. Ist mir selbst etwas unangenehm, das, aber so ist es. Ich wollte immer schon mindestens zwei Kinder. Und der Gedanke, dass das womöglich irgendwie nicht klappen könnte, zwickt und zwackte mir ganz schön in der Magengegend.

Nun ist der Zeitpunkt zugegeben nicht unbedingt der günstigste. Erstens: ich habe mein Referendariat immer noch nicht abgeschlossen. Und durch die verlängerte Elternzeit wird es auch noch ein Jahr länger dauern. Und wenn ich jetzt schwanger werden sollte und wieder Elternzeit nehmen würde (was ich selbstverständlich täte, weil es anders bei uns nicht funktionieren würde und ich es, davon abgesehen, auch gar nicht anders wollen würde), würde sich das alles natürlich nooooch länger rauszögern und irgendwie ist das nicht so superklasse.
Zweitens: die Haselmaus ist noch sehr klein und der Altersabstand zwischen den Kindern wäre mir, glaube ich, eigentlich zu gering. Denn ich weiß, wie anstrengend Zweijährige wirklich noch sind und dann habe ich mit dem Haselkind auch noch ein Exemplar erwischt, das sehr ungern zurücksteckt, und wenn das zweite Kind dann aber halt noch ein Baby ist, uiuiui….
Damit zusammenhängend Drittens ist die Haselmaus wirklich ein sehr fordernder Charakter, ich habe – Stichwort „Belastung“ – ja auch niemanden, der mir was abnimmt, und sollte Kind 2 dann ebenso ein mamafixiertes, nicht ablegbares, nicht tagschlafendes, dauerstillendes Wesen sein, dann gute Nacht, Marie.
Viertens liebe ich mein Mausekind einfach so über alles, dass ich eigentlich gern noch weiter die Zeit mit ihr allein genießen würde. Ohne mich aufteilen zu müssen.
Fünftens sind natürlich auch die Finanzen – ich verdiene ja jetzt schon nichts und das dann noch länger und mit zusätzlichen Kosten durchs zweite Kind, das ja auch versorgt werden will? – nicht sooo gut.
Und sechstens, und das ist irgendwie schon ein ziemlich doofer Grund, habe ich es so sehr geliebt schwanger zu sein, dass ich mir meine aller Wahrscheinlichkeit nach letzte Schwangerschaft eigentlich gern noch ein wenig „aufheben“ würde.

Jetzt ist es aber so, dass mein Mann diesen Sommer Geburtstag hat. Also,  natürlich hat er jedes Jahr Geburtstag, aber dieses Jahr muss ich eine besonders große Torte backen, um 50 Kerzen plus eine Lebenskerze darauf unterzubringen. 😉 Das wäre jetzt an sich auch eigentlich ja eher ein schöner Anlass und er ist wirklich noch ziemlich jung geblieben und so.. aber wenn man noch Reproduktionspläne hat und zur Ausführung dieser Pläne stark auf ärztliche Hilfe angewiesen ist und es eben wirklich ganz auf jeden Fall wenn überhaupt nur mit künstlicher Befruchtung geht… dann ist das ungünstig. Denn ab dem vollendeten 50. Lebensjahr des Mannes gibts dafür keinen müden Cent mehr von der Krankenkasse. Und das ist dann schon ganz schön doof.
Und hinzukommend überschreite ich dann nebenher auch noch die 35, und da gibts ja dann diesen sehr unschönen Knick in der Kurve, ihr wisst schon, die, die immer auf so Informationsveranstaltungen und so gezeigt wird und besagt, dass die Chance auf eine Schwangerschaft mit dem Alter der Frau sinkt und das Risiko einer Fehlgeburt hingegen deutlich steigt.. Und wenn wir dann noch warten wollen würden, bis ich das Ref abgeschlossen und eine richtige Stelle habe und vielleicht aus dem allerersten Lehrberufsanfängerstress raus bin.. dann wäre ich aller Voraussicht nach 38 oder 39 und unsere Erfolgsaussichten betreffs eines zweiten Kindes gingen dann sehr deutlich gegen Null und da unser erster Versuch die Vermutung nahelegt, dass wir nicht auf Kryo-Versuche hoffen können sondern jedesmal einen neuen Vollversuch starten müssten, und wir müssten den ganzen Sch…mu allein bezahlen.. Nein, ganz ehrlich. Wenn wir noch irgendeine Chance auf weiteren Nachwuchs haben, dann jetzt.

Und genau so sieht das auch unsere Ärztin, die wir kürzlich in unserer alten Kinderwunschklinik aufsuchten. „Überlegen Sie es sich gut“, sagte sie. „Es kommt nie wieder.“
Na klar sagt sie das. Sie will ja Geld mit uns verdienen. Aber Recht hat sie. So ist es.
Und deshalb haben wir nur sehr kurz gefackelt und ziemlich fix zum zweiten Mal den ganzen Papierkram ausgefüllt, den Behandlungsplan an die Krankenkasse geschickt und nach einiger Zeit (ich vermute stark, die wollten Zeit schinden!) die Genehmigung für 3 neue ICSIs im Briefkasten gefunden – allerdings befristet bis Anfang Juli.
Uns bleiben also fünf Monate für drei Versuche. Und weil das nicht besonders viel ist und ich daraus so viel wie möglich mache möchte.. starten wir JETZT. Beziehungsweise mit  dem neuen Zyklus in wenigen Tagen. 🙂
Die Flüssighamster liegen also nun im Kühlschrank und warten auf ZT3 und ihren damit verbundenen ersten Einsatz. Ich bin schon gespannt wie ein Flitzebogen und freue mich – trotz aller oben geäußerter Bedenken – wahnsinnig darauf, mich wieder täglich mit spitzen Gegenständen zu pieksen und für einen fünf Minuten dauernden Ultraschall 120 km zu fahren. (Manchmal muss ich vor lauter Vorfreude die Mappe mit den Behandlungsunterlagen streicheln, es geht nicht anders.)
Natürlich ist nicht gesagt, dass auch diesmal der erste Schuss ein Treffer wird – auch wenn unsere Ärztin das für sehr wahrscheinlich hält. Ich bin da eher realistisch und sage: wir hatten beim letzten Mal einfach wahnwitziges Glück, so ein Glück hat kein Mensch zweimal hintereinander. Und das wäre auch okay. Wir haben ja fünf Monate. Und wenn es in diesen fünf Monaten gar nicht klappen sollte – was, wenn man ehrlich sein möchte, ja durchaus der Fall sein kann -, dann.. ja, dann ist es wahrscheinlich einfach so. Ich glaube zwar nicht, dass ich damit gleich super klar käme, aber zumindest wüsste ich, dass wir es versucht haben.
Jedenfalls: es geht looo-hooos! Bald. Sehr, sehr bald.
Aber wenn ich ehrlich bin, weiß ich noch nicht so genau, wie viel davon sich hier im Blog niederschlagen wird.
Nicht, weil ich nicht wahnsinnig gern darüber bloggen würde (so, wie ich ebenso wahnsinnig gern über tausend andere Dinge auch schreiben würde), sondern einfach weil ich nicht weiß, ob ich die Zeit und Ruhe dazu finde.
Ich kann also nichts versprechen. Höchstens das: über den Ausgang werde ich selbstverständlich berichten. Zeitnah. Hoffe ich. 😉

So, und jetzt zeigt die Uhr mir 00:06 Uhr an und das bedeutet, dass ich noch so etwa 6 Stunden Schlaf bekommen werde. Und das bedeutet, ich falle jetzt ins Bett und versuche mal für eine hinreichend lange Zeit unaufgeregt genug zu sein um einzuschlafen. 🙂

Zeitreise: ein Jahr Haselkind.

Heute (beziehungsweise gestern – es ist bereits wieder nach Mitternacht) vor einem Jahr war Transfer. Das war der Tag, an dem unser kleines Haselkind tatsächlich zu uns kam – und blieb. Kaum zu fassen, dass sie die ersten Tage ihrer Existenz „außer Haus“ verbracht hatte. Als kleiner Achtzeller kam sie zu mir, so winzig und doch so besonders, eine Schatztruhe der Möglichkeiten.
Und vorhin saß ich mit einem mittlerweile gut sechs Kilo schweren Bündel im Arm im Schlafzimmer, blickte auf dieses nun so vertraute Gesicht hinunter und versuchte mich an jenen Tag zurückzudenken. Wie seltsam, dass das nun ein Jahr her sein soll! Und zugleich ist es, als wären seitdem Jahrzehnte vergangen. Als ich am 7. Januar 2014 ins Bett ging, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, ein Jahr später ein echtes, lebendes, atmendes Kind im Arm zu halten und wie es sich anfühlen würde. Gewünscht und gehofft habe ich es, aber es war doch unendlich fern. Und nun ist es Realität – manchmal kann ich es nach wie vor kaum glauben.
Da saß ich vorhin mit unserem Kind, unserer Tochter und flüsterte ihr einmal mehr zu, wie glücklich ich bin, sie haben zu dürfen.. und sie schaute mich lange ruhig und ernst aus ihren dunkelgrauen Augen an, als verstünde sie jedes einzelne Wort…
Vor einem Jahr trat sie das erste Mal in mein Leben, und seitdem ist so unglaublich viel geschehen. Wer weiß: vielleicht werde ich ihr irgendwann, in zehn, zwanzig, dreißig Jahren, an einem 7. Januar davon erzählen.

Fast den Jahrestag vergessen.

Heute vor einem Jahr haben wir mit der Stimulation begonnen. Da habe ich mir vormittags im Auto auf einem (fast ganz) verlassenen Parkplatz die ersten Einheiten Gonal gespritzt. Werde ich, glaube ich, immer in Erinnerung behalten, diese erste Spritze. 😛
Nie hätte ich geglaubt, dass ich ein Jahr später tatsächlich mit einem fast drei Monate alten, wunderschönen Babymädchen im Arm da sitzen würde. Ich habe dieser ersten ICSI keine hohen Erfolgschancen eingeräumt. Da habe ich mich wohl schwer getäuscht.
Aber auch heute noch kann ich es kaum glauben. Es gibt Tage, da rechne ich immer noch damit, von einem plötzlich klingelnden Wecker unsanft aus diesem wunderschönen Traum gerissen zu werden. Aber ich hoffe sehr, dass ich noch eine ganze Weile weiter träumen darf. Es  ist so schön.