Ich wollte wie Orpheus singen – mal wieder

Lange war es still hier. Das hat seine Gründe. Genauer gesagt zwei Gründe und die sind 2,5 Jahre und 6 Monate alt. Speziell letzterer Grund hat mein Schweigen zu verantworten, denn das Fräulein Haselflocke lässt mich abends maximal noch kurz die große Schwester in den Schlaf kuscheln und dann fordert es mich zurück. Man schläft nämlich nur auf Mama gut. Und Mama kommt also niemals lange genug an den Rechner um all die vielen Blogbeiträge zu tippen, die ihr auf den Nägeln brennen.. Tagsüber natürlich erst recht nicht, da ich ja Pi mal Daumen 13 Stunden allein mit den Kindern bin und eins davon schon lange gar nicht mehr und das andere maximal 20 Minuten am Stück tagsüber schläft – außer auf mir. Und am Handy längere Beiträge schreiben, womöglich gar mit links, weil der rechte Arm das dauerstillende Kind stützt – so wie jetzt gerade – ist so gar nicht meins. Dazu kann ich mich einfach nicht überwinden.

Also tja. Ich wollte einen schönen, langen Halbjahresbeitrag verfassen aber die Adressatin desselben torpediert das erfolgreich, daher wird hier vermutlich weiterhin Stille herrschen. Das finde ich zwar ausgesprochen bedauerlich, aber es könnte schlimmere Gründe dafür geben und von daher finde ich mich erstmal damit ab und harre besserer Zeiten.

Bis irgendwann mal!

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The first time ever I saw your face -Geburtsbericht, Teil 2

Ewig hat es gedauert und ich musste den Beitrag in vielen kleinen Etappen schreiben, aber hier ist er: der Rest vom Geburtsbericht (den ersten Teil findet ihr hier).

 

Und dann ging alles irgendwie schnell und langsam zugleich. Die Damen verließen den Raum für einen Moment um sich zu beratschlagen. Ich lag da und wusste nichts mehr und horchte nur noch auf das Geräusch des CTGs.
Tock tock tock tock tock tock tock. Tock tock tock.
„Es wird langsamer“, sagte ich zu deinem Papa.
Tock. Tock. Tock.
Tock. Tock.
Und im gleichen Maß, wie sich das Klopfen verlangsamte, begann mein Herz zu rasen.
Tock.
Es ist so langsam.
Tock.
Warum ist es so langsam?
Tock.
Es geht schief, alles geht schief.
Tock.
Holt sie raus holt sie raus holt sie raus!
Tock…
Ich wollte weinen, ich wollte schreien, ich hatte so furchtbare, furchtbare Angst. Ich hatte in meinem Leben weiß Gott schon oft und heftig Angst gehabt, Panik, Todesangst, Angst vor dem Hier und Jetzt, aber ich schwöre, nichts war jemals so schlimm wie das, was ich in diesen Augenblicken fühlte. Mein Kind, mein kostbares Kind, das so viele Monate in mir gewachsen war und das ich so gerne endlich in die Arme schließen wollte, dieses Kind, DU, es war in Gefahr an dem Ort, der doch der allersicherste für es sein sollte, und ich konnte nichts für es tun, gar nichts. Am liebsten hätte ich dich auf der Stelle mit meinen eigenen Händen dort heraus gegraben, aber ich konnte nichts tun als diesem langsamen Klopfen zu lauschen, tock, tock, und nach jedem einzelnen Ton fürchtete ich, es könne der letzte gewesen sein..
Und dann wurde das Klopfen wieder etwas schneller, gleichmäßiger. Die Geburtshelferinnen kamen zurück ins Zimmer, und ich wusste schon was sie sagen würden und war dankbar dafür, es sollte nur schnell gehen..
„Es tut uns sehr leid, aber wir denken, dass es das Sicherste für Ihr Kind ist, wenn wir hier abbrechen und eine Sectio vornehmen“ sagte die Ärztin. „Sie kennen das ja schon, aber wir erklären Ihnen gleich noch mal alles und dann geht es in den OP.“
Ich nickte. Es war mir alles ganz egal, ich wollte dich nur endlich sicher bei mir wissen.
Die Hebamme schaute mir in die Augen und streichelte sanft meinen Arm. „Machen Sie sich keine Vorwürfe, Sie haben alles getan. Und weinen Sie, wenn Ihnen danach ist. Das ist in Ordnung.“
Ich schluckte, aber ich weinte nicht. (Aber jetzt tue ich es. An diesem Tag konnte ich nicht.) Ich wartete, ungeduldig. Es ging mir alles viel zu langsam. Man bot mir eine Kaisergeburt an: ich sollte zusehen dürfen, wie du aus meinem Bauch ans Licht gehoben werden würdest, dich selbst entgegen nehmen, dein Vater sollte die Nabelschnur durchtrennen dürfen.. Ob ich das wolle? Ja, sagte ich, aber eigentlich war es mir ganz egal, du solltest nur bitte bitte endlich da sein und gesund.
Dann kam die Ärztin, die die OP durchführen sollte (ich kannte sie sogar schon, bei ihr hatte ich die Geburtsplanung gemacht), erklärte noch einmal das Prozedere, tröstete mich. Dann ein Anruf: Kaisergeburt ginge leider nicht, das erforderliche Personal stünde leider gerade nicht zur Verfügung da kurzfristig anderweitig benötigt. Ja, macht nichts. Bitte holt sie raus. „Sie bekommen Ihr Kind dann trotzdem gleich zu sich, es dauert höchstens zwanzig Sekunden länger.“ Ja. Bitte.
Und dann, endlich, bekam ich ein Bondingband übergezogen und ein Hemdchen drüber, das Bett mit mir darin rollte über den Flur, die Lichter zogen vorüber, ich wurde umgelagert, bekam ein Häubchen, wurde festgeschnallt, bekam eine Klemme an den Finger.. Mein Herz raste, während ich mit dem Personal, mit deinem Vater scherzte, ich wollte weinen, weinen, ich hatte solche Angst um dich und war so hilflos..

Endlich wurde das große blaue Tuch aufgespannt, das OP-Team begann seine Arbeit. Es war kurz nach 17 Uhr. Ein wenig Blut spritzte filmreif direkt vor mir auf das Tuch, ich spürte nur hier und da ein Spannen, ein heftiges Drücken, ein leichtes Ruckeln.. Das Blut rauschte in meinen Ohren, ich wartete auf dieses erlösende Geräusch, deinen ersten Schrei. Die Minuten zogen sich endlos. Dann: ein leises Quäken. Schwach und gepresst und so leise, so kurz, dass ich mir nicht sicher war, ob ich es mir nicht eingebildet hatte.. Hektische Betriebsamkeit hinter dem Tuch. Noch ein Quäken, dann ein Schlürfen. Quäken.  Schlürfen. Wo bleibt mein Kind? Zwanzig Sekunden, hatten sie gesagt. Warum ist mein Kind nicht da?
Und dann, DANN, der Augenblick in dem du plötzlich in meinem Blickfeld erschienst. Bläulich, schmal, die dunklen Augen weit aufgerissen, lagst du plötzlich auf meiner Brust, jemand schob dich sacht unter das Bondingband. Dein Blick senkte sich tief in meinen, wie schon bei deiner Schwester meinte ich für einen zeitlosen Moment einen Blick in eine andere Welt, in eine andere Wirklichkeit werfen zu können, in ein Reich, das sonst für uns Lebende geschlossen und das so fremd und dunkel und doch so vertraut ist.. Ich sah dich an, ich nahm deine winzige Hand und streichelte deinen Kopf und sah doch nichts. Mein Herz war so voll von dir, von dem Gefühl deines kleinen warmen Körpers auf meiner Haut, dass ich gar nicht recht wahrnahm, dass du nach Luft japstest, dass nicht alles gut war..
„Wir müssen Ihre Tochter noch einmal mitnehmen“ sagte plötzlich jemand und nahm dich hoch, „sie hat noch etwas Startschwierigkeiten. Ihr Mann kann mitkommen.“
Und weg warst du. Und die Hebamme. Und dein Vater.
Und da lag ich wieder. Allein, oder fast, während hinter dem Tuch mein Körper wieder zusammen genäht wurde, und wusste nichts, aber vor meinem inneren Auge sah ich noch immer dein Gesicht, und meine Fingerkuppen meinten noch deine weiche Haut zu spüren… Und da war sie wieder, die Angst. Und die Sekunden tropften vor sich hin.
Irgendwann tauchte die Hebammenschülerin an meiner Seite auf und erzählte etwas. Dass du noch behandelt werden müsstest, dass du noch nicht gut atmen könntest, dass sie dich in den Kreißsaal gebracht hätten weil du dort besser versorgt werden könntest, dass du möglicherweise in ein Krankenhaus mit Kinderklinik verlegt werden müsstest, aber das sei noch nicht klar.. Ihre Worte sollten mich wohl beruhigen, aber ihre Stimme klang unsicher, in ihrem Blick las ich Mitleid und Sorge. Am liebsten wäre ich von diesem OP-Tisch geflohen. Dahin, wo du warst, um dich in meine Arme zu nehmen. Es war mir ganz egal, was mit mir passierte, ich hätte alle meine Eingeweide dort liegen lassen wenn ich dich nur hätte halten können.
Es dauerte so endlos lange, aber endlich, endlich schob man mich aus dem Operationssaal, ich wurde wieder in ein Bett gelegt, und dann schob man mich erneut über einen Flur und in einen anderen Kreißsaal.. und da warst du, mit deinem Papa und einem Rudel Personal um dich herum, an einen Monitor angeschlossen..
„Wir geben sie zur Mutter auf die Brust“ hörte ich eine der Damen sagen, „dann erholt sie sich wahrscheinlich von alleine.“
Und dann warst du bei mir. Und alles war gut.
Deine Haut war mittlerweile rosig geworden, dein Atem ging gleichmäßig. Und du lagst auf meiner Brust, schwach aber aufmerksam, und schautest mich an. Und ich wusste, jetzt ist alles gut. Die Angst war wie weggepustet und auch wenn ich mir alles anders gewünscht hätte: ich war glücklich.
Mein Körper war noch wie gelähmt – die aufgespritzte PDA und die Strapazen der vergangenen Stunden hatten meine Arme bleischwer und schwach werden lassen, unterhalb des Brustkorbs fühlte ich gar nichts -, aber mein Geist war wach. Und anders als deine Schwester warst du für die nächsten Stunden ganz bei mir, Haut auf Haut, ich konnte dich halten und streicheln und deine winzigen Zehen bewundern, du schmiegtest dich an mich, und das hat so vieles heilen lassen was auch nach über zwei Jahren noch wund unter der Oberfläche lag.
Es tat so gut.
Wir waren noch lange allein mit dir im Kreißsaal, dein Vater und ich. Kurz nach fünf warst du zur Welt gekommen, und erst kurz vor elf – mit dem Schichtwechsel – verließen wir den Kreißsaal und bezogen unser Zimmer auf Station.

Den Monitor wurdest du erst am nächsten Tag los, aber gebraucht hättest du ihn nicht mehr. Dass du zu Beginn Probleme mit der Atmung hattest hat man dir wirklich schon zu dem Zeitpunkt, als ich in den Kreißsaal kam, nicht mehr angemerkt (im Arztbrief steht: „5x prolongiert bebeutelt, Maskenbeatmung, O2-Vorlage, Monitoring. Im Verlauf gut adaptiert“, dein Apgar lag – laut Mutterpass – bei 6/8/8), du warst und bist ein waches und neugieriges Baby, fast schon ein bisschen ZU wach und neugierig, denn Tagschlaf ist nicht so deins.. 😉
Jetzt bist du schon fast 2 Monate alt, hast wunderschöne große (noch) graue Augen mit langen, dichten, dunklen Wimpern, immerhin noch einen Rest dunkle Haare, seit Geburt mal eben 2 Kilo zugenommen und somit deine spillerige Neugeborenenfigur verloren, bist fast 59 Zentimeter groß (also ganze 5 cm gewachsen), trägst Größe 62/68, hast eine sehr kräftige Stimme und gibst auch sehr deutlich zu verstehen, wenn dir etwas nicht passt – was leider öfter mal der Fall ist, zum Beispiel wenn du mal nicht bei Mama bist..
Jetzt gerade liegst du friedlich schnorchelnd auf meinem Schoß, und während ich das hier tippe muss ich immer wieder kurz innehalten und dich einfach nur ansehen.
Ich will ehrlich sein: ich hadere schon ein wenig damit, wie alles gelaufen ist. Ich hatte mir so sehr eine spontane Geburt gewünscht. Sie hätte dauern und schmerzhaft sein dürfen, damit hätte ich gut leben können. Sicher war der Kaiserschnitt die richtige Entscheidung, das zweifele ich gar nicht an, und ich bin (das bekommt man ja als Kaiserschnittmutter immer gerne gesagt und stimmt natürlich) auch froh und dankbar, dass wir beide gesund sind. Gerade nach dem Schrecken, der Angst um dich während der Geburt und direkt danach. Für nichts auf der Welt bin ich dankbarer als für dein Leben und deine Gesundheit. Trotzdem bleibt da eine gewisse Trauer. Nicht, weil ich mich nicht als vollwertige Frau fühle, weil ich es „nicht selbst geschafft“ habe oder dergleichen.. sondern einfach, weil ich mich so sehr auf diese Geburt gefreut habe und nun letztendlich doch diese eine Erfahrung nicht machen durfte und vermutlich auch nie werde machen dürfen.. Denn selbst wenn ich noch einmal schwanger werden würde (was schon unwahrscheinlich genug ist), so würde wahrscheinlich unser drittes Kind von vornherein nur per Schnittentbindung zur Welt kommen dürfen. (Die Ärztin sagte mir nach der Geburt, dass das Gewebe um die Narbe herum schon stark beansprucht war und die Gefahr einer Uterusruptur bei mir – im Gegensatz zu den meisten anderen Frauen – deutlich erhöht, weswegen sie im Falle einer weiteren Schwangerschaft von einer Spontangeburt abraten würde. Und da das Krankenhaus dort normalerweise eine recht niedrige Kaiserschnittrate hat und man dort nicht vorschnell zur Sectio rät, bin ich geneigt ihr zu glauben…)
Ich fühle mich ein wenig betrogen, irgendwie enttäuscht. Und niemand kann etwas dafür und niemand kann es ändern. Es ist einfach so. Und während ich meine erste Geburt – obwohl sie so lang und anstrengend war – irgendwie auch rückblickend noch als schön empfinde, lässt mich diese zweite eher mit einem unguten Gefühl zurück. Denn der Haselmaus ging es währenddessen (auch wenn es sicher anstrengend für sie war) die ganze Zeit gut, aber du, du warst in Gefahr (wahrscheinlich gar nicht so sehr, aber ich empfand es so), und das kann ich nicht so einfach vergessen. Und diese Angst, die würde mich vermutlich nun bei jeder weiteren Geburt begleiten. Sie hat mir den Zauber dieser Situation, die Leichtigkeit und die Zuversicht geraubt. Und wenn ich an jenen Tag zurück denke, dann denke ich zunächst immer mit Wehmut daran zurück, wie schön es anfangs war, und dann, wie furchtbar die letzten Stundenn waren. Das kann ich einfach (noch?) nicht vergessen, auch nicht mit dir in meinem Arm.
Aber du bist mehr als nur der Moment, in dem du zur Welt kamst, und ich weiß, die Wochen und Monate und Jahre mit dir werden diese Gefühle nach und nach verblassen lassen, und stattdessen werden da viele unvergleichlich schöne Erinnerungen sein, Erinnerungen an erste und letzte Male, an dein Lachen und deine Blicke, an alles was dich ausmacht, an unsere gemeinsamen Momente. Und ich freue mich darauf. Ich freue mich darauf, dich und deine Schwester durchs Leben zu begleiten, eure Hände zu halten und zu sehen, wie ihr euren Weg geht. Ihr seid zwei wunderbare kleine Mädchen. Danke, dass ihr bei uns seid. ❤

The first time ever I saw your face
I thought the sun rose in your eyes
And the moon and the stars were the gifts you gave
To the dark and the endless skies

Frohe Weihnachten

Im Moment passiert ja leider nicht viel hier.. aber ich wünsche euch allen ein frohes Fest, ein paar entspannte und wunderschöne Tage mit Menschen, die ihr liebt, gutes Essen, inneren Frieden und ein paar schöne neue Erinnerungen! 

Frohe Weihnachten!

Fairytale gone bad – Geburtsbericht, Teil 1

Mein liebes kleines Flöckchen, mein Haselbaby,
pass auf, ich möchte dir etwas erzählen. Du wirst meine Worte jetzt noch nicht verstehen, aber ich halte sie hier fest, damit sie nicht verloren gehen, damit ich mich auch in vielen Jahren richtig an alles erinnern kann, damit diese Geschichte vollständig bleibt – denn es ist deine Geschichte.

Wir haben auf dich gewartet; dein Papa und ich und deine Großeltern, Tanten, dein Onkel (der, stell dir vor, mit dir am gleichen Tag Geburtstag hat!), so viele liebe Menschen, die mit uns verbunden sind und bereit, dich in ihre Gedanken und ihr Herz zu schließen.
Am 18. November, drei Tage nach dem errechneten Geburtstermin, an einem Freitagmorgen im Spätherbst (auch deine Schwester ist übrigens ein Freitagskind!), da wachte ich morgens auf und hatte Wehen.
Schon im Halbschlaf hatte ich sie wahrgenommen, aber zunächst ignoriert. In den Tagen davor hatte ich bereits ein paarmal Ähnliches gespürt, immer verschwanden jedoch diese Empfindungen mit dem Aufstehen.
Weil ich aber den Gedanken an die Geburt so schön fand, blieb ich nach  dem Aufwachen noch eine Weile still liegen und spürte die noch sehr moderaten Schmerzen ganz bewusst, streichelte ein bisschen meinen Bauch und dich darinnen und hing meinen Gedanken nach, begann ein wenig auf die Dauer und Abstände der Wehen zu achten.
Und diesmal blieb es, dieses Ziehen im Bauch.
Ich war so glücklich. Ich glaube, in meinem ganzen Leben habe ich mich selten so sehr über etwas gefreut wie an diesem Morgen über die Wehen, die deine Ankunft ankündigen sollten. Ich war ganz ruhig – und gleichzeitig voller wilder Freude, Abenteuerlust und Neugier auf das, was in den kommenden Stunden geschehen würde. Und ich war sicher: das hier ist der Tag. Dein Tag, unser Tag.

Ich rief deine Oma an um ihr zu sagen, dass sie losfahren könne um für die nächsten Stunden für deine  Schwester zu sorgen. Ich sagte deinem Papa Bescheid, dass wir bald ins Krankenhaus fahren würden. Er war irritiert über meine Ruhe und gute Laune, und ich glaube, er war auch ein wenig ängstlich. 😉
Dann ging ich noch ganz entspannt duschen, packte ein paar letzte Utensilien in die Handtasche, trank noch eine letzte Tasse Himbeerblättertee (und zwar wirklich die letzte – damit war mein Vorrat aufgebraucht!) und aß einen Schokoriegel (kein besonders reichhaltiges oder gesundes Frühstück, aber mehr mochte ich nicht).
Die Haselmaus war inzwischen aufgewacht und hopste gut gelaunt durch die Wohnung, die Sonne ging auf, die Oma stand vor der Tür, die Wehen kamen im Abstand von weniger als fünf Minuten. Ich sagte deiner Schwester auf Wiedersehen, wir stiegen ins Auto.
Es war wirklich ein außergewöhnlich schöner Morgen. Wir fuhren über Land, ich sog den Anblick der Felder und Weiden, der Wälder, der kleinen Ortschaften im goldenen Herbstmorgenlicht in mich auf. Alles war so wunderschön, ich hätte weinen mögen.
Wir erreichten das Krankenhaus. Die Wehen kamen im Abstand von 2 Minuten. Wir betraten den Eingangsbereich, stiegen in den Fahrstuhl, fuhren in den vierten Stock, klingelten an der großen Tür mit der Aufschrift „Kreißsäle“.
„Hallo“, strahlte ich die Hebamme, die uns entgegen kam, an, „ich bekomme ein Kind!“
Es war sehr leer und sehr ruhig dort. Sie führte uns in einen der Kreißsäle (Nr. 3), die so wunderschön in Altrosa gehalten und sanft beleuchtet sind, zog ein wenig die Vorhänge zu, fragte nach Dauer und Länge der Wehen, nahm meinen Mutterpass und die Krankenkassenkarte entgegen. Es folgte eine halbe Stunde CTG (das ich lieber im Stehen schreiben ließ, die Wehen wurden langsam doch ein wenig schmerzhafter und waren so leichter zu veratmen) und eine Untersuchung: Gebärmutterhals erhalten, Muttermund weich und fingerkuppendurchlässig. Kind nicht im Becken.
Ich durfte es mir gemütlich machen, dein Papa ging noch einmal das Auto umparken und mich anmelden. Es war elf Uhr.

Die Zeit verging, die Wehen wurden stärker und stärker, ich wurde gefragt ob ich wohl etwas essen möge, aber ich wollte nur Wasser und ganz bei mir sein. Noch immer war meine gute Laune ungebrochen, obwohl die Wehenschmerzen mittlerweile heftig waren. Während einer besonders heftigen Wehe – ich hing gerade über dem Pezziball – machte es „PLOPP“: die Fruchtblase war geplatzt. Ich konnte mich noch eben so aus der Jogginghose schälen, da lief es schon..
Die Hebamme freute sich und ordnete ein weiteres CTG an. Eine erneute Untersuchung ergab: Muttermund vollständig. Aber Kind immer noch nicht im Becken.
Das war der Moment, in dem mir schwindelig wurde und ich dachte, gleich kippe ich um. Plötzlich fühlte ich mich zwei Jahre zurückversetzt.
Das CTG wurde dann im Liegen geschrieben und versetzte mir einen weiteren Tiefschlag. Denn es wurde klar, dass du, mein Mädchen, mit den Wehen nicht so besonders gut zurecht kamst. Assistenzärztin, Hebamme und Hebammenschülerin beratschlagten sich ein wenig und empfahlen mir dann, entweder im Vierfüßler oder in Seitenlage weiter zu machen, in der Hoffnung dass du dich dadurch richtig ins Becken drehen würdest. Eigentlich hätte ich den Vierfüßler vorgezogen, weil die Wehen im Liegen schier unerträglich waren, aber plötzlich fehlte mir die Kraft. Vielleicht hätte ich doch besser frühstücken sollen… oder es war die Vergangenheit, die mich einholte.
Das CTG blieb angeschlossen, mein Kreislauf war im Keller und ich konnte plötzlich nicht mehr als nur da liegen und irgendwie die Wehen, die schnell und heftig kamen, zu veratmen. Dein Papa hielt zwischendurch meine Hand und das tat gut, aber ich spürte, ich spürte, dass da etwas nicht rund lief. Und plötzlich hatte ich das Gefühl, es nicht länger aushalten zu können. Ich bat um eine PDA. Dabei hatte ich es eigentlich ohne schaffen wollen. Die Hebamme sagte, das wäre kein Problem, aber sie wolle mich vorher noch einmal untersuchen, denn es könne ja sein, dass es jetzt ganz schnell ginge. (Dort im Krankenhaus bekommt man die PDA übrigens wirklich nur auf Wunsch – „Wenn Sie eine PDA wollen, müssen Sie das Wort „PDA“ auch in den Mund nehmen“, hatte mir die Hebamme bei der Geburtsanmeldung gesagt. Fand und finde ich gut so.)
Leider zeigte sich, dass die Geburt tatsächlich nicht voran schritt, du lagst immer noch falsch,  und ich bekam zunächst einen Zugang, dann einen Wehenhemmer und dann meine PDA. Währenddessen tickerte das CTG tapfer weiter, aber die Werte waren nicht gut. Immer öfter prüften Ärztin und Hebamme, ob der  Schallkopf richtig saß. „Ist das das Kind oder die Mutter?“ hörte ich sie mehrmals überlegen, während ich mittlerweile einfach nur noch völlig kraftlos da lag, die Augen geschlossen, und am ganzen Körper bebte und zitterte.
„Das wird wieder ein Kaiserschnitt, oder?“ fragte ich irgendwann leise.
„Abwarten“, sagte die Hebamme.
Aber ich wusste es schon, irgendwo tief drinnen. Man schlug mir vor, über eine Lageveränderung einen Versuch zu starten, das Kind ins Becken zu bewegen. Ein Wehentropf wurde angeschlossen. Ich sollte mich von der linken auf die rechten Seite drehen und anschließend wieder zurück. Es war anstrengend, ich dachte ich würde es nicht schaffen. Das CTG wurde schlechter.
„Der Puls von Ihnen und Ihrem Kind liegt im Moment sehr nah beieinander“ sagte jemand. „Wir können das sehr schlecht unterscheiden, deshalb möchte wir gern eine Elektrode am Kopf Ihres Kindes anbringen, damit es eindeutig wird.“
Ich nickte.
Es brauchte ein Halbdutzend Versuche, bis die Elektrode endlich lag. „Das Kind liegt viel zu weit oben, ich komme nicht dran“ sagte die Hebamme. Die Ärztin versuchte ihr Glück, aber auch sie schaffte es nicht auf Anhieb.
Als sie schon aufgeben wollte, klappte es doch – und das Geräusch des CTGs klang jetzt anders. Keine galoppierenden Pferde mehr, sondern ein lebhaftes Tischtennismatch. „Tock tock tock tock tock tock tock…“
„Ihr Kind braucht eine Pause“ sagte eine der Damen. „Wir machen den Wehentropf erst einmal ab und schauen ob es sich erholt.“
Ich nickte wieder.
Tock tock tock tock tock tock tock.
„Das Fruchtwasser ist mittlerweile grün. Das bedeutet, dass Ihr Kind Stress hat. Leider können wir deshalb nicht ewig so weitermachen..“
Ich nickte.
„Was haben Sie denn selbst für ein Gefühl? Meistens wissen es die Frauen selbst am besten.“
Ich atmete tief durch. Schluckte. „Das wird nichts mehr“, sagte ich ganz leise an dem Kloß in meinem Hals vorbei.
Und dann: „Hauptsache, sie kommt heil da raus.“

 

Häschen, hüpf ❤

Bereits am 18.11. – also vorgestern, ET+3 – hat sich das Haselhäschen zu uns gesellt. (Es ist übrigens – wie von der Ärztin im Krankenhaus vermutet – ein Mädchen. Die Haselmaus hatte recht mit den rosa Socken!!) Die Geburt begann sehr schön, verlief dann aber leider doch nicht ganz so glatt (wenn auch nicht hochdramatisch), und nun sitze ich wieder hier und darf der Kaiserschnittnarbe beim Heilen zusehen… Aber sei es so. Ich habe eine zweite wunderbare Tochter und sie ist gesund. ❤ Und bald – vermutlich übermorgen – können wir auch nach Hause, und dann erzähle ich hoffentlich alles noch genauer. (Das Krankenhaus hier ist wirklich super, aber steht leider mitten im Funkloch)

Bis dahin sage ich schon mal danke für die vielen lieben Gedanken und Wünsche.. Ich melde mich! 

ET+2: Nope.

Immer noch schwanger. Sorry! 😛

War heute dann auch wieder zur Vorsorge. Meine Ärztin war leider krank, daher bei ihrer Kollegin (Gemeinschaftspraxis).. Die stellte fest: alles wie gehabt. Alles schön weich, Gebärmutterhals vollständig, Muttermund schweigt sich aus, Kind zwar mit Bezug zum Becken aber nicht wirklich drin, geschweige denn fest.. CTG war wie immer unspektakulär und mit weniger (Übungs)Wehen als sonst schon mal. Also keinerlei Anzeichen, dass hier in näherer Zukunft eine Geburt bevorstehen könnte.
Klar, kann trotzdem aus heiterem Himmel passieren, fände ich auch echt ganz okay! Aber ich rechne mit nix.
(In den letzten Nächten hatte ich immer mal wieder leichte Wehen, aber die bewirken ja offenbar bislang nicht wirklich was..)
Jetzt, wo der ET überschritten ist, muss ich auf jeden Fall öfter zur Kontrolle, nämlich alle zwei Tage. Nun ist ja heute Donnerstag, das ist blöd, Samstag hat ja die Praxis natürlich geschlossen, also gehts dann eben ins Krankenhaus und Montag dann wieder regulär zur Ärztin (wenn das Häschen bis dahin nicht geschlüpft sein sollte, was ich durchaus für möglich halte). So wirklich begeistert bin ich davon nicht, schließlich fahre ich – egal wohin – pro Strecke (mindestens) eine halbe Stunde, dann dauert das CTG ja auch, womöglich gibts dann noch Ultraschall/Doppler plus eventuelle Wartezeit.. da ist dann der halbe Tag wieder rum und obendrauf will mein Mann auch nicht, dass ich alleine fahre (okay, hat er vielleicht nicht ganz Unrecht), das heißt aber wir müssen die Haselmaus dann auch immer mitschleppen und irgendwie ist das alles so umständlich und doof…
Die Ärztin kommentierte die Notwendigkeit der Kontrolle mit den Worten: „Sie können das ja umgehen, indem Sie ganz einfach entbinden!“ …“einfach“. Haha. 🙂

Versteht mich nicht falsch. Ich bin eigentlich gerade ganz zufrieden damit, noch schwanger zu sein. Um ehrlich zu sein wars die letzten Tage sogar wieder richtig angenehm, einfach weil ich im Moment ja nicht allein die Haselmaus versorgen muss und auch mal zwischendrin Pause habe. Und es so auch viel mehr genießen kann, diese Zeit mit ihr noch zu haben. Es ist wirklich schön jetzt ganz bewusst mit ihr noch zu kuscheln, Bücher zu lesen, zu malen, spazieren zu gehen, zu spielen – ohne meine Aufmerksamkeit teilen zu müssen. Und es ist AUCH schön, sich mal nachmittags eine Stunde einfach ins Bett zu legen, wenn ich müde bin. In Ruhe den Bauch zu streicheln, dem Häschen amüsiert beim Turnen da drinnen zuzusehen und die Bewegungen noch einmal richtig wahrzunehmen. Sich auf die Geburt zu freuen, sich auszumalen wie es vielleicht wird, wie dieser winzige Mensch dann aussehen mag und wie es sein wird wieder so ein kleines Bündel im Arm zu halten. Die Vorfreude auszukosten. Also von mir aus dürfte dieser Schwebezustand GERNE noch anhalten.
Nur hat mein Mann leider nur noch wenige Urlaubstage, und wenn die verbraucht sind und das Häschen noch nicht geschlüpft, dann sitze ich hier allerhochschwangerst mit Kleinkind den ganzen Tag, mit etwas Glück kann meine Mutter vielleicht ein, zwei Tage noch da sein, aber das wars dann.. Und DANN noch die Kontrolltermine irgendwie wahrnehmen, den Einkauf machen, den Haushalt.. das traue ich mir nicht mehr so wirklich zu. Wenns so kommt, dann klappt es irgendwie, ja. Muss ja. Aber die Vorstellung ist schon nicht so schön. Dann ist auch nix mehr mit genießen. Also wäre es schon ganz gut, wenn dieses kleine Kuschelmuckeltrödelhäschen innerhalb der nächsten Tage aus dem Bauch ausziehen würde. Okay?

40+0: Eine Kommilitonin von mir pflegte zu sagen: Man kann entweder pünktlich sein ODER gut aussehen

Ich vermelde hiermit: Haselhäschen ist immer noch gut verpackt und macht nach wie vor wenig Anstalten sein gemütliches Zuhause zu verlassen (verständlich bei dem Wetter). Ich finde das ganz okay. Ich hab Zeit. Ich kann warten.
Und jetzt gehe ich ins Bett und gönne mir noch ein paar Stunden Schlaf. Man weiß ja nie, wie viel man davon in der nahen Zukunft noch bekommt.. 🙂

39+0: In der Weste nichts Neues.

Jepp, das Haselhäschen ist immer noch drinnen im Bauch. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass sich da großartig was tut. Also ja, der Bauch wird gern mal hart, aber das macht er ja schon seit 20 Wochen oder so. Ich nehme das gar nicht mehr so wirklich wahr. Und es zieht und sticht und piekst mal hier, mal da, aber das tut es jetzt auch schon ne Weile und trotzdem war beim letzten Arzttermin nicht wirklich eine Änderung zu verzeichnen. Okay, auf dem CTG schon recht gleichmäßige Wehen, aber die spüre ich nicht. Muttermund weiterhin geschlossen, Gebärmutterhals erhalten, usw. Allerdings alles schon schön weich, sagte die Ärztin. „Wenn das Kind erstmal ins Becken rutscht, gehts wahrscheinlich schnell.“ meinte sie. Ähm ja. Ersetzen wir doch das Wörtchen „wenn“ durch das das sehr ähnliche, aber nicht gleichbedeutende Wörtchen „falls“. Tut mir leid, nach meinen Erfahrungen aus der letzten Schwangerschaft pflege ich so meine Zweifel, ob das mit dem Becken funktioniert.
Klar, jede Schwangerschaft ist anders.. sagt man. Aber bis jetzt läuft der Endspurt haargenau so wie beim ersten Mal. Daher flehe ich auch gefühlte 183789423mal am Tag in Gedanken: „Bitte kein Blasensprung. Bitte kein Blasensprung. Bitte kein Blasensprung!“ ..weil, nein, ich fände es einfach ungünstig und blöd. Kann man sich nicht aussuchen, ist klar, aber wünschen kann man sich das. Und hoffen. Und ich wünsche und hoffe, dass ich einfach irgendwann ganz langweilige, stinknormale Wehen bekomme. Und richtig toll wäre, wenn das Haselhäschen es seiner Schwester nicht nachmachte und im Gegensatz zu ihr wirklich den richtigen Ausgang fände. Von mir aus auch als Sternengucker. Ist mir alles egal. Nur kein Kaiserschnitt, das wäre fein.

Mittlerweile sind hier irgendwie auch schon alle ganz unruhig und ungeduldig, am meisten wohl meine Mutter. Und mein Mann – der seit gestern Urlaub hat – fragt gefühlt alle fünf Minuten, ob es jetzt los geht?!?!?!  …nein, sorry, tut mir leid. Ich melde mich dann schon. Vielleicht. Vielleicht hab ich auch keine Lust und tu einfach so als ob nichts wär? 😛 Also ehrlich…
Ich denke ja, es wird noch dauern. Mit einiger Wahrscheinlichkeit poste ich hier auch in einer Woche noch belanglose Updates, weil sich nichts tut. Und das wäre auch okay. (Also, für mich. Für den/die geneigte(n) LeserIn vielleicht nicht. 😛 ) Vielleicht wäre ich dann wenigstens diese ätzende Erkältung los, die mich pünktlich zum Wochenende ereilte. Und ich könnte dann mit freier Nase noch ein paar erholsame Nächte zubringen, statt nachts japsend in meinem Kissenberg zu liegen.

Und jetzt stimmt doch einfach alle mit ein wenn ich anfange zu singen:
Lass dich überraschen, schnell kann es gescheh’n, dass auch deine Wünsche in Erfüllung gehn!

38+1: Ein Bauch geht einkaufen.

So kam ich mir heute vor.
Hatte die Haselmaus eingetütet und war mit ihr zum Supermarkt gefahren. Und ich weiß ehrlich nicht, was da heute los war, aber irgendwie scheine ich wohl eine Grenze überschritten zu haben, schwangerschaftsmäßig.
„Oh Gott“ hörte ich zum Beispiel eine junge Frau zu ihrem Partner sagen, nachdem sie zuerst mich samt Bauch und dann die Haselmaus erblickt hatte, „ich beneide sie nicht!“
Oder eine andere Dame, die mir entgegen kam während ich die Maus in ihren „Einkaufswagen mit Auto dran“ verfrachtete, und entsetzt ausrief: „Ach herrje, Sie Ärmste!! Aber gut, wenn sowas Süßes dabei rausspringt…!“
Oder der Herr, der im Gang am Kühlregal erstmal drei Schritte rückwärts machte, als ich um die Ecke bog…

Leute, gebt mir doch bitte nicht das Gefühl mich selbstbemitleiden zu müssen. Ja, ist alles etwas anstrengend momentan (zumal mein Mann diese Woche noch Überstunden macht weil er nächste Urlaub, dann hoffentlich Elternzeit und anschließend wieder Urlaub bis Ende des Jahres hat, und daher noch später als sonst schon nach Hause kommt), aber ich finde es könnte schlimmer sein. Und so besonders lange werde ich den Bauch ja auch nicht mehr herumschleppen.  Und übrigens: nein, es sind ganz sicher KEINE Zwillinge und auch kein 6-Kilo-Baby…

Morgen habe ich den nächsten Arzttermin – mal sehen, was Frau Doktor dann spricht. Letzte Woche war noch alles geburtsunreif, aber Fruchtwasser war noch ausreichend vorhanden, also kein Grund sich zu stressen.. Im Moment ziepelt und zupelt es ziemlich oft fleißig im Bauch, aber ich habe keine Ahnung, ob das irgendwas zu bedeuten hat.
Die Kliniktasche steht jedenfalls endlich gepackt bereit (und ja, diesmal auch mit ausreichend Klamotten für einen womöglich längeren Aufenthalt, sogar ein Tragetuch habe ich eingesteckt 😛 ), das Beistellbett hat endlich eine neue Matratze, ist frisch bezogen, Spucktücher sind gewaschen (aber noch nicht gefaltet, egal!), die Babyschale ist einsatzbereit, Klamöttchen sind sauber, Windeln liegen bereit.. also für den Ernstfall bin ich vorbereitet.
Gut, wir haben immer noch keine Wickelgelegenheit außerhalb des Kinderzimmers (wo ja nun die Haselmaus schläft – ich kann dann ja schlecht mitten in der Nacht da mit Baby reinplatzen und außerdem finde ich, das ist IHR Zimmer – ein sehr kleines noch dazu! – und das soll es auch bleiben), aber zur Not kann man ja erstmal irgendwo auf dem Boden wickeln, Badezimmer oder so, eine eigene Kommode fürs Häschen brauchts auch nicht soo dringend, die ersten Wochen sind die Klamotten erfahrungsgemäß eh mehr in der Waschmaschine als in irgendeiner Schublade..
Und allein kann ich eh keine Möbel mehr kaufen, geschweige denn herumrücken und dergleichen, also muss das eh warten bis der Herr des Hauses auf die eine oder andere Art frei hat.
Also alles in allem läuft das hier schon irgendwie.
In der ersten Schwangerschaft war ich um die Zeit ja irgendwie noch sehr gelassen und fest davon überzeugt, dass es bis zur Geburt noch dauert (stimmte ja dann auch!), diesmal fühle ich mich insgesamt etwas unruhiger. Aber das liegt denke ich daran, dass mir alle immer erzählen, dass es beim zweiten Kind meist eher soweit ist, und wahrscheinlich auch etwas daran, dass diesmal auch alles etwas komplizierter ist, zumindest was den Beginn der Geburt betrifft..
Damals bei der Haselmaus war das ja eher so: ach ja, wenns los geht ruf ich meinen Mann an, dann kommt der nach Hause und dann haben wir ja alle Zeit der Welt und fahren ganz in Ruhe ins Krankenhaus…
Jetzt ist das eher so: Wenns los geht, ruf ich meinen Mann und meine Mutter an, die brauchen aber jeweils mindestens ne Stunde und ich bin so lange mit der Haselmaus alleine, was mache ich nur wenn die Wehen sehr schnell sehr heftig sein sollten (kann ja alles passieren?) oder – SuperGAU!! – wieder die Fruchtblase platzt und der Haselhäschenkopf nicht fest im Becken ist (ist er nämlich bislang nicht!), ich kann mich ja nicht ne Stunde auf den Boden legen und nix tun wenn ich ein Kleinkind zu betreuen hab, RTW find ich aber auch doof, alles blöd, Hilfe..?
Aber dann denk ich mir auch jedes Mal so: hilft nix sich vorher bekloppt zu machen, warten wir es einfach ab. Wird schon schiefgehen.
Ich spekuliere einfach darauf, dass die Blase diesmal erst im Krankenhaus springt (oder sich wahlweise das Kind vorher vernünftig ins Becken bewegt hat), ich einfach ganz normale, langweilige Wehen bekomme und die Geburt dann so mindestens sechs bis zehn Stunden, von mir aus auch länger dauert, damit hinreichend Zeit ist um die Haselmausbetreuung sicher zu stellen, in Ruhe ins Krankenhaus zu fahren (halbe Stunde Fahrt Minimum, wahrscheinlich eher 45 Minuten dank wirklich ungünstiger Baustellen auf der Strecke :/ ), da anzukommen und ganz gemütlich dieses Kind auf die Welt zu bringen. Können wir das so machen? Ich freue mich nämlich eigentlich total auf die Geburt und bin abgesehen von diesem ganzen Organisations- /Startblabla wirklich ganz entspannt und angstfrei. Schmerzen sind mir egal (wenns irgend geht verzichte ich diesmal auch gern auf die PDA), eventuelle Geburtsverletzungen ebenso, und selbst wenns dann letztendlich doch wieder ein Kaiserschnitt werden würde, na ja, dann wäre das halt so..

Lustig ist, dass ich mir das mit der Geburt irgendwie ganz gut vorstellen kann, das fertige Endprodukt aber irgendwie so gar nicht. Da soll dann wirklich tatsächlich nochmal ein richtiges Baby hier einziehen, also so ein richtiger kleiner Mensch der 24/7 bei uns ist und wächst und atmet und irgendwann anfängt zu sprechen und zu laufen? Verrückt. Kann ich irgendwie nicht so recht glauben.
Klar, da schiebt irgendwas recht fleißig in meinem Bauch herum und drückt lustige Beulen rein, aber na ja, das ist irgendwie doch ziemlich abstrakt. Auch beim zweiten Mal! Und das bleibts wahrscheinlich auch mindestens bis zu dem Moment, wo ich das Häschen im Arm halte.. und womöglich sogar darüber hinaus. Wir werden sehen.
Jetzt falle ich aber erstmal ins Bett und schlafe ein bisschen – man weiß ja nie, wie lange das noch ungestört möglich sein wird. 😉

 

37+0: Time flies

Mein liebes Haselhäschen,

es ist kaum zu glauben, aber die Zeit in deiner Kuschelhöhle neigt sich jetzt rasant dem Ende zu. Wie lange es noch dauert, bis ich dich im Arm halten darf, weiß ich nicht zu sagen, aber eins ist klar: es ist absehbar. Wir schreiben 37+0, das bedeutet: ab jetzt wärest du offiziell kein Frühchen mehr. (Na gut, offiziell erst ab übermorgen. Meine erste Ärztin hatte dich anfangs mal anhand des Ultraschalls 2 Tage zurück datiert und deswegen ist der errechnete ET jetzt offiziell eben erst am 17. 11. statt am 15. – was ich Quatsch finde, weil ja das Datum deiner Zeugung hundertprozentig sicher vorliegt und danach sollte man sich ja wohl eigentlich richten, aber na gut. Was sind schon zwei Tage.. Tu mir nur bitte den Gefallen und halte noch bis übermorgen die Füße still, sonst muss ich dich nämlich vermutlich woanders als im Wunschkrankenhaus zur Welt bringen und das fände ich persönlich sehr, sehr schade..)
Du bist nun also theoretisch bereit, die große bunte Welt hier draußen kennen zu lernen, und wir freuen uns schon sehr auf dich. Aber du darfst dir gern noch ein wenig Zeit lassen, wir warten auch. Ich muss zwar gestehen, dass es im Moment recht beschwerlich ist mit dem großen Bauch (zumal ich diesmal ja nicht einfach die Zeit bis zur Geburt gemütlich auf dem Sofa fläzend verbringen kann, sondern den ganzen Tag hinter deiner verteufelt agilen Schwester her hechte 😉 ), aber ich weiß auch, dass ich es später vermissen werde, und daher koste ich diese letzten Tage so gut wie möglich aus, streichle deinen Rücken, wenn du dich mal wieder von rechts nach links und von links nach rechts drehst, schmunzle wenn du mal wieder Schluckauf hast und genieße einfach diese riesige irre Vorfreude auf dich kleinen Menschen.
Und ich habe Glück: es geht mir gut. Zwar bin ich recht schwerfällig geworden und oft wahnsinnig müde (was aber eben auch daran liegt, dass ich deine Schwester den ganzen Tag bespaße – das ist schon unschwanger nicht unanstrengend, in meinem aktuellen Zustand aber wirklich oft eine Herausforderung), ansonsten bin ich aber auch diesmal von größeren unangenehmen Begleiterscheinungen/Schmerzen verschont geblieben. Nicht mal Wasser eingelagert habe ich diesmal, jedenfalls nicht in nennenswerten Mengen, ich kann also mit etwas Glück bis zum Tag X weiter meine normalen Schuhe tragen und muss nicht in Flipflops durch den Herbstregen watscheln. 😉
Ja, der Bauch ist wohl recht groß, wie ich aus den Reaktionen meiner Mitmenschen schließen muss (hört doch bitte auf zu glotzen?!), es sind mittlerweile auch zwei bis drei Zentimeter mehr Umfang als zum Ende der ersten Schwangerschaft, die Umstandsklamotten sind recht knapp, aber hey. Ich kann mir noch immer die Zehennägel selbst schneiden, die Schuhe anziehen und ich passe noch hinters Steuer meines Autos, also stört mich das herzlich wenig. Deine Schwester muss jetzt leider damit leben, dass längere Spaziergänge erstmal (sie würde sagen: „erbsmal“) gestrichen sind, weil man hier ja nach wenigen Minuten mitten in der Pampa steht wo mit etwas Pech tagelang kein Mensch vorbei kommt, und das ist mir so, hochschwanger und in Begleitung eines – wenn auch sehr ausdauernd laufenden und kooperativen – Kleinkinds, etwas zu heikel. Wir sind trotzdem täglich an der frischen Luft und bewegen uns so viel wie möglich.

Du bist immer noch ein eher ruhiges Kind. Zwei oder drei Mal hast du da im Bauch ein paar Minuten Party gefeiert, ansonsten begnügst du dich im Wesentlichen damit, ab und zu mal ein wenig die Position zu verändern, was ich dann aber aufgrund deiner aktuellen Größe mittlerweile schon sehr deutlich spüre.
Du warst auch so lieb und hast dich irgendwann (in der 35. Woche oder so?) aus der von dir bis dahin bevorzugten Beckenendlage bewegt und dich mit dem Kopf nach unten gedreht, was mich wirklich sehr gefreut hat. Zwar hätte die BEL nicht unbedingt zwingend einen Kaiserschnitt bedeutet, aber das Risiko wäre schon höher gewesen. Sorge hatte ich allerdings tatsächlich nicht mehr wirklich deswegen, schließlich habe ich – so scheint mir – dass für mich, für uns perfekte Krankenhaus als Geburtsort gefunden und dort ist man sehr erfahren mit spontaner Entbindung nach Sectio sowie auch mit BEL-Geburten. Überhaupt, ich war nun dreimal dort (zum Informationsabend, zur Geburtsanmeldung und zur Geburtsplanung) und war wirklich immer angetan vom Gesamtpaket dort – ich freue mich unheimlich darauf, dich dort zum ersten Mal in die Arme schließen zu dürfen. (Und wer weiß, vielleicht blogge ich auch noch mal ausführlich darüber, was ich alles toll finde dort. Ich würde gerne. Aber wenn, dann tue ich das nach der Geburt, wenn sich das Haus im Praxistest bewährt hat. 😉 )
Zurück zu dir: du bist zwar ruhig, aber augenscheinlich zeitgemäß entwickelt und fit. Beim Ultraschall, der im Rahmen der Geburtsplanung im Krankenhaus in der 36. Woche stattfand, wurdest du auf etwa 2600 Gramm geschätzt, also total im Rahmen. Und: wir haben sogar überraschend noch ein Outing bekommen. Nachdem du dich wirklich bei allen vorherigen Gelegenheiten immer ganz verschämt herumgedrückt hast, hast du der Ärztin dort (und damit auch mir) doch noch einen recht eindeutigen Blick gewährt. So ganz hundertprozentig darauf verlassen möchte ich mich nun nicht mehr, aber ich muss ganz ehrlich gestehen dass es mir auch gar nicht mehr wichtig war. Ich war sogar fast ein wenig enttäuscht, dass nun der Überraschungseffekt bei der Geburt (wahrscheinlich) weg fällt.. aber es hat einige Familienmitglieder sehr gefreut, es doch noch vorher zu erfahren, von daher war es doch ganz schön. 🙂 Da du aber dein Geheimnis so lange Zeit so gut verborgen hast, werde ich es zumindest hier noch nicht verraten, versprochen.

Ein ganz kleines bisschen Sorge in diesem ganzen Unkomplizierte-Endschwangerschaftskram muss aber wohl sein. So wurde bei eben diesem Ultraschall auch festgestellt, dass die Fruchtwassermenge sich mittlerweile eher in der unteren Norm bewegt und deswegen weiterhin im Auge behalten werden sollte.. und das hat sich dann leider auch bei der Vorsorge vergangene Woche bestätigt. Es ist zwar nicht kritisch bisher, aber eben auch nicht optimal, und wenn man dann noch die Weisung bekommt, verstärkt auf die Kindsbewegungen zu achten, dann muss man schon ein wenig aufpassen, deswegen nicht in Sorge zu geraten. Übermorgen ist der nächste Termin, da wird dann noch einmal drauf geschaut, und ich muss gestehen, dass ich schon ein wenig Schiss davor habe, dass es plötzlich heißt: Einleitung. Oder sonstwas.
Klar, das Wichtigste ist, dass es dir gut geht, dass du gesund bist. Aber ich würde mir noch dazu wünschen, dass du selbst entscheidest, wann du so weit bist geboren zu werden. Für dich – und für mich. Plötzlich rausgeschmissen zu werden ist mit Sicherheit nicht so toll, und ich.. tja, ich habe einfach etwas Sorge, dass eine Einleitung auch diesmal wieder so laufen würde wie beim letzten Mal, und die Ansage habe ich schon bekommen: Wehensturm ist nicht drin, dann heißt es: Kaiserschnitt. Und das fände ich dann schon etwas traurig, für dich, für mich und auch für deine Schwester, die dann wohl etwas länger auf die Mama verzichten müsste, denn dann werde ich wohl wieder länger im Krankenhaus bleiben müssen als mir lieb ist.
Deswegen hoffe ich einfach, es ist am Donnerstag alles noch gut und wir können einfach so weitermachen wie bisher. Und wer weiß, vielleicht ziehst du ja dann vor dem nächsten Termin auch von alleine aus..
Auf jeden Fall sind wir nun auf der Zielgeraden. In sehr wenigen Wochen, vielleicht auch nur Tagen, bist du bei uns, und um ehrlich zu sein kann ich mir das immer noch nicht so wirklich vorstellen und es auch nicht so recht glauben. Real wird es wohl erst, wenn ich dich dann im Arm halte. Wann immer das auch sein mag. Ich freue mich sehr darauf, mein kleines Hasenkind. ❤