Zwei.

Mein liebes Haselmädchen..
es ist ganz seltsam für mich, dass heute bereits wieder dein Geburtstag sein soll. Umso mehr, weil ich heute ähnlich rund bin wie ich es unmittelbar vor deiner Geburt vor zwei Jahren war und diese Zeit damals mir plötzlich wieder so unglaublich nah ist.. Ich muss mich in manchen ruhigen Minuten daran erinnern, dass es nicht du bist, die da in meinem Bauch herumfuhrwerkt, sondern dein Geschwisterchen.
Auch dieses zweite Jahr mit dir ist im Nu verflogen wie das erste – ja, fast noch schneller. Wir haben so viel erlebt, du bist so sehr gewachsen, und doch kann ich kaum glauben, dass ein ganzes Jahr vergangen sein soll seit deinem ersten Geburtstag und zwei seitdem du in meinem Bauch warst..

Ich weiß noch, wie ich mir anfangs, in der ersten Zeit mit dir, so intensiv gewünscht habe, du mögest bitte nicht altern, nicht wachsen, dich  nicht verändern, für immer das Baby bleiben, das du in dem Moment warst. Und jeden Tag wieder war ich überrascht, dass es NOCH schöner und noch wunderbarer mit dir wurde, und jeden Tag konnte ich mir aufs Neue nicht vorstellen, dass es dafür noch eine Steigerung geben sollte.. aber es war so und es ist so, und nun bin ich so froh und dankbar dass du meinem Wunsch nicht gefolgt bist, denn was hätte ich nicht alles verpasst! Du warst ein sehr süßes Baby, aber du bist ein noch wunderbareres Kleinkind geworden, und ich wundere und freue mich weiterhin jeden Tag wieder über dich und dein Wachsen. Mit jedem Tag lerne ich dich weiter und besser kennen, kristallisiert sich dein Charakter weiter heraus und eignest du dir neue Dinge an. Und es fühlt sich so wunderbar an, dich dabei begleiten zu können.
Ja, natürlich ist es fordernd und anstrengend. So anstrengend und fordernd wie es eben ist, wenn man 12-13 Stunden am Tag allein für einen andern Menschen verantwortlich ist, der für so viele Dinge noch Hilfe braucht, aber sehr wohl schon einen ganz eigenen Kopf, eigene Wünsche und Vorstellungen hat. ABER es ist auch bereichernd, es ist lustig, verrückt und unglaublich erfüllend mit dir. Und jedes Mal, wenn du dich plötzlich aus heiterem Himmel lachend in meine Arme wirfst und deine Ärmchen um mich legst, wenn du mich ansiehst mit diesen Augen, die so viel älter sind als du und aus denen plötzlich alles Glück und eine tiefe, weise Liebe strahlt, habe ich das Gefühl es kaum fassen zu können, was mir mit dir geschenkt wurde. Auch jetzt, nach zwei Jahren, schaue ich dich täglich wohl zwanzigmal an und kann es kaum glauben, dass du da bist, dass du du bist, dass du in mir gewachsen sein sollst und dass dafür nicht mehr nötig war als zwei winzig kleine Zellen und ein wenig Geduld und Glück. (Streng genommen waren dafür auch diverse Hormonspritzen, medizinisches Gerät und ein ganzes Team an medizinischem Personal und Biologen nötig, aber auch das erscheint wenig, wenn man das Ergebnis bedenkt.)  Und oft, so oft, sitze ich nur versonnen da und schaue dir zu wie du spielst und erzählst und herum hüpfst und lachst und spüre einfach nur dieses Leuchten und die Wärme, die dein Dasein in mir hervor ruft. Ich bin so froh. Du hast mir so gefehlt. So sehr, so sehr! Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann sitze ich fast genauso oft da und schaue dir zu und fühle eine furchtbare, klamme, eiskalte Furcht, dass ich dich wieder verlieren könne, dass dich etwas aus meinem Leben reißt, dass irgendein grausames Ereignis, ein Unfall, eine Krankheit, dich mir wieder nehmen könnte, für immer, und allein schon der Gedanke ist so furchtbar, dass mir die Tränen in die Augen steigen. Vielleicht war ich zu lange ein unglücklicher Mensch um jetzt dem Schicksal noch trauen zu können. Und deshalb sage ich dir oft, dass ich dich lieb habe, deshalb kann ich dir nie böse sein, deshalb kann nichts was du tust mich so nerven oder ärgern dass ich mein Glück vergesse.

Du bist das Geschenk aller Geschenke
Seit ich dich kenne
Trag ich Glück im Blick

(H.Grönemeyer)

Mein liebes Haselmädchen, heute bist du zwei Jahre alt. Und ich bin dankbar für jeden Tag, jede Stunde, jeden Augenblick dieser zwei Jahre, ich bin dankbar und froh deine Mutter sein zu dürfen, und ich liebe dich von ganzem Herzen für alles was du bist. Und auch wenn sich hier in naher Zukunft einiges ändern und wahrscheinlich komplett auf links drehen wird: DAS bleibt.

Deine Mama,
die sich dieses Jahr leider dadurch ausgezeichnet hat, dass sie deinen Geburtstagskuchen im Ofen verkohlen ließ. Ich gelobe Besserung.

30+0: Sie nähern sich dem Ziel.

Heute ist wieder so ein Meilenstein-Tag. 30+0  – das bedeutet, Dreiviertel der Zeit zum ET sind schon verstrichen. Übrig bleiben so circa 10 lumpige Wochen (oder, falls ich übertrage, was durchaus in meinem Sinne wäre, vielleicht auch 11), 70 Tage, vielleicht auch weniger. Ja, gut, 10 Wochen, das klingt eigentlich noch recht viel, aber ich weiß: das ist verdammt wenig und schwuppdiwupp ist der Zauber vorbei.. Und dann war es das mit dem Schwangersein, wahrscheinlich für immer. (Hatte ich eigentlich erzählt, dass wir tatsächlich noch ne Kryo machen könnten? Von unseren Eierchen haben es zwei zu Blastos geschafft und da wir ja einen Einzeltransfer wollten, wurde Nummer 2 dann eingefroren. Ich habe auch letzte Tage brav das Geld für das nächste halbe Jahr Lagerung überwiesen, dabei ist es eigentlich völliger Quatsch, denn wann sollte ich bitte dieses Kind noch bekommen, wenn es denn überhaupt bliebe? Aber ich mag mich von diesem Traum noch nicht trennen.)
10 Wochen also noch. Einerseits bin ich ehrlich gesagt dankbar für jeden Tag, den das Häschen „fertiger“ ist, denn man weiß ja nie was passiert.. Andererseits bin ich wehmütig und traurig , weil ich eben weiß, dass sich mit jedem Tag dieser besondere Lebensabschnitt weiter dem Ende nähert. Gleichzeitig bin ich aber auch glücklich über jeden Tag, den ich fit bin und mich ganz normal weiter um die Haselmaus und alles andere (was auch immer das sein mag, haha) kümmern kann. Ich habe schon etwas Respekt vor dem, was da die nächsten Wochen möglicherweise noch auf mich zu kommt. Denn ich merke schon, dass diese Schwangerschaft – obwohl ich körperlich wirklich bislang bis auf gelegentliche leichte Rückenschmerzen und einen recht häufig harten und schmerzenden Bauch  ziemlich unversehrt geblieben bin – langsam deutlich beschwerlicher wird als die erste. Wen wundert es. Beim letzten Mal musste ich mich nur um mich und meinen Bauch kümmern, jetzt ist da ein bald zweijähriges Kleinkind, das doch recht oft gehoben, herumgeschleppt, eingefangen und bespaßt werden will. Ich kann nicht mehr einfach, wenn es mir mal nicht so gut geht und ich müde bin, den ganzen Tag faul auf dem Sofa herum liegen.  Ich muss mich öfter bücken, schwerer tragen, beweglicher sein. Und dabei ist der Bauch irgendwie doch deutlich größer dieses Mal. (Vorhin habe ich einen Umfang von 114 cm gemessen – in der ersten Schwangerschaft hatte ich in der 40. Woche 118 cm.) ..obwohl ich fairerweise sagen muss, auch diesmal empfinde ich ihn gar nicht als so groß, sogar eher noch weniger. Gefühlt ist er eigentlich gar nicht da. Wenn ich ihn nicht gelegentlich im Spiegel sehen würde, würde ich ihn wahrscheinlich noch häufiger vergessen. Aber ich merke, dass ich doch irgendwie schwerfälliger geworden bin, schneller müde werde, die Haselmaus nur noch kurze Strecken tragen kann. Und das ist unangenehm und frustrierend und lästig und wird wohl in den kommenden zwei Monaten wohl eher noch schlimmer denn besser werden. Vorhin hab ich mich tatsächlich dabei erwischt, dass ich gewatschelt bin. GEWATSCHELT! ICH! Wie eine überfütterte Ente. Furchtbar. Das passiert mir so schnell nicht wieder! …hoffe ich.
Dem Haselhäschen scheint es jedenfalls ganz gut zu gehen. Seit ein paar Tagen – eigentlich direkt nachdem mir sämtliche Schwangerschafts-Apps das Gegenteil voraussagten – spüre ich es deutlich öfter. Wird wohl langsam eng da drin. Tritte und Knüffe bekomme ich eher wenige (was für ein friedfertiges Kind!), aber es schiebt und drückt an den Wänden herum dass es eine Freude ist. Zugegeben, es fühlt sich schon öfter etwas unangenehm, fast schmerzhaft an, aber nach der bisherigen gespenstischen Zurückhaltung kann und will ich daran nicht herum nörgeln. Und immerhin vertrimmt es nicht wie seine Schwester die Matratze, wenn ich im Bett liege. Vorhin hatte ich das schlafende Haselmädchen auf dem Schoß, ihr Händchen lag friedlich auf meinem Bauch und das Haselhäschen drückte und stocherte und stupste von unten dagegen, das war irgendwie schön.❤
Nächsten Montag fahren wir aller Wahrscheinlichkeit nach in die von mir angepeilte Klinik und gucken uns da mal um, einen Termin zur Geburtsanmeldung werde ich jetzt auch schon mal abmachen (und schlimmstenfalls dann wieder canceln). In zwei Wochen ist auch wieder Vorsorge, da bin ich mal sehr gespannt ob das BEL-Problem sich bis dahin erledigt hat oder nicht (bis jetzt würde ich sagen: nö). Und dann fiel mir letzte Tage ein, dass ich ja dann irgendwie auch schon bald mal DIE TASCHE packen sollte. Uuuhhh. Beim letzten Mal hab ich das ja lange aufgeschoben, diesmal hab ich so das Gefühl, ich sollte damit vielleicht sicherheitshalber nicht ganz so lange warten. Vielleicht deshalb, weil der GMH bei der letzten Untersuchung laut Mutterpass noch 3,6 cm maß – bei der Haselmaus war er selbst unter der Geburt noch bei fast 5 cm. 3,6 ist jetzt nicht kritisch, beängstigend oder sonstwie besonders, und ich glaube auch nicht, dass es das in den nächsten ich sage mal acht Wochen noch wird, aber es könnte eben durchaus auch sein, dass wir diesmal nicht erst in der 40. Woche ins Krankenhaus fahren, sondern vielleicht doch früher. Und dann greift selbst so ein unorganisierter Mensch wie ich lieber zur fast fertig gepackten Tasche statt auf die Schnell noch alles zusammensuchen zu müssen.  …obwohl ich auch diesmal vorhabe, mit leichtem Gepäck zu reisen. Der Traum von der ambulanten Entbindung stirbt nämlich zuletzt. Hah. Klamotten fürs Kind, ein bis zwei Klamotten für mich, Zahnbürste, Deo, Bürste, Papiere, fertig. Ach ja und Taschentücher. Damit ich nach einer wunderschönen, komplikationslosen, spontanen Geburt Tränen der Freude, Erleichterung und Rührung vergießen kann, ohne mein frisch geschlüpftes Kind dabei voll zu schnoddern. Wisster Bescheid.🙂

28+1: Wie man es spannend macht.

Gestern war der dritte große Ultraschall. Und um es kurz zu halten: wieder wollte Herr oder Frau Häschen nicht viel damit zu tun haben. Vermessen ließ er/sie sich gezwungenermaßen, dann war es aber auch schon gut. Ich hoffte ja auf ein schönes Foto, aber nein. Leider ist es wohl in zwei Schwangerschaften nicht möglich auch nur ein einziges ansehnliches Ultraschallbild zu bekommen 😜 Aber ich verlasse mich mal drauf dass das fertige Kind sich, wenn es dann draußen ist, mal anschauen lässt. Es ist jedenfalls – soweit man das per Ultraschall eben beurteilen kann – zeitgemäß entwickelt und gesund. Und das ist ja das Wichtigste. ❤ 

Füße hatte es – wie seine Schwester vor ihm schon – im Gesicht, liegt also im Klappmesser. Und zwar Beckenendlage. Gut, das kann sich natürlich (hoffentlich) noch ändern, ein paar Wochen haben wir ja (auch hier: hoffentlich!) noch. Ich wurde trotzdem schon mal sozusagen prophylaktisch gewarnt, dass es – falls nicht – wahrscheinlich dann wieder eine Schnittentbindung wird. Seufz. Bitte nicht. Also wenn es nach mir geht versuche ich es trotzdem spontan, aber ich weiß nicht wie realistisch es ist, dass man mich das nach vorangegangenem Kaiserschnitt überhaupt lässt..Zum Glück gibt’s hier in relativer Nähe eine Klinik, die oft spontane BEL-Geburten macht, da werde ich dann mal mein Glück versuchen. Ich wollte da eh gerne hin, da die auch Bonding im OP anbieten und ich diesmal lieber vorbeugend davon ausgehe dass ich es brauchen könnte.. 

Tja, und dann war da ja immer noch die Frage nach dem Geschlecht unseres Nesthäschens… Die Ärztin hat sich wirklich Mühe gegeben. Erst konnte man gar nichts erkennen. Dann hielten wir beide inne und schauten konzentriert auf den Bildschirm. „Also es ist nicht eindeutig, aber ich würde sagen da ist zu viel für ein Mädchen“ sinnierte sie dann. Ich nickte. Genau das hatte ich auch gedacht. Ein Junge also. Unser Sohn. Wow. Ein bisschen seltsam, das Gefühl (nachdem beim letzten Mal die Tendenz eher Richtung Mädchen ging), aber schön! „Aber es ist wirklich nicht gut zu erkennen“ sagte sie, ruckelte und schob noch ein wenig herum, vor, zurück, wieder vor.. Hmm, dachte ich. „Also das sieht mir jetzt doch eher nach Mädchen aus“, sprach sie meine Gedanken laut aus. Aber da war der Moment auch schon wieder vorbei und wir so schlau wie vorher. 

Wir ließen es dann dabei bewenden. Was soll’s. Gefühlt alle anderen Schwangeren wissen spätestens in der 20. Woche Bescheid, ich eben nicht. Mein Baby ist ein Geheimniskrämer. Da das der letzte reguläre Ultraschall war, wird es sein Geheimnis womöglich bis November bewahren, denn ich weiß im Moment nicht, ob ich einen zusätzlichen Schall möchte, wenn man dann eh wieder nichts sieht. Grundsätzlich finde ich den Gedanken mich überraschen zu lassen eigentlich auch ganz reizvoll, aber ich hätte die Entscheidung lieber freiwillig getroffen. 😜 Zum Glück bin ich eh nicht so der Rosa-oder-Blau-Typ, das Häschen kann für den Anfang genug nicht rosafarbene Klamotten seiner Schwester auftragen und es muss eh nicht großartig viel angeschafft werden, also ist es ja eigentlich auch wurscht. Wenn ich nur nicht so neugierig wäre! Und ein ganz kleines bisschen schade finde ich es auch in Bezug auf die Haselmaus. Ich fände es schöner, nicht immer nur völlig abstrakt von „dem Baby“ zu reden, sondern von „deiner Schwester, xy“ oder „deinem Bruder z“, das würde es vielleicht etwas greifbarer für sie machen und ihr helfen eine Beziehung aufzubauen, oder..? Aber da sie sich bislang eh nur mäßig für das Thema interessiert macht es vermutlich auch keinen Unterschied.:/

Jetzt sind es jedenfalls wieder vier Wochen bis zum nächsten Arzttermin und ab dann geht es schon im zweiwöchigen Rhythmus weiter, unglaublich. Keine 12 Wochen mehr zum ET und zum Ende meiner vermutlich letzten Schwangerschaft.. ich fühle mich jetzt schon ein wenig wehmütig. Aber ich freue mich gleichzeitig darauf, dieses winzige Hasenkind dann im Arm zu halten, auf’s Stillen, auf’s Tragen, auf die unsagbar kleinen rudernden Fäustchen… Und hey, es bleibt echt spannend! Wird es ein Junge, wird es ein Mädchen? Beides? 😜 (An dieser Stelle mal ein spontaner Literaturtipp: „Middlesex“ von Jeffrey Eugenides, ein wie ich finde großartiger Roman) Werde ich noch eine spontane Geburt erleben dürfen oder gibt es diesmal einen geplanten Kaiserschnitt? Wird unser Kind ein Gesicht haben? 

Lassen wir es auf uns zukommen! 

Die erste Nacht

allein liegt hinter uns. Die Haselmaus schlief nebenan (leider getrennt von uns durch eine Wand und ein Durchgangszimmer) in ihrem neuen großen Bett und ich – bzw mein Mann und ich – ohne sie neben mir..

Ich weiß, viele Kinder in dem Alter schlafen schon lange alleine in ihrem Zimmer, aber es gab für uns einfach keinen Grund, sie umzuquartieren. Ich habe sie immer gern im Beistellbett neben mir gehabt.
Aber in absehbarer Zeit gibt es hier einen neuen Bewerber für eben dieses Beistellbett, der meine Nähe dann dringender (und nachts vermutlich wesentlich öfter) benötigen wird, und deshalb wird es jetzt leider, leider Zeit, unser großes Mädchen an ihr eigenes Zimmer zu gewöhnen.
Eigentlich bin ich ja eher so der Familienbetttyp, aber so richtig Familienbett soll man ja nicht, wenn ein Elternteil raucht (wovon mein Mann sich ja in diesem Leben nicht mehr abbringen lassen wird, seufz), und es ist halt leider Gottes nicht genug Platz im Schlafzimmer, um Beistellbett UND Kinderbett unterzubringen.😦
Nun haben wir der Haselmaus also ein neues (größeres) Bett besorgt und es in ihrem Zimmer aufgebaut, und sie fand das auch direkt spannend und toll („super tolles Bett!“ – Originalton!😀 ), und gestern (bzw. vorgestern, ist ja schon wieder nach Mitternacht, halleluja) ist sie dann auch dort eingeschlafen und hat sich den Rest der Nacht nicht mehr gemeldet.
Ich hingegen, tja.. Mir fiel es schwer, das muss ich leider zugeben. Fast zwei Jahre lang war ihr Gesicht das letzte, was ich sah, bevor ich nachts die Augen schloss, und wenn ich wach wurde, schaltete ich oft genug für einen Moment das Nachtlicht an um ihr einen Moment beim Schlafen zuzusehen. Oder ich strich ihr im Dunkeln einmal sachte durchs Haar, hielt für ein paar Minuten ihre kleine Hand oder lauschte einfach ihrem ruhigen Atem. Manchmal kam sie nachts, häufiger aber am frühen Morgen zu mir herüber gekrochen um sich in meinen Arm zu kuscheln und dort selig weiter zu schlafen. Und das habe ich so, so sehr geliebt. Nie hat etwas auf dieser Welt für mich so viel Vertrauen und Wärme ausgestrahlt wie dieser kleine Kinderkörper in meinem Arm, der Anblick dieses kleinen, reinen, so entspannten Gesichts direkt neben meinem, und nichts war so schön wie dieser Moment, wenn sich plötzlich die großen blauen Augen öffnen, genau in meine blicken und ein Strahlen aus ihrer Tiefe aufsteigt, in dem alle Geborgenheit und Liebe dieser Welt versammelt ist.
Morgens aufzuwachen und neben mir nur die leere Matratze und die kahlen weißen Gitterstäbe zu sehen, das war hart. Nicht von ihrer Stimme geweckt zu werden: seltsam. Das Babyphone war stumm, ich schlich hinüber ins Kinderzimmer, um nach ihr zu sehen – und da saß sie schon im Bett und sprang in dem Moment auf, in dem ich die Tür öffnete.

Heute nun schläft sie doch wieder im Schlafzimmer, im Beistellbett, neben mir. Sie wollte einfach nicht im Kinderzimmer schlafen, stand immer wieder auf und lief zur Tür, wiederholte wieder und wieder, dass sie ins Schlafzimmer wolle. Und da ist sie dann auch eingeschlafen, in meinem Arm, so wie sonst immer. Mein Mann findet das nicht so gut, er denkt wohl so wird das nie was mit dem Ausquartieren.. Ich hingegen möchte nicht, dass sie unter Zwang alleine schläft, sich ungewollt oder ausgegrenzt fühlt. Sie soll zufrieden und entspannt einschlafen dürfen, sich wohlfühlen und ihr Bett als einen Ort der Geborgenheit sehen. Dann wechseln wir eben noch ein paar Mal zwischen den Zimmer hin und her. Dann dauert es eben ein paar Wochen. Und wenn es überhaupt nicht geht mit dem alleine Schlafen, dann wird sich auch eine Lösung finden. Aber nach nur einer, bzw. zwei Nächten ist es sowieso noch viel zu früh, die Flinte ins Korn zu werfen. Es wird sich alles finden. Jetzt jedenfalls werde ich ins Bett krabbeln und zumindest heute noch einmal das Gefühl genießen, meine drei Lieblingsmenschen im Schlaf ganz nah bei mir zu wissen: einer auf meiner rechten Seite, einer auf meiner linken, und einer in meinem Bauch.❤

25+6: noch 99 Tage

…bis zum errechneten ET. Ich bin also auf einmal wieder ein Uhu! 😱 Noch Pi mal Daumen 3 Monate, dann ist auch diese Schwangerschaft Geschichte.. und dabei hat sie gefühlt erst gerade eben begonnen. Das dritte Trimenon steht praktisch schon vor der Tür und ich stehe da und hab noch nicht mal den positiven Test so richtig verpackt.. 

Vielleicht auch deshalb weil das Haselhäschen sich nach wie vor ziemlich rar macht. Die letzten Wochen gab es täglich einen gut gezielten Tritt – und sonst war gespenstische Ruhe im Bauch, was mich an manchen Tagen wirklich verrückt macht. Machte. Seit gestern gibt es auch tagsüber immer mal wieder einen sachten Knuff, das tut gut. Mal gucken wie sich das entwickelt. Ein bisschen mehr Randale fände ich schon schön (ja ja, ich weiß: careful what you wish for :roll:), aber ich tröste mich mit dem Gedanken, dass ich vielleicht einfach ein sehr ruhiges und zufriedenes Baby bekomme, was vielleicht nicht das Schlechteste wäre, wenn ich mir meine Tage mit der Haselmaus so angucke.. 

Der Grund weshalb ich um diese Uhrzeit (es ist aktuell kurz nach 9) überhaupt bloggen kann, ist der, dass ich gerade im Wartezimmer meiner neuen FÄ sitze. Ich wurde leider noch mal zum großen Zuckertest einbestellt, weil der kleine nicht optimal war. Dadurch habe ich aber jetzt ein paar Stunden „kinderfrei“, denn die Haselmaus wurde vorhin von der Oma entführt, was die Sache für alle Beteiligten einfacher macht.🙂 Und jetzt sitze ich hier, gähne ein bisschen vor mich hin, kämpfe gegen eine leichte Übelkeit und ergehe mich in Wunschträumen von großformatigen Mett- und Schinkenbrötchen.. dann kann ich auch bloggen, auch wenn ich das ehrlich gesagt übers Handy echt lästig finde. 

Viel zu erzählen gibt es sonst aber eigentlich nicht. Vielleicht, dass wir jetzt plötzlich schon August haben, was wiederum bedeutet, dass schon bald September sein wird und somit der zweite Mausegeburtstag rasant näher rückt.. Es ist wirklich unglaublich, dass dieses Kind nun wirklich schon bald 2 Jahre alt sein soll! In letzter Zeit denke ich aber auch oft, dass man es irgendwie sieht.. also, dass sie irgendwie größer („erwachsener“ klingt irgendwie seltsam) geworden ist. Die letzten Reste Babyhaftigkeit fallen nach und nach ab, sie ist so ein lebhaftes, aktives und selbständiges Persönchen mit einer unglaublichen Energie und Fantasie und tausend eigenen Ideen geworden, so frech und wild und wunderbar.. Auch wenn ich derzeit oft das Gefühl habe mit meinen Kräften am Limit zu sein, ich gucke wohl 20mal am Tag mein Kind an und denke, wie krass und schön und erfüllend das alles ist, und was für ein unbegreifliches Wunder. Dass entgegen aller Hindernisse und Ängste dieser kleine Mensch in mir gewachsen ist und sich dann so rasant von einem hilflosen Bündel zu so einem klugen, ideensprühenden, ständig sich selbst übertreffenden Charakter entwickelt hat und das immer so weiter geht.. Die Zeit mit ihr ist der Wahnsinn und das schönste Geschenk das ich je bekommen habe. Dass es auch anstrengend, ja manchmal auch auslaugend ist, darf man nicht leugnen, aber die schönen Seiten überwiegen für mich deutlich – umso mehr als ich weiß, dass das hier nicht selbstverständlich ist. Und ja, schwanger zu sein und trotzdem den ganzen Tag ein Kleinkind allein zu betreuen geht teilweise echt an die Substanz, aber ich habe mir das selbst so ausgesucht, darf also eigentlich nicht jammern.. Ich mache mir auch wenig Illusionen wie das so werden wird mit Baby und Kleinkind – bestimmt nicht entspannt und easy – aber ich freue mich trotzdem darauf, auch wenn ich mich öfter frage ob ich eigentlich total gaga bin mich darauf eingelassen zu haben.. 

Hätte man mich vor zehn Jahren gefragt, ich hätte niemals geglaubt dass mein Leben einmal so bombastisch werden würde, so voller Überraschungen und wunderschöner Momente. 

So. Genug geschwafelt. Ich muss mich jetzt dringend noch mal pieksen lassen.😉

„Die schwarze Katze mögt das gerne nicht“ – Spracherwerb 21 Monate

Diesen Beitrag habe ich Ende Juni begonnen, aber aus Zeitmangel nicht fertig geschrieben. Ich veröffentliche ihn jetzt eben einen Monat später, sehr viel getan hat sich in den letzten Wochen eigentlich eh nicht🙂

„Die schwarze Katze mögt das gerne nicht“, „Schwarze Katze darf nicht Stuhl sitzen!“ – solche ausgefeilten Sätze hören wir zunehmend häufiger von dir. Jeden Tag wieder schaue ich verblüfft und überlege, ob das gerade wirklich so aus deinem Mund kam und wie das eigentlich kommt..
Spracherwerb ist ja DAS Thema, was mich entwicklungstechnisch am meisten interessiert (und ich ärgere mich jetzt umso mehr, dass ich im Studium kein Seminar dazu besuchen konnte), und ausgerechnet in diesem Bereich bist du eine richtige Rakete.❤ Ich finde das so spannend, ich könnte eigentlich täglich einen Blogbeitrag dazu verfassen – aber erstens komme ich nicht dazu und zweitens würde ich damit wahrscheinlich jeden anderen zu Tode langweilen. Aber wenigstens jetzt – du bist 21 Monate –  nehme ich mir das mal heraus und schreibe einfach alles auf was mir dazu auf- und einfällt. Ich weiß, jetzt ist es viel, was du kannst, aber das wird sich im Laufe der Jahre relativieren und irgendwann sprechen alle Kinder eigentlich so ziemlich gleich gut und es passiert nicht mehr viel Neues, dann gibt es auch nichts mehr in dieser Kategorie zu berichten, es sei denn vielleicht aus der Kategorie „Kindermund“..😉

Du warst sechs Monate alt, als du anfingst „Mama“ zu mir zu sagen. Ich habe das nie so richtig gewürdigt. Egal, wo ich nachlas, überall stand eindeutig: Kinder in dem Alter können nicht gezielt „Mama“ sagen, das passiert zufällig. Ungerichtet. Ich wollte mir da nichts einbilden, daher habe ich das auch so geglaubt. Dabei hast du, wenn du es sagtest, immer nur mich angesehen, das hätte mir zu denken geben sollen.. und einen Monat später konntest du auch „Papa“ sagen und hast das ebenfalls nur beim Anblick deines Vaters getan.. Aber was „ungerichtet“ bedeutet, das habe ich erst über ein halbes Jahr später bei anderen Kindern beobachtet.
Im Nachhinein bin ich etwas traurig, dass ich diesen kostbaren Moment – das erste „Mama“ – nicht als das wahrgenommen habe, was es war. Seitdem denke ich in Bezug auf Literatur, Spracherwerb und dich: nimm nicht alles so hin, was da geschrieben steht.
Da steht nämlich auch, dass Kinder erst mit etwa (ich glaube) drei Jahren anfangen, Artikel zu verwenden. Ja, ha. Das tust DU aber eigentlich schon seit.. so ziemlich von Anfang an. Die unbestimmten Artikel („ein“, „eine“) waren zwischenzeitlich mal für eine Weile verschwunden, jetzt sind sie wieder da. Aber „der“, „die“, „das“ – das konntest du gleich mit den ersten richtigen Wörtern. Nicht immer verwendest du das korrekte Geschlecht, aber hey, das zeigt mir eigentlich nur, dass du nicht einfach nur etwas nachplapperst, sondern tatsächlich grammatischen Regeln folgst – auch wenn die sich noch nicht in aller Vollständigkeit in deinem Kopf gebildet haben.
Und du flektierst. Zunehmend.
Mit der Pluralbildung hat das angefangen, da warst du knapp 18 Monate. Von vielen Wörtern kennst du bereits die korrekte Mehrzahl (beim Schwimmen zeigtest du tatsächlich in der Umkleide auf die dort liegenden Wickelunterlagen und sagtest: „Da, Betten!“ …. ich bin mir sehr sicher, in deiner Gegenwart dieses Wort nie verwendet zu haben, aber mit Sicherheit hast du es irgendwo aufgeschnappt), wo du sie nicht weißt, bildest du sie nach eigenem Gutdünken (meistens per Plural-S).
Mit 13 Monaten begannst du, Gegenständen einzelnen Personen zuzuschreiben (Mama, Papa, Oma,…), seit einiger Zeit tust du das nun auch – wenn du willst – im Genitiv: „Papas Stuhl“, „Mamas Pulli“, „[Haselmausens] Puppe“. Manches ist dann aber eben auch „der Papa-Stuhl“ oder „die Oma-Jacke“.😀
Immer öfter verlangst du nicht mehr „ein Keks haben“, sondern „einEN Keks haben“, und auch die Adjektive (von denen du für dein Alter ECHT viele kennst, Hut ab!) passt du wirklich schon ausgesprochen oft korrekt in Geschlecht und Zahl an.
Und ganz besonders auffällig ist es bei den Verben: bis vor kurzem hast du noch ganz typisch jederzeit den Infinitiv verwendet, und das tust du auch nach wie vor recht häufig, wenn du keine vollständigen Sätze bildest, meist wenn du Wünsche äußerst, was du tun möchtest. „Draußen rumlaufen“, „Mama-Stuhl sitzen“, „Joghurt essen“, usw. Aber immer öfter – in den letzten Tagen wirklich überraschend oft – bildest du auch andere Formen. „Mama näht noch“ sagst du dann, oder „die Katze isst“ oder „da kommt Papa“ oder „Mama liest ein Buch“. Oder morgens, wenn du darauf bestehst dich selber zu waschen und im Stehen versuchst den feuchten Waschlappen auf deinem Bauch abzulegen, stellst du jedes Mal wieder erstaunt fest: „Hält nicht!“
Und du sprichst tatsächlich immer häufiger auch in der Vergangenheit! Da erzählst du mir zum Beispiel, dass du „mit Oma schaukeln wesen“ bist, oder „Katze Ball runter worfen hat“. Oder, der Dauerbrenner im Moment, irgendjemand „wollte [xy] nicht!“ (Besonders gerne weckst du mich morgens mit dem Satz: „Mama wollte nicht schlafen!!“ …okay, ein Tag könnte schlimmer beginnen.)
Außerdem sprichst du von dir nicht mehr ausschließlich in der 3. Person Singular, immer öfter bist du tatsächlich „ich“ und handelst auch entsprechend. („Bin total nicht müde!“😀 ) Und andere Personen sind auch häufiger mal „du“ und werden auch sprachlich so behandelt. Mit den Possessivpronomen hast du allerdings noch häufiger etwas Probleme, da verwechselst du oft noch „mein“ und „dein“, sowie „unser“ und „euer“..
Dein Satzbau, dein ganzer Ausdruck wird generell immer elaborierter. Du wünschst dir oft nicht mehr einfach „Brot“, sondern „Brot mit Marmelade bitte“. Dann sitzen wir am Tisch und du sagst: „Die Birne mit scharfe Messer schneiden, Mama!“ …und was soll ich sagen? Ich tu’s.🙂 Es ist einfach eine Freude, dass du dich so gut ausdrücken und deine Gedanken, Vorstellungen und Wünsche so genau äußern kannst. Das macht das Leben mit dir sehr einfach.
Kürzlich hatten wir zum Beispiel den Fall, dass du plötzlich die Treppe zum Wohnzimmer nicht mehr alleine hochkrabbeln wolltest (richtig gehen kannst du sie noch nicht, die Stufen sind zu hoch für deine kurzen Beine). Dein Vater und ich unterstellten dir schon Faulheit, bis wir endlich mal auf die Idee kamen, dich nach dem Grund zu fragen.. und der lautet: „[Haselmaus] Angst hat. Große Loch ist, reinfallen!“ Und ja, da haben wir es dann verstanden. Die Stufen sind offen, man kann zwischen ihnen durch den Boden sehen, und ich bin ehrlich gesagt fast ein wenig erleichtert, dass dieser Blick in die Tiefe dir Angst macht. (So ist nämlich meine Sorge, dass du oben von der Sofalehne aufs Geländer kletterst und dann auf die Treppe stürzt, deutlich gelindert..)
Und da du eigentlich permanent redest und praktisch alles aussprichst, was du wahrnimmst oder was dir gerade durch den Kopf geht, verstehe ich meist auch ganz gut, was du dir da vorstellst, wenn du mal wieder mitten im Symbolspiel bist.
Wenn du zum Beispiel im Zimmer hin und her läufst, dich dann demonstrativ auf den Boden setzt, einen imaginären Gegenstand zwischen Daumen und Zeigefinger hältst und ihn in den Teppich bohrst, wäre ich ohne deine Worte, dass du nun einkaufen fährst, dir einen Einkaufswagen holst und dafür einen Chip einlegen musst, ZIEMLICH aufgeschmissen. Und so haben wir beide Freude daran. Oder wenn du dir aus dem Bettzeug auf dem Gästebett ein Auto baust und damit in den Wald fährst und da den Tiger triffst, der „einfach im Baum rum hängt“. Du erlebst so viele Abenteuer im Moment, und es ist so wahnsinnig schön, dass ich das meiste davon miterleben darf, einfach weil du deine Fantasien in Worte ausdrücken kannst.

Besonders hoch im Kurs steht bei dir übrigens im Moment das Thema „Verneinungen“. Seit einer ganzen Weile höre ich eigentlich 24/7 nur noch, was ich/die Katzen/der Papa/eine beliebige Person in deinem Blickfeld alles NICHT kann/darf/soll/will. Kaum nehme ich etwas in die Hand, heißt es sofort: „Nein, Mama NICHT [wasauchimmer es gerade ist]!“ Ich darf nicht sitzen, nicht stehen, nicht essen, nicht „Augen tu machen“. Die Katzen dürfen nicht schlafen. Der (völlig fremde) Junge darf (in seinem eigenen Garten!) NICHT am Baum stehen. Und schon gar nicht dürfen irgendwelche Kinder auf dem Spielplatz irgendwas, was du ihnen auch unmissverständlich klar machst. (Hier bitte peinlich berührten „Affe hält sich die Augen zu“-Emoji einfügen) Ich gebe zu, es ist manchmal schon recht ermüdend und anstrengend. Auf der anderen Seite sind wir bisher von größeren Wut- und Trotzanfällen deinerseits verschont geblieben, Schimpfen reicht dir meist (bis jetzt jedenfalls).

Dein Wortschatz. War und ist ein Kapitel für sich. Wenn ich ihn beschreiben müsste, würde ich sagen: jenseits von Gut und Böse. Wörter zu zählen habe ich ja vor einiger Zeit endgültig aufgegeben und macht auch wirklich überhaupt keinen Sinn mehr. Welches Wort auch immer du benötigst, du benutzt es. Sei es die Rohrzange, die Nacktschnecke oder WASAUCHIMMER. Du verwendest völlig selbstverständlich Verben wie „purzeln“, „wirbeln“, „herumlungern“ oder „nachdenken“. Du unterscheidest ein Dutzend Pflanzenarten (Butterblumen, Pusteblumen, Klee, Farn, Sonnenblumen, Weizen, Gras, Gänseblümchen, Tulpen, Rosen, Lavendel, Seerosen,…) und sämtliche Obstbäume, sowie Laub- und Nadelbäume, du erkennst und benennst Huhn, Hahn und Küken, Wal und Hai, generell alles was da kreucht und fleucht, sämtliche Kleidungsstücke, Körperteile und Lebensmittel. Mittlerweile benutzt du ständig Wörter wie „eigentlich“, „vielleicht“, „trotzdem“, „nämlich“, „und“, „oder“, „aber“, „immer“, „manchmal“, wenn auch manchmal in abenteuerlichen Konstruktionen – dein Satzbau ist nämlich zuweilen noch etwas wirr, was ich aber ehrlich gesagt nicht verwunderlich finde, wenn man bedenkt dass du zum Teil mit sieben, acht, neun Wörtern jonglierst. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum du oft „stotterst“. Ich weiß nicht, ob das so ganz der richtige Begriff dafür ist, aber man merkt, wie sich während des Sprechens in deinem Köpfchen die Zahnrädchen drehen, und während dein Hirn noch die Wörter sortiert kommt aus deinem Mund oft für zwei, drei Sekunden nur „t-t-t-t-t…“. Noch klingen deine Äußerungen auch oft recht „abgehackt“, man merkt einfach, dass dein Kopf noch hart daran arbeitet ein Wort ans andere zu fügen, gerade bei den längeren oder komplizierteren Äußerungen. Aber ab und zu „fließt“ doch ein völlig (oder fast ganz) korrekter Satz über deine Lippen, und zwar so dermaßen flüssig und selbstverständlich, dass ich dann schon ein wenig irritiert bin.
Ich bin sehr gespannt, was du uns in den nächsten Wochen und Monaten spracherwerbstechnisch noch so servieren wirst und freue mich schon wahnsinnig darauf. Und weißt du, was ich besonders schön finde? Dass wir uns richtig unterhalten können und du so viel von dem, was in deinem Kopf und Herz vor sich geht, preisgeben magst. Ich liebe deine Geschichten und deine Ideen, du kleines verrücktes Huhn, du!
(Heute sagtest du plötzlich: „Weiß nicht ob die Matte weg ist im Wald. Mal hinfahren, gucken!“ – und ich rätsele immer noch, was du eigentlich mit „Matte“ meinst..😀 )

24+0: Wieder ein Meilenstein geschafft.

Es ist ein Wunder, dass ich gerade am Rechner sitze – die Haselmaus schläft nämlich, obwohl es erst früher Nachmittag ist.😛 Echt erholsam, muss ich sagen.
Die letzten Wochen hatte ich ziemlich zu kämpfen. Ich weiß, irgendwie ist das schon albern, dass so ein fehlender Mittagsschlaf so dermaßen reinhaut und mich phasenweise wirklich so an den Rand der Erschöpfung bringt, dass ich wirklich das Gefühl hatte zusammenzubrechen.. aber es ist so. Ich laste das auch der Schwangerschaft an. Ich bin im Moment einfach nicht so leistungsfähig wie ich es sein sollte, aber es gibt eben auch keine Möglichkeit mich zu entlasten (ne Haushaltshilfe vielleicht, aber wer will das bezahlen..), und wenn dann die Haselmaus – wie gerade geschehen – mal wieder eine Ich-will-aber-rund-um-die-Uhr-bespaßt-und-herumgetragen-werden-Phase hat und mich keine fünf Minuten mal was anderes machen lässt, dann geht das ganz schön an die Substanz.
Mittlerweile haben wir uns aber einigermaßen eingegroovt. Sie ist wieder etwas entspannter (und ich damit auch!) und ich habe gelernt, die müde Phase in der Mittagszeit mit möglichst viel Action zu bestreiten – das hält uns beide wach und bei Laune. Wenn andere Kinder schlafen springen wir eben draußen durch die Wiesen und Wälder, sind auf dem Spielplatz oder gehen einkaufen. Allerdings bin ich dann abends so erschöpft, dass nach Kind-ins-Bett-bringen (21 Uhr) und Haushalt-Notrettung (22 Uhr) die Kraft zum Bloggen oder für sonstige Erheiterungen fehlt. Tut mir wirklich leid, und ich fürchte, wenn das Haselhäschen dann irgenwann auf der Welt ist, wird hier erst recht Flaute herrschen, aber ich kanns nicht ändern..
Und ja, die Schwangerschaft, die läuft halt wirklich so nebenher. Zum Glück bisher halbwegs beschwerdefrei, bis eben auf die Müdigkeit, gelegentliche Kreislaufprobleme (speziell bei heißem Wetter) und wirklich ziemlich häufigen, nervigen, tagelang anhaltenden Kopfschmerzen.. Ich muss aber sagen, dass meine Kondition dieses Mal vermutlich sogar noch besser ist als beim ersten Mal – da die Haselmaus ja ein ausgesprochenes Draußenkind ist und mich bei Wind und Wetter durch die Pampa traben lässt (ihr doch egal ob es schüttet oder die Sonne bei 30° vom Himmel knallt), habe ich wirklich immer genug Bewegung. Vorhin haben wir auch wieder 8+ km hinter uns gelassen und davon ist sie zwar über die Hälfte selber gelaufen, aber den Rest habe ich sie getragen (gelobet sei der Ring Sling, ich werde ihm bei Gelegenheit einen eigenen Beitrag widmen, so dankbar bin ich für das Teil), und auch wenn sie mit ihren etwas über 10 Kilo gar nicht mehr so mopsig ist, weiß man dann anschließend doch, was man getan hat..
Ja, jedenfalls: die Schwangerschaft. Schreitet voran, würde ich sagen. Das Haselhäschen ist immer noch ein sehr, sehr, SEHR ruhiger Charakter, aber WENN es sich dann mal muckst, tritt es schon ordentliche Beulen in den Bauch.
Selbiger ist auch schon ganz ordentlich gewachsen, jedenfalls wenn ich mir vergleichsweise die Fotos vom ersten Mal angucke.. da sah ich Ende Juli ähnlich aus, war aber schon 6 Wochen weiter. Die Leute gucken auch schon mal recht irritiert, wenn ich sage, dass das Kind erst für Mitte November ausgerechnet ist, aber nun. Es ist eben das zweite. Und da ich mich, wenn ich mich an die erste Schwangerschaft zurück erinnere, meist des Endumfangs des Bauches damals entsinne und weniger des Zustandes in der 25. Woche, kommt mir die Kugel auch noch gar nicht so extrem vor.
Allerdings fühle ich mich die meiste Zeit auch gar nicht so sehr schwanger, eher unförmig..

Bei 23+3 war übrigens wieder Vorsorge, das erste Mal bei meiner neuen Ärztin. Ich muss sagen, bis jetzt finde ich es da gut. Ich hoffe das bleibt auch so, schließlich muss ich ja noch das ein oder andere Mal dort hin.
Sie war auch so lieb und hat- außer der Reihe – tatsächlich mal kurz den Ultraschall hochgefahren „um sich einen Überblick zu verschaffen“. Das Häschen war wie immer völlig unbeeindruckt, hielt die Hände vors Gesicht (kein schönes Foto!) und kniff die Beine zusammen. Wir wissen also immer noch nicht, ob wir schlussendlich einen Jungen- oder einen Mädchennamen brauchen, aber auch die neue Ärztin tendierte eher zum Mädchen. Ende August ist dann der dritte große Ultraschall (SCHON!! Unglaublich..), vielleicht lüftet sich ja dann das Geheimnis. Sonst müssen wir uns eben überraschen lassen. Wäre auch okay. Ich schätze dem Haselhäschen wird es ziemlich egal sein, dass es auf jeden Fall rosa Socken tragen wird – die hat nämlich seine Schwester letztens für es ausgesucht und da gabs leider überhaupt kein Vertun: es MUSSTEN die rosanen sein. Wer weiß, vielleicht weiß sie ja auch etwas das wir nicht wissen.😉
Jedenfalls gehts dem Häschen soweit gut, der Haselmaus ebenfalls, und mir.. na ja, doch, auch wieder besser. Und ich hätte wirklich so Lust wieder mehr zu bloggen, aber.. siehe oben. Es ergibt sich im Moment einfach nicht. Vielleicht mal am Wochenende. Vielleicht sogar mal mit Bauchbild(ern). Ach, mal gucken..

Zwei.

Nein, nicht zwei Jahre. (Obwohl – so lang ist das auch nicht mehr hin..) Und nein, auch nicht zwei Kinder. Darauf will ich nicht hinaus. 

Nein, ganz einfach: die Haselmaus weiß mittlerweile, was „zwei“ bedeutet! Sie kann zählen! (Gut, bis zwei ist jetzt nicht sehr weit gezählt, aber hey.. sie bekommt eine Vorstellung von Mengen und Zahlen. Das finde ich schon ziemlich beeindruckend.) 

Mit 18 Monaten fing das an, dass sie plötzlich beim Sprechen ganz selbstverständlich den Plural zu nutzen begann. Das war schon irgendwie ganz cool so. Dann, mit 19 oder 20 Monaten – ich hab’s mir leider nicht notiert -, wollte sie mit meinen Ringen spielen, steckte sie sich ganz lässig auf die Finger, betrachtete sie kurz und kommentierte dann: „Zwei Ringe!“ Und ich: 😱 Hat sie das gerade wirklich gesagt? … Ja, hatte sie. Aber ich dachte, vielleicht habe ich das ja vorher mal gesagt und sie plappert nur nach… 

Und dann passierte das aber wieder. Zwei Pferde stehen auf der Wiese. Da kommen zwei Hunde. Mama kauft zwei Äpfel… Okay. Okay. Leider (? Nee, eigentlich finde ich es gut) ist mein Kind ja eines, das sich absolut nicht vorführen lässt. Sie präsentiert ihre Fähigkeiten nicht auf Kommando und sie riecht es auf 100 km Entfernung wenn man sie zu irgendwas kriegen will. (Zum Glück ist unser Kinderarzt einer, der diesen ganzen Entwicklungskram nicht so abprüft, sonst könnte es bei der bald anstehenden U7 echt frustrierend werden 😆) Ich hätte SO gerne nachgeprüft, ob sie das wirklich verstanden hat mit der Zwei.. aber da spielte sie natürlich nicht mit. Auf die Frage „Wie viele xyz sind das?“ oder Bemerkungen a la „Oh, schau!  ….Pferde!“ antwortete sie natürlich NICHT mit „Zwei!“ sondern nur völlig ungerührt mit „..Ja.“ 

So ist das eben. Sie macht was wann wie und wo sie will. Aber sie ist eben auch für ihr Alter recht eloquent, und so kam ich dann schon recht bald in den Genuss von Aussagen wie: „Zwei Tauben auf Dach! Zweiter Vogel weg fliegt! Oh! BEIDE Vögel weg flogen!!“ …und da denke ich mir dann: okay, wer sowas äußert, der hat wohl begriffen, was „zwei“ bedeutet..

Wahnsinn. Vor einem Jahr fing sie gerade mal an zu sprechen und jetzt.. Es stimmt wirklich: sie werden zu schnell erwachsen. Und bald stehen ZWEI Kerzen auf der Torte…